Alleinherrscher und Rückzüge

Vorarlberg / 03.03.2017 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Steht offenbar im Kreuzfeuer: Bürgermeister Köhlmeier. Foto: VN
Steht offenbar im Kreuzfeuer: Bürgermeister Köhlmeier. Foto: VN

Unter Druck. „Ziemlich angeschlagen.“ So wird der Harder Bürgermeister und Gemeindeverbandspräsident Harald Köhlmeier (44, VP) derzeit hinter den Kulissen beschrieben. Die Gründe dafür wissen sogar seine Parteifreunde zu erzählen: Köhlmeier habe im Zusammenhang mit der Suche nach einem Standort für das Dampfschiff Hohentwiel nicht nur die Opposition im Rathaus geschlossen gegen sich. Selbst  Mandatare in den eigenen Reihen hätten bereits gedroht, ihr Engagement an den Nagel zu hängen, sollte Köhlmeier weiterhin als Präsident mit Alleinherrscherallüren agieren, heißt es. Auch als Verbandspräsident scheint der Harder im Hinblick auf sein Verhandlungsgeschick nicht mehr unumstritten, er soll inzwischen auch bei LH Markus Wallner (49, VP) auf Unmut gestoßen sein. Kein Wunder, dass böse Zungen zu wissen glauben, dass ihm die Dornbirner Stadtchefin Andrea Kaufmann (47, VP) sowie Bürgermeister Werner Müller (58, VP) als Aufpasser zur Seite gestellt worden sein sollen und darüber hinaus der Lauteracher Bürgermeister Elmar Rhomberg (52, VP) als bestens mit der Landespolitik vernetzter Kommunalpolitiker als künftiger Gemeindeverbandspräsident schon in den Startlöchern stehe.


Rollenspiele. Es gibt Jobs, für deren Ausübung eine Uniform Vorschrift ist. Dazu zählt auch die Arbeit eines Stadtpolizisten. Wenn der Polizist darüber hinaus ein politisches Amt bekleidet und während der Dienstzeit kommunalpolitisch ins Rampenlicht treten will, wird es zeitlich eng. Ein Beispiel dafür liefert der Bludenzer Vizebürgermeister Mario Leiter (51, SP). Leiter spurtet nämlich bis zu sechs Mal (!) am Tag zu seinem Spind und tauscht dort Uniform gegen Sakko. Dabei darf der streitbare Politiker tunlichst nicht darauf vergessen, als Gesetzeshüter auszustempeln. Immerhin ist Stadtoberhaupt Mandi Katzenmayer (65, VP) sein Personalchef und verfolgt mit Argusaugen, ob Leiter aus- und einstempelt und fehlende Stunden als „Stadtbulle“ auch wieder nachholt. Ganz umsonst muss Leiter seine freiwillig gewählten Rollenspiele nicht machen: Die Entschädigung des Bludenzer Vizestadtchefs wird mit 3000 Euro brutto beziffert.


Abgang. Über die Hintergründe wird am Arlberg bestenfalls spekuliert. Faktum ist, dass sich Willi Skardarasy (76) im Februar von seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Rüfikopf-Seilbahn AG verabschiedet hat. Nun führt Florian Moosbrugger (47), Betreiber des legendären Hotel Post und bisheriger Stellvertreter Skardarasys im Aufsichtsrat, den Vorsitz im Gremium, in dem auch Gemeindechef Ludwig Muxel (61), Gebhard Jochum (55), Rechtsanwalt Sepp Manhart (71), Hannes Schneider (56) sowie Hotelier Paul Pfefferkorn (70) und Stefan Schneider (58) als Kontrollorgane mitzureden haben. Moosbrugger soll in absehbarer Zeit zum neuen Chef des Aufsichtsrats gewählt werden. Den Vorstand der Bahn bilden übrigens Michi Manhart (74) und Christoph Pfefferkorn (34).

Zitate der Woche

Beim Vorsorgen geht es oft ja nicht darum, die Existenz abzusichern, sondern den Lebensstandard.

Markus Salzgeber, Vermögensberater, im VN-Gespräch

Unglaublich, wie Stefan Kraft bei diesen Verhältnissen eine Bombe nach der anderen raushaut.

Heinz Kuttin, ÖSV,
Skisprung-Cheftrainer

Vieles, was wir im Vorfeld der Bürgermeisterstichwahl 2015 gemacht haben, würde ich mit dem heutigen Wissen nicht mehr machen.

Mandi Katzenmayer, VP,
zur Wahlkartenaffäre Bludenz

Ich war für meine Geschwister ein ziemlich unerträglicher Tugendbold.

Christoph Schönborn, Kardinal, über seine Jugendzeit