Die vernachlässigten Nieren

Vorarlberg / 09.03.2017 • 18:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Riesenniere im Foyer des Landeskrankenhauses Feldkirch war ein vielbestauntes Ausstellungsstück. Fotos: vn/paulitsch
Die Riesenniere im Foyer des Landeskrankenhauses Feldkirch war ein vielbestauntes Ausstellungsstück. Fotos: vn/paulitsch

Chronische Nierenerkrankungen sind häufig und gefährlich. Projekt zur Früherkennung.

Feldkirch. (VN-mm) Sie sind klein, aber Hochleistungsorgane. Täglich werden in den beiden Nieren 180 Liter an Körperflüssigkeiten gereinigt. Stockt dieser Motor, kann das alle Zellen beeinträchtigen. Das Problem: Eine eingeschränkte Nierenfunktion verläuft lange symptomlos und wird deshalb oft erst sehr spät entdeckt. Dann brauchen Betroffene meist schon eine Dialyse oder Transplantation.

Katastrophale Folgen

Mit dem Projekt „Gesunde Niere“ soll die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen forciert werden. „Bei rechtzeitiger Diagnose lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verzögern“, erklärte Primar Karl Lhotta, Leiter der Nephrologie im LKH Feldkirch, wo anlässlich des gestrigen Weltnierentags eine begehbare Niere tiefe Einblicke gewährte. Dabei geht es nicht nur um die Nieren. Viel häufiger führen unbehandelte Nierenleiden zu Herzinfarkt, Herzversagen und Schlaganfall. „Auch diese katastrophalen Folgen gilt es durch eine rechtzeitige Diagnose und Therapie zu verhindern“, betonte Lhotta.

Kostenlose Tests

Die Umsetzung des Projekts erfolgt durch niedergelassene Allgemeinmediziner und Internisten. Die Finanzierung übernehmen das Land sowie die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK). Wie hoch sie sein wird, hängt von der Beteiligung ab. Für Patienten sind Blutabnahme und Harnuntersuchung jedenfalls kostenlos. Mehr braucht es nämlich nicht, um eine chronische Nierenerkrankung zu erkennen. „Das geht kostengünstig und ohne Belastung“, merkte Karl Lhotta an. Ein Screening war allerdings nie das Ziel. Deshalb wurden Risikogruppen definiert. Eingeladen zur Untersuchung sind Personen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren, die an Diabetes, Bluthochdruck und starkem Übergewicht leiden und bei denen eine familiäre Veranlagung zu Niereninsuffizienz besteht. Bei einem positiven Befund, den der Nierenspezialist bei jeder dritten bis fünften Untersuchung vermutet, übernehmen niedergelassene Mediziner die weitere Behandlung. Dabei geht es nicht nur um eine medikamentöse Therapie. Auch der Lebensstil spielt für die Nierengesundheit eine bedeutende Rolle. In den westlichen Industrienationen leiden etwa zehn Prozent der Erwachsenen an einer chronischen Nierenschädigung. Aber nur ein Bruchteil der Patienten wird laut Karl Lhotta derzeit diagnostiziert. In Vorarlberg benötigen 100 Personen pro Jahr eine Nierenersatztherapie. Jedes Jahr kommen rund 40 neue Patienten an die Dialyse. Allein im Landeskrankenhaus Feldkirch werden jährlich 14.000 Dialysebehandlungen durchgeführt. Jährlich müssen sich 20 Patienten aus Vorarlberg einer Nierentransplantation unterziehen. 40 Personen stehen auf der Warteliste.

Dennoch verzeichnet Vorarlberg bei den Dialysepatienten seit einigen Jahren den geringsten Zuwachs aller Bundesländer. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard führt das unter anderem auf die bereits gut ausgebaute Frühdiagnostik zurück. „Jeder, dem wir das Schicksal einer Dialyse oder Nierentransplantation ersparen können, ist ein Gewinn, nicht nur die Therapiekosten, sondern vor allem die Lebensqualität betreffend“, unterstrich GKK-Obmann Manfred Brunner den Wert des Projekts aus dem Zielsteuerungskatalog des Landes.

Die Untersuchung ist kostengünstig und ohne Belastung.

Karl Lhotta

Tipps für die Nierengesundheit

» Bleiben Sie körperlich fit

» Vermeiden Sie Übergewicht

» Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich

» Messen Sie Ihren Blutdruck

» Falls Sie an Diabetes leiden, achten Sie auf gute Blutzuckereinstellung

» Hören Sie mit dem Rauchen auf

» Nehmen Sie nicht über einen längeren Zeitraum frei käufliche Schmerzmittel ein

» Lassen Sie regelmäßig Ihre Nierenwerte kontrollieren, wenn Sie zur Risikogruppe gehören