„Kirche soll auch über Zölibat nachdenken“

Vorarlberg / 10.03.2017 • 18:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diözesanbischof Benno Elbs freut sich, wenn am Mittwoch ab 18 Uhr die Pfarrkirche in Nüziders voll besetzt ist. Foto: vn/hofmeister
Diözesanbischof Benno Elbs freut sich, wenn am Mittwoch ab 18 Uhr die Pfarrkirche in Nüziders voll besetzt ist. Foto: vn/hofmeister

Nach 15 Jahren findet die Bischofskonferenz zum zweiten Mal in Vorarlberg statt.

Feldkirch. Ein besonderes Ereignis steht der Diözese Feldkirch ins Haus. Ab Montag versammeln sich 14 Landes- und Weihbischöfe in der Propstei St. Gerold zur Frühjahrskonferenz, um aktuelle Themen zu diskutieren.

Was bedeutet das für Sie persönlich?

Elbs: Natürlich eine Freude und Ehre zugleich. Es ist wichtig, dass die Nähe zu den Menschen in den Diözesen gelebt wird. Deshalb gibt es am Mittwochabend in Nüziders auch einen öffentlichen Gottesdienst mit Agape, wo die Bevölkerung mit den Bischöfen ins Gespräch kommen kann. Pfarrer Karl Bleiberschnig war von der Idee sofort begeistert. Ich denke auch nicht, dass es Berührungsängste gibt.

Werden auch Themen abseits der offiziellen Tagesordnung besprochen?

Elbs: Wir haben ein straffes Programm zu absolvieren, aber es gibt das freie Gespräch der Bischöfe am Abend, und da geht es mit Sicherheit auch um aktuelle Themen.

Papst Franziskus hat sich aktuell zum Zölibat geäußert. Er meinte, in Gebieten mit akutem Priestermangel könnte er sich eine Lockerung vorstellen. Wie stehen Sie dazu?

Elbs: Man kann über alles diskutieren und soll das auch tun. Für Regionen mit sehr wenigen Priestern wird es eine Lösung brauchen. Darüber muss die Kirche nachdenken. Es geht ja darum, die Glaubensweitergabe auch künftig zu sichern.

Unter anderem stehen bei der Frühjahrskonferenz das Integrationsgesetz sowie gesellschaftliche Veränderungen in der Schule und im Bildungsbereich auf der Tagesordnung: Möchte die Kirche mehr gehört werden?

Elbs: Der Leitstern für kirchlich-religiöse Angelegenheiten ist das Evangelium. Das müssen wir immer wieder in die Diskussion um Menschenwürde, Solidarität und Zusammenhalt einbringen. Da darf die Kirche nicht nachlassen. Gleichzeitig tut die Kirche in den genannten Bereichen selbst auch sehr viel. Da wären etwa die Privatschulen zu nennen. Gleiches gilt für die Integration, wo die Caritas stark engagiert ist. Ebenso gehören Wohnen und Arbeit zur Menschenwürde. Wir sehen es als Aufgabe, nicht nur zu reden, sondern auch zu tun. Die Kirche ist nicht parteipolitisch, doch sie muss politisch sein im Sinne der Menschen.

Nun gibt es aber zahlreiche Menschen, die der Kirche gerade wegen ihres Einsatzes für die Integration den Rücken kehren . . .

Elbs: Es macht natürlich betroffen, wenn das Einstehen für Arme und Menschen am Rande der Gesellschaft als Grund genommen wird, die Kirche zu verlassen. Unser Kompass ist jedoch das Handeln Jesu. Auch er hat sich immer jenen zugewandt, die keine Stimme hatten. Diesem Kompass muss auch die Kirche folgen. Alles andere wäre eine Selbstaufgabe. Wenn man eine menschliche Gesellschaft möchte, dürfen wir keine Mauern errichten, sondern müssen Brücken bauen. Dafür darf uns keine Anstrengung zu groß sein.

Gleichzeitig werden Dienstleistungen wie Taufen, Firmungen und Hochzeiten wieder vermehrt in Anspruch genom­men . . .

Elbs: Die Kirche möchte lebensbegleitend für Menschen sein, und ich habe schon den Eindruck, dass viele Leute im Laufe ihres Lebens positiv mit der Kirche in Kontakt kommen. Auch viele junge Leute gehören dazu. Unlängst war ich mit 150 Firmlingen zusammen. Nach der Veranstaltung haben sich sehr viele segnen lassen. Das hat mich tief berührt.

Am 17. März finden Pfarrgemeinderatswahlen statt. Gibt es noch genug Leute, die die Arbeit in den Pfarren mittragen?

Elbs: Es werden rund 1600 Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Für mich ist das ein tolles Zeichen für lebendige Pfarrgemeinden. Ich hoffe auch auf eine hohe Wahlbeteiligung. Denn das wäre Motivation für jene, die sich der Wahl stellen.

Sie bleiben Bischof in Vorarlberg?

Elbs: Ja, es gibt nichts anderes dazu zu sagen.

Auch Jesus hat sich jenen zugewandt, die keine Stimme hatten.

Benno Elbs

Zur Person

Benno Elbs

Geboren: 16. Oktober 1960

Ausbildung: Matura BG Gallusstraße, Theologie- und Psychologiestudium

Laufbahn: 2005 Generalvikar, 2011 Diözesanadministrator, 2013 der erste von Papst Franziskus ernannte deutschsprachige Bischof