Zwei Frauen wagen sich an die größte Mutprobe in ihrem Leben

Vorarlberg / 15.03.2017 • 22:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Veronika Grabher (r.) und Sybille Klinger sind guten Mutes und überzeugt, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind.  Foto: VN/Hartinger
Veronika Grabher (r.) und Sybille Klinger sind guten Mutes und überzeugt, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind. Foto: VN/Hartinger

Veronika Grabher und Sibylle Klinger nehmen an einem der härtesten Autorennen teil.

lustenau. (VN-kum) Veronika Grabher hat marokkanische Wurzeln. Ihr Großvater war ein französischer Besatzungssoldat. Vor eineinhalb Jahren reiste Grabher mit ihrer Mutter nach Marokko und lernte die Familie kennen. „Mamas Vater ist seit 1952 in Vietnam verschollen“, bedauert die 53-jährige Lustenauerin. Dennoch: Das Zusammentreffen mit der Familie ihres Opas berührte sie sehr. „Es war ein emotionales Fest.“ Im Land ihres Großvaters hörte sie auch zum ersten Mal von der „Aicha des Gazelles“, einer Frauenrallye, die von Nizza ins marokkanische Hinterland führt. Bei diesem 2500 Kilometer langen Autorennen, das seit 1990 alljährlich und unter strengsten Umweltauflagen durchgeführt wird, erhalten die Teilnehmerinnen kein Preisgeld. Im Vordergrund steht vielmehr die Unterstützung der marokkanischen Landbevölkerung.

Für den guten Zweck

Mit dem Erlös wurden bereits Waisenhäuser und Schulen errichtet und die medizinische Versorgung in abgelegenen Orten verbessert. Die Rallye, die in Frankreich heute zu den wichtigsten Motorsportereignissen zählt, beschäftigte Grabher auch noch daheim in Lustenau. „Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf, weil sie nicht einfach nur ein Autorennen ist. Sie ist ein Engagement und dient einem guten Zweck.“ Schließlich beschloss die Erzieherin und Marketingfachfrau, an dem Abenteuer teilzunehmen und daraus mehr zu machen. „Ich habe den Verein ,beyond­limit‘ gegründet. Mein Ziel ist es, mit Spenden eine Anlaufstelle für Frauen in Marokko zu schaffen.“

Laut Grabher nahm die Vorbereitung auf die Rallye, bei der übrigens nicht das schnellste Team gewinnt, sondern jenes, das die kürzeste Route fährt, viel Zeit und Kraft in Anspruch. Es galt nicht nur, das Projekt zu planen und zu organisieren, sondern sich auch mental und körperlich fit zu machen für das acht Tage dauernde Rennen, das unter anderem durch ausgetrocknete Flussbette und durch die Dünen der westlichen Sahara-Ausläufer führt. „Es wird eine große Herausforderung, weil das Fahren allein schon anstrengend ist. Ich werde bis zu 16 Stunden am Tag hinterm Steuer sitzen und sehr wenig schlafen“, meint Grabher, die seit Juli regelmäßig Ausdauertraining macht und meditiert.

Skibrillen im Gepäck

Sie fuhr im Herbst einen Teil der Route mit ihrem Toyota Land Cruiser ab, einem Auto, das die extremsten Herausforderungen meistert. „Auf der mehrwöchigen Trainingsfahrt habe ich gelernt, wie man in den Dünen fährt, wie man Reifen und Öl wechselt, das Auto aus dem Sand buddelt, ein Leck flickt und Sandfilter auswechselt.“ Aber auf Grabher und ihre Beifahrerin und Navigatorin Sybille Klinger (58) aus Gaschurn warten noch andere Prüfungen, wie etwa die extremen Temperaturschwankungen in der Wüste. Auch Sandstürme könnten ihnen die Tour erschweren. Deswegen haben die taffen Frauen zur Sicherheit Skibrillen mit im Gepäck. Für Klinger wird es die größte Herausforderung sein, „die kürzeste und gleichzeitig am besten befahrbare Strecke zu finden“.

Die gebürtige Deutsche, die in ihrer Freizeit gerne Motorrad fährt, schloss sich Grabher aus Abenteuerlust an. „Ich bin schon immer gern gereist. Außerdem war ich schon einmal mit dem Auto in der Wüste.“ Zur Vorbereitung absolvierte die stellvertretende Hoteldirektorin einen Navigationskurs und übte zu Hause. Die Teams – es nehmen heuer mehr als 170 teil – dürfen übrigens nur Kompass und Karten zur Orientierung verwenden. GPS ist nicht erlaubt. Ihre Handys müssen die Teilnehmerinnen daher vor dem Start am Samstag abgeben.

Grabher und Klinger sind schon sehr aufgeregt. „Das ist die bisher größte Mutprobe in unserem Leben“, sind sich die Rennfahrerin und ihre Copilotin einig. Es erfüllt sie mit Stolz, dass sie an einem der härtesten Rennen der Welt teilnehmen.

Spendenkonto:
Frauen Rallye Verein beyondlimit
c/o Veronika Grabher;
Hypo Landesbank
IBAN: AT 80 5800 0156 1507 5016