Trauerkleidung für leidende Wildtiere

19.03.2017 • 17:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Jäger des Bezirks Bregenz gaben in Kennelbach ein klares Bekenntnis zu den Wildtieren ab.     Foto: VN/Steurer
Die Jäger des Bezirks Bregenz gaben in Kennelbach ein klares Bekenntnis zu den Wildtieren ab.    Foto: VN/Steurer

Jäger des Bezirks Bregenz zeigen Flagge und fordern mehr Respekt für das Rotwild.

Kennelbach. (VN-hk) Einmal mehr begeisterte die Hegeschau der Jäger des Bezirks Bregenz, dieses Mal in Kennelbach, Hunderte Schüler. Sie staunten ob der ausgestellten Tiere und Landschaften, lauschten eifrig den Ausführungen über Zusammenhänge in der Natur zwischen Wald, Jagd und Wildtieren.

Schwarzer Anzug

Und doch stand die dann folgende Versammlung der Jägerschaft des Bezirks Bregenz auch im Zeichen der Trauer. „Wir sind in Sorge um den lebensbedrohlichen Druck auf unsere Wildtiere, die immer mehr zum Opfer verschiedenster Interessen werden“, begründete der wiedergewählte Bezirksjägermeister Hans Metzler gegenüber den VN seine Kleiderwahl für den Tag der Bezirksversammlung. Metzler und einige seiner Kollegen hatten den Weidmannsrock mit dem schwarzen Anzug getauscht. „Aus Solidarität für die leidenden Wildtiere.“

Nach Ansicht des Bezirksjägermeisters sind die behördlich angeordneten Abschuss­quoten für Rotwild viel zu hoch. „Da wurden wegen 14 TBC-Verdachtsfällen beim Vieh 1000 Wildtiere getötet. Sieben von diesen 14 Verdachtsfällen haben sich dann im Nachhinein nicht einmal bestätigt. Das ist zu viel.“

Metzler wirft jenen, welche die Abschussquoten bestimmen, vor, nicht die entsprechende Kompetenz für solche Entscheidungen zu haben. „Es fehlt überhaupt ein Gesamtkonzept für die Wildtiere“, bemängelt der Bregenzerwälder. „Früher wollte man das Wild aus bestimmten, nieder gelegenen Regionen weg haben und hat es in jenen Regionen konzentriert, wo man es nun wegen der TBC-Gefahr in Massen abschießt. Jäger sind mittlerweile zu Tiertötern und Auftragskillern degradiert. Aber das wollen wir nicht sein.“ Metzler nimmt dabei „das übertriebene Profitdenken einzelner Waldbesitzer“ genauso aufs Korn wie „die radikalen Grabenkämpfe der Forstlobby gegen die Jagd und die Wildtiere“.

Raum für Wild

Die Jäger des Bezirks Bregenz wollen mit ihrer Aktion die breite Öffentlichkeit einladen, „gemeinsam für den Erhalt der Wildtiere und den Schutz der Lebensräume einzustehen“.

Der bei der Versammlung anwesende Landesrat Erich Schwärzler (63) hat für die Jäger bis zu einem gewissen Grad Verständnis. „Tatsächlich wollte man vor 30 Jahren das Wild aus niederen, bewaldeten Regionen weg haben und nach oben verdrängen. Das geänderte Freizeitverhalten und der Tourismus, der nun auch in hohen Regionen spürbar ist, hat das Wild nach unten in die Wälder gedrängt. Oberste Priorität muss aber der Wald mit seiner Schutzfunktion haben.“

Schwärzler fordert ein Ausweisen von Gebieten, die dem Wild als Siedlungszone vorbehalten bleiben. „Dort müssen wir Betretungsverbote verhängen und diese auch überwachen.“ Überdies fordert Schwärzler eine dezentrale Fütterung des Wildes im Winter. „Statt 300 Tieren dürfen sich an einzelnen Futterstellen nur noch höchstens 200 aufhalten.“

Wegen 14 TBC-Verdachtsfällen beim Vieh kam es zum Abschuss von 1000 Stück Wild.

Hans Metzler