Ein Park über vielen Dornbirner Gräbern

Vorarlberg / 20.03.2017 • 18:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die alte St.-Martin-Kirche mit Friedhof nach einer Zeichnung von Alois Kalb aus dem Jahr 1840.  Foto: stadtarchiv
Die alte St.-Martin-Kirche mit Friedhof nach einer Zeichnung von Alois Kalb aus dem Jahr 1840.  Foto: stadtarchiv

Dornbirner Friedhofsgeschichten: Seit 1840 wurden die Toten abseits der Pfarrkirche bestattet.

dornbirn. (ha) Dort, wo einst die Toten begraben wurden, befindet sich heute der Kirchenpark, in Dornbirn auch als Allee bekannt. Nun wird er als Teil der Erweiterung der Fußgängerzone umgestaltet. Aus Pietätsgründen sollen die Bauarbeiten deshalb mit entsprechendem Feingefühl durchgeführt werden. Denn sie erfolgen über den Gebeinen längst Verstorbener. Der einst geplante Bau einer Tiefgarage wurde nicht zuletzt wegen des Gräberfeldes nicht realisiert.

Aufgelöst wurde der alte Friedhof im Zuge des Neubaus der Pfarrkirche St. Martin, der 1840 fertiggestellt wurde. Das Gotteshaus wurde nach Plänen von Martin Klink um 70.000 Gulden errichtet. Dem Neubau musste ein großer Teil des Friedhofs geopfert werden. Ab 1842 gab es keine Beerdigungen mehr, weil kein Platz mehr vorhanden war. Außerdem genügte der Gottesacker den sanitären Ansprüchen nicht mehr, wie es in alten Chroniken heißt.

Suche nach mehr Platz

Nun begann die Suche nach einer neuen, größeren Begräbnisstätte. Da kam das Angebot von Gemeindevorsteher Franz Martin Zumtobel gerade recht: Er bot der Gemeinde eine rund 63 Ar große Wiese um 2926 Gulden an. Kurze  Zeit später nahm die Zumtobel-Wiese die ersten Verstorbenen auf. Das waren die Anfänge des heutigen Friedhofs im Ortsteil Markt. Bevor das Geschäft abgeschlossen wurde, schätzte der Kreishauptmann die Kapazität des Gottesackers. In der Chronik heißt es, „dass der Friedhof bei einer mittleren Lebensdauer der Menschen von 32 Jahren und einer zehnjährigen Verwesungszeit der Leichen einer Bevölkerung von 5600 Personen“ genügen würde.

Im Jahr 1845 begann Baumeister Xaver Rüf an der Längsmauer des neuen Friedhofs für seine Familie neun Arkaden und für seinen Sohn Martin drei Arkaden zu bauen. Drei wurden sogleich an Private verkauft, von den übrigen Arkaden wurden vier für die Geistlichkeit und fünf für die Familie des Baumeisters gewidmet. In der Folge machte Rüf noch einmal 5000 Gulden für weitere 66 Arkaden und den Bau einer Kapelle locker. Bald darauf wurde der Friedhof nochmals vergrößert, Ende 1861 war der gesamte Arkadenbau im Viereck fertig. Die erwähnte Friedhofskapelle wurde im damals üblichen klassizistischen Stil errichtet und 1935 renoviert. Ab 1944 diente die Kapelle als Leichenhalle.