In Lustenau ein neues Zuhause gefunden

20.03.2017 • 17:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Familie Almahmud ist aus Damaskus nach Lustenau geflüchtet und hat bei Familie Vetter ein neues Zuhause gefunden.  Foto: gemeinde
Familie Almahmud ist aus Damaskus nach Lustenau geflüchtet und hat bei Familie Vetter ein neues Zuhause gefunden.  Foto: gemeinde

Seit zehn Monaten lebt eine syrische
Familie bei Renate und Hubert Vetter.

lustenau. Am Anfang standen Ängste und ein Familienrat. Sollen wir das überhaupt machen und was ist, wenn wir mit der Familie nicht klarkommen? Das waren die Fragen, die vor fast einem Jahr Familie Vetter beschäftigten. Bei einem so wichtigen Schritt wie dem, das Haus Fremden zu öffnen, wollten alle mitreden, Einwände gab es allerdings kaum. Helfen und Dasein für andere Menschen, die in Not geraten sind, wurde in der Familie des Landesfeuerwehrinspektors immer schon großgeschrieben.

Der Einzug von Familie Almahmud aus Damaskus im oberen Stockwerk war für alle „ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn man alles hat, kann man sich nicht vorstellen, nichts mehr zu haben, aber man kann helfen“, erklärt Renate Vetter die Motivation, die ungewöhnliche Wohngemeinschaft zu testen. Der Vertrag mit der Caritas wurde für ein Jahr unterschrieben. Schon jetzt kann sich aber Familie Vetter nichts anderes mehr vorstellen. 

Hallo, wie geht es?

Empfangen wird man bei einem Besuch in der Sägerstraße von der kleinen Elaah. Sie ist drei Jahre alt, mag Märchenbücher, ihre Spielgruppe und ihre Lustenauer Oma „Ata“. Renates richtiger Name war vor ein paar Monaten noch zu schwer auszusprechen, heute könnte es Elaah, die ganze Familie ist dennoch beim „Ata“ geblieben. Die Frage, was die Kinder des Friseurs und der Kindergärtnerin vom Krieg mitbekommen haben, beschäftigt alle. „Man weiß es nicht genau, man kann nur hoffen, nicht viel“, meint Renate. Elaahs Vater Adnan versucht in gebrochenem Deutsch zu erklären, wie es damals war in einer Stadt voller Soldaten und voller Angst. 

„Hier ist es gut“, meint Adnan, der im winzigen Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland gekommen ist. „Meine Kinder sicher, das Wichtigste“ antwortet der Familienvater auf die Frage, was ihm denn an Lustenau am besten gefalle. Es hapert noch mit den Vokabeln und dem Satzbau, aber Adnan lernt genauso fleißig wie seine Frau Shereen. Von Tag zu Tag findet sich die Familie besser zurecht, „heute geht es schon sehr gut“. Der achtjährige Mahmud ist im Zimmer mit seinen Spielsachen beschäftigt, die Hausaufgaben hat er schon erledigt, und als er kurz in der Küche vorbeischaut, erzählt er freudestrahlend von seinen Freunden in der VS Kirchdorf und natürlich von seinen Lehrerinnen. Da gäbe es ganz nette, ein paar „ein bisschen nette“, und die Schule sei überhaupt „super“.

Angekommen und eingelebt

Freunde und Familie seien jetzt das Wichtigste in ihrem Leben, lenkt Adnan vom Thema Heimweh ab. „Renate ist Familie und Hubert auch“, meint er sichtlich gerührt und dankbar. Dankbar für die Sicherheit und Geborgenheit, die seine Kinder genießen können, und dankbar für die zweite Chance im Leben.

Auch die ganze Familie Vetter genießt den Zuwachs im oberen Stock. Im Sommer grillt man gemeinsam, Adnan hilft im Garten und im Haus, Shereen kocht gerne syrisch für alle Hausbewohner, aber es gibt auch viele Tage, an denen man sich gar nicht sieht. „Herzlich, aber auch nicht zu eng“ umschreibt Renate die Situation der Wohngemeinschaft, die sie sich nie so schön vorgestellt hätte.