Kleine Kitzretter als große Hoffnung der Wildtierhilfe

20.03.2017 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Laufe einer Mähsaison werden in Vorarlberg Tausende Rehkitze getötet. Kitzretter sollen helfen, diese Zahl zu minimieren.  Foto: Wildtierhilfe
Im Laufe einer Mähsaison werden in Vorarlberg Tausende Rehkitze getötet. Kitzretter sollen helfen, diese Zahl zu minimieren. Foto: Wildtierhilfe

Frühjahrsmahd tötet jährlich Tausende Rehkitze. Spendenaufruf der Wildtierhilfe brachte erste Erfolge.

Satteins. (VN-tag) Mit dem Frühling beginnt die Brut- und Setzzeit der einheimischen Säugetiere. Katharina Löschnig von der Wildtierhilfe Vorarlberg hat sich insbesondere den Schutz der Rehkitze zur Aufgabe gemacht. „Das ist eine Herzensangelegenheit von mir“, betont die Tierschützerin, denn „viele Rehkitze sterben alljährlich einen qualvollen Tod, weil sie sich in hohen Wiesen aufhalten und von Mähmaschinen erfasst werden“.

Schätzungen zufolge werden im Laufe der Mähsaison in Vorarlberg einige Tausend Rehkitze getötet – dazu kommen auch andere Säugetiere wie in etwa Junghasen. Um diese extremen Verluste zu verhindern oder zumindest zu minimieren, initiierte die 28-jährige Satteinserin vergangenes Jahr das Pilotprojekt „Initiative Kitzschutz“, bei dem sogenannte Kitzretter an Landwirte und Bauern verteilt werden Dabei handelt es sich um kleine Geräte, die mithilfe von Lichteffekten und Geräuschen die Säugetiere von gefährdeten Wiesen und Feldern vertreiben sollen. Die Landwirte sollten die Kitzretter laut Löschnig möglichst 48 Stunden vor dem Mähen in der Wiese aufstellen. Diese für die Tiere sehr unangenehmen Geräusche sollen die Muttertiere schließlich veranlassen, ihren Nachwuchs in Sicherheit zu führen „Wir erreichen immer mehr  Landwirte, die an dem Projekt teilnehmen und helfen wollen – es gibt nämlich kein Landwirt, der noch nie ein Kitz erfasst hat – solch ein Bild bekommt niemand leicht aus seinem Kopf“, bedauert die ausgebildete Tierpflegerin.

Crowdfunding-Projekt

Gemeinsam mit der Jägerschaft und dem Tierschutzombudsmann Pius Fink wurde das Projekt, welches letztes Jahr mit dem Vorarlberger Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde, ins Leben gerufen und ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Dieses verzeichnet nun erste Erfolge. Mit den gesammelten Spenden konnten bereits sechs Kitzretter angeschafft werden und an verschiedene Landwirte ausgehändigt werden. Weitere 15 Geräte werden in den kommenden Tagen verteilt. Zusätzlich gibt die Gründerin der Wildtierhilfe gemeinsam mit dem Jägerschaft Kurse in der Landwirtschaftsschule, um junge Menschen für den Kitzschutz zu sensibilisieren.

Warum so viele Rehkitze ihr Leben während der Mähsaison lassen, liegt am sogenannten Drückinstinkt der Tiere, den sie in den ersten zwei Lebenswochen haben. „Kitze haben kein Fluchtverhalten. Bei Gefahr legen sie sich regungslos auf den Boden, da hat man keine Chance, die Tiere zu vertreiben“, weiß Löschnig aus Erfahrung. Das Projekt „Kitzretter“ befindet sich derzeit noch in einer Testphase. „Wenn wir die Daten ausgewertet haben und sehen, dass damit Erfolge erzielt werden, wollen wir das Projekt flächendeckend erweitern.“ Ziel ist es, dass jeder Landwirt in Besitz eines Kitzretters ist und die Mähverluste und somit das Tierleid auf den Feldern minimiert werden. „Wenn wir nur eine 80-prozentige Erfolgschance haben, hat es sich gelohnt.“

Das Projekt Kitzschutz ist mir eine Herzensangelegenheit.

Katharina Löschnig

Crowdfunding-Projekt: www.wildtierhilfe-vorarlberg.at