Sisyphusarbeit Integration

Vorarlberg / 20.03.2017 • 20:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Strini (links) und Bahl sehen optimistisch in die Zukunft der Integration. Foto: VN/Hofmeister
Strini (links) und Bahl sehen optimistisch in die Zukunft der Integration. Foto: VN/Hofmeister

Strini schätzt, dass drei Viertel der Flüchtlinge in zehn Jahren einen Job haben werden.

Bludenz. Die Schablone für gelungene Integration: Ein Flüchtling erhält Asyl. Er lernt Deutsch, findet eine Wohnung und Arbeit. So einfach die Theorie, so schwierig die Praxis. Die Behörden brauchen schon mal ein Jahr oder länger für eine Asylentscheidung. Fällt diese positiv aus, muss ein Flüchtling mit dem Wohnungsmarkt fertigwerden. Dieser ist bekanntlich ziemlich angespannt. Zudem zählt Deutsch zu den schwierigeren Sprachen auf der Welt. Und auf dem Arbeitsmarkt matchen sich die Neuankömmlinge mit 12.000 weiteren Arbeitslosen um die Jobs. Erwin Bahl und Anton Strini sind dennoch guter Dinge. Bahl ist Vorarlbergs Flüchtlingskoordinator, Strini ist für die Arbeitsmarkt­integration zuständig. Strini, ehemaliger AMS-Chef, ist überzeugt: „Wir können in zehn Jahren 75 Prozent aller Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt bekommen.“

Rund 2000 bleibeberechtigte Flüchtlinge gelten als arbeitsmarktrelevant, wie Strini erklärt. 78 Prozent sind Männer, ein kleiner Teil kann ein Sprachdiplom auf A2-Niveau vorweisen. Strini erzählt: „In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Beschäftigten aus den Hauptflüchtlingsgruppen um 56,5 Prozent gestiegen.“ Vor einem Jahr waren 627 Afghanen, Iraner, Iraker, Russen, Somalier und Syrer in Vorarlberg beschäftigt. Heute sind es 981. Strini fährt fort: „Das zeigt, der Arbeitsmarkt kann damit umgehen, aber auch, dass Arbeitsmarktintegration eine langfristige Aufgabe ist, die systematisch angegangen werden muss.“ Schließlich kann es bis zu vier Jahre dauern, bis ein junger Flüchtling fit für den Arbeitsmarkt ist. Bahl stimmt zu: „Integration benötigt Zeit. Ob wir erfolgreich sind, sehen wir erst in zehn Jahren. Allerdings können wir aus Fehlern der Vergangenheit lernen.“

Die meisten sind in Bregenz

Als bleibeberechtigte Flüchtlinge werden sowohl Konventionsflüchtlinge als auch subsidiär Schutzberechtigte bezeichnet. 17 Prozent aller Bleiberechtigten wohnen in Bregenz (408), gefolgt von Dornbirn mit 331, Feldkirch mit 247 und Bludenz mit 162. Im Vergleich zum Vormonat sei es zu einer leichten Verschiebung ins Oberland gekommen, nur in 15 Gemeinden leben keine Bleibeberechtigten. Um die Gemeinden koordinieren zu können, soll ein EDV-System helfen, erläutert Bahl: „Derzeit verlieren wir alle Daten, wenn ein Asylwerber zum Bleibeberechtigten wird. Die sollen nun erhalten bleiben.“

Mit der Datenbank soll
zudem erfasst werden, welche Integrationsmaßnahmen absolviert wurden. Damit kann auch die Integrationsvereinbarung kontrolliert werden, die beide Koordinatoren befürworten. Strini sieht die Vereinbarung so: „Damit nimmt man das Credo ‚Fördern und Fordern‘ ernst. Wir bieten Integrationsmaßnahmen, ihr nützt es.“ Auch das verpflichtende Integrationsjahr, das bundesweit eingeführt werden soll, halten sie für hilfreich. „Ein Asylwerber kann praktisch nichts tun, im fehlt die Tagesstruktur. Das Integrationsjahr hilft anschließend, Struktur zu lernen. Es zielt speziell auf Zivildienstplätze ab und enthält Deutschkursmodule. So lernt ein Asylwerber schneller und bekommt eine neue Haltung zur Gesellschaft“, sagt Bahl. Deshalb sei auch wichtig, dass die gemeinnützige Tätigkeit – früher Nachbarschaftshilfe genannt – wieder aufgebaut wird. Diese biete schon während der Wartezeit eine Tagesstruktur. Strini betont: „Auch in Sportvereinen gibt es einen Tagesablauf. Ein Fußballverein kann in der Integration Großes leisten.“

Integration ist ein Weg der kleinen Schritte. Wohnbau, Deutschkurse, Vereinbarung; der nächste Schritt: Ab April führt das AMS seine Kompetenzchecks flächendeckend durch. Damit werden die Talente und Jobwünsche aller Flüchtlinge festgestellt.

Damit nimmt man das Credo ,Fördern und Fordern‘ ernst.

Anton Strini

Ob wir erfolgreich sind, sehen wir erst in zehn Jahren.

Erwin Bahl