Da hieß ihn plötzlich eine innere Stimme: „Und jetzt stiehl das da!“

Vorarlberg / 22.03.2017 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim letzten Mal steckte der Beschuldigte Werkzeug ein. Beim nächsten Mal wird das für den 41-Jährigen eine Gefängnisstrafe bedeuten.
Beim letzten Mal steckte der Beschuldigte Werkzeug ein. Beim nächsten Mal wird das für den 41-Jährigen eine Gefängnisstrafe bedeuten.

41-Jähriger behauptet, Diebstähle im Zustand der Trance begangen zu haben.

Bregenz. Staatenlos, massive Vorstrafenbelastung, undefinierbarer Akzent: Der 41-jährige Beschuldigte ist ein sonderbarer Klient am Bezirksgericht Bregenz und nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank.

Diesmal geht es um einen Ladendiebstahl in einem Discounter. Werkzeug verschwand in seinen Taschen, doch nicht unbeobachtet. Also Anzeige und schlussendlich Gerichtsverhandlung wegen Diebstahls.

Drang zur Kleptomanie

Der gelernte Handwerker gibt sich reumütig, auch wenn er für seine Taten eigentlich keine Erklärung finden kann. Ein Motiv zum Diebstahl hätte völlig gefehlt. Nein, etwas anderes sei es gewesen. Etwas Ungewöhnliches, wie er in folgenden Worten umschreibt: „Ein innerer Zwang hat mich dazu getrieben. Ich war in Trance und wusste nicht, was ich tat. Viele Informationen über meine Vergangenheit kamen in mir hoch. An diesem Tag erwachte der Drang zur Kleptomanie.“ Solche Anfälle suchen den 41-Jährigen seiner eigenen Aussage nach des Öfteren heim, und das nicht gerade zu den günstigsten Zeitpunkten, wie er noch hinzufügt: „Es geschieht meistens unmittelbar nach meinem Aufenthalt im Gefängnis …“

Einmal mehr betont er, wie leid es ihm tue. „Ich möchte den Leuten ja nichts Schlechtes tun, so bin ich nicht“, behauptet er.

Wenn dem wirklich so sei, wie könne er sich dann den schweren Raub erklären, den er einst beging, fällt ihm der Bezirksanwalt ins Wort. „Ich bin seit einem Jahr in psychiatrischer Behandlung. Ein Gutachten attestiert mir eine massive psychische Störung. Ich bin angewiesen auf Hilfe und Betreuung und ich schäme mich jetzt. Ich habe mich die ganze Zeit geschämt“, antwortet der Beschuldigte.

1000 Euro Strafe

Noch offene, bedingte Strafen hängen wie ein Damoklesschwert über dem 41-Jährigen. Doch er hat noch einmal Glück. Richter Christian Röthlin findet ein letztes Mal mit einer Geldstrafe das Auslangen.

Er verurteilt den Mann im Sinne der Anklage zu 200 Tagessätzen zu je fünf Euro. Die offene Haftstrafe wird widerrufen, die Probezeit auf weitere fünf Jahre verlängert. Der Verurteilte nimmt die Entscheidung an, ohne lange zu überlegen.