Die VGKK bläst zum Widerstand

22.03.2017 • 17:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse rüstet sich wieder einmal für den Kampf gegen die Zentralisten in Wien. Foto: vn/hartinger
Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse rüstet sich wieder einmal für den Kampf gegen die Zentralisten in Wien. Foto: vn/hartinger

Obmann Manfred Brunner und LH Markus Wallner wettern gegen Zentralisierungspläne.

Dornbirn. (VN-mm) Er ist geladen wie ein Pulverfass vor der Explosion. Was den Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) derzeit auf die Palme treibt, sind neuerliche Bestrebungen auf Bundesebene, den Länderkassen das Wasser abzugraben, wobei vor allem die Bundeswirtschaftskammer Druck macht. Ihr unterstellt Manfred Brunner, die Macht in Wien zentralisieren zu wollen mit dem Ziel, durch eine Vereinheitlichung der Sozialversicherungsleistungen auf niedrigem Niveau die Lohnnebenkosten zu senken. „Hier wird auf Kosten der Patienten und der Behandlungsqualität ein politisches Spiel getrieben“, schimpft der GKK-Obmann.

Rückendeckung

Selbst auf die Chefin des Hauptverbandes ist er schlecht zu sprechen. „Sie soll die Probleme endlich anpacken, statt nur lamentieren“, lässt er Ulrike Rabmer-Koller, die pikanterweise auch Vizepräsidentin der Bundeswirtschaftskammer ist, unverblümt ausrichten. Denn ums Anpacken gehe es im Gesundheitswesen. „Anpacken und Lösungen finden: Wir in Vorarlberg tun das.“ Probleme würden nicht durch eine Zentralisierung des Systems gelöst. Uneingeschränkte Rückendeckung gibt es von Landeshauptmann Markus Wallner. „Wir lassen uns das Heft nicht aus der Hand nehmen“, verweist er auf einen einstimmigen Beschluss im Landtag zur Stärkung der Länderkassen.

Keine Vorbildwirkung

Hintergrund für den Groll ist das Ansinnen der Bundeswirtschaftskammer, aus derzeit 21 Sozialversicherungsträgern ein „5-Träger-Modell“ zu machen. Unter anderem würden die neun Gebietskrankenkassen zu einer Krankenkasse mit Landesorganisationen zusammengelegt. Die Empfehlung entstammt der Studie eines Schweizer Beratungsunternehmens. „Was sollen wir von den Schweizern lernen können? Die haben 57 Kassen und doppelt so hohe Verwaltungskosten“, ätzt Manfred Brunner. An die von der Bundeswirtschaftskammer ebenfalls ins Treffen geführte föderale Struktur der Landesorganisationen glaubt er erst recht nicht. „Jeder kann sich ausrechnen, dass mehr Geld in Wien bleiben wird, als zurückfließt.“ Diese Befürchtung hegt übrigens auch Markus Wallner. Ganz abgesehen davon müssten österreichweit Tausende Verträge neu verhandelt werden, was laut Brunner Jahre in Anspruch nehmen würde.

Erfolgreiche Gegenwehr

Der GKK-Obmann verweist darauf, dass das gesamte Gesundheitswesen länder­orientiert ist. „Unsere Partner sitzen im Land“, betont er die Innovationskraft gerade im Gesundheitswesen. „Viele gesundheitspolitische Maßnahmen sind von Vorarlberg ausgegangen.“ Bei einer Zentralisierung sieht er jegliche Innovationsfähigkeit schwinden. Brunner: „Wir haben jedenfalls die Absicht, die seit 2013 laufende Gesundheitsreform durchzuziehen und nicht einen endlich in Fahrt gekommenen Zug wieder aufzuhalten bzw. auf neue und unsichere Gleise umzuleiten“, kündigt er im Bedarfsfall auch Widerstand an. Darin ist die GKK bekanntlich geübt. Schon zweimal wurden nämlich Millionenbeträge, die in der krankhaft maroden Wiener Kasse zu versickern drohten, erfolgreich zurückgeholt.

Andere Vorstellungen

Manfred Brunner merkt an, dass sich die GKK sinnvollen Veränderungen nicht verweigere. „Unsere Vorstellungen gehen aber mehr mit dem Vorschlag zur Vereinfachung der Sozialversicherung konform, den Arbeiterkammer, Landtag und kürzlich der Vorstand sowie die Kontrollversammlung der GKK formuliert haben, in dem es um die Schaffung von neun Landesgesundheitszentren geht“, präzisiert Brunner. Die Finanzhoheit will sich die VGKK jedenfalls nicht rauben lassen. „Wir haben genug Energie, um das zu verhindern.“

Viele innovative gesundheitspolitische Maßnahmen sind von Vorarlberg ausgegangen.

Manfred Brunner