Alle wollten nur das Opfer sein

23.03.2017 • 21:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Freispruch für den sechsfach Vorbestraften. Foto: Eckert
Freispruch für den sechsfach Vorbestraften. Foto: Eckert

Chaotisches Trio schob sich vor Gericht gegenseitig schwere Straftaten zu.

Christiane Eckert

Feldkirch. Es ist wohl einer jener Fälle, in denen das „Milieu“ eine große Rolle spielt. Da ist ein Angeklagter mit sechs Vorstrafen, arbeitslos und mit 8000 Euro Schulden. Zwei Jahre war er wegen Drogenmissbrauchs in Therapie, vor Kurzem hat er geheiratet und lebt nicht mehr in Vorarlberg. Vor seiner Ex-Freundin und deren Freundin verstecke er sich seit drei Jahren, solche Angst habe er vor diesen Frauen, erzählt der Osteuropäer aufgedreht und voller Temperament. Richterin Verena Marschnig erklärt dem zweifachen Vater beim Prozess am Landesgericht Feldkirch, was ihm vorgeworfen wird, doch sie kann kaum einen Satz beenden, ohne dass der Beschuldigte dazwischenredet.

Schwere Anschuldigungen

Der Mann soll eine Taxifahrerin, die Freundin seiner ehemaligen Lebensgefährtin, per SMS mit dem Umbringen bedroht haben. „Pass auf Dich, Deine Familie und Deine Gesundheit auf!“, schrieb der Mann. Außerdem soll er der Taxlerin in einem Feldkircher Café eine Schusswaffe im Bereich der Nieren an den Körper gehalten haben. „Kein einziges Wort davon ist wahr!“, empört sich der Beschuldigte. Und selbst sein „Opfer“ glättet als Zeugin die Wogen. „Ich hab nie gesagt, dass ich eine Waffe gesehen habe, es könnte eine gewesen sein, aber auch etwas anderes, keine Ahnung“, meint die 48-Jährige vor Gericht. Die SMS gäbe es nicht mehr, sie habe keine Anzeige erstattet, weil sie wisse, dass er damals immer „voll drauf“ war. „Zwei Tage später saß er schon wieder bei mir daheim beim Essen“, erzählt das „Opfer“. Im Übrigen sei die Ex-Freundin des Angeklagten die eigentlich Schuldige. Diese habe nämlich versucht, sie, die Taxifahrerin, zu ermorden. „Sie saß eine halbe Stunde auf mir drauf und würgte mich. Das war ein Mordversuch“, sagt die Zeugin. Auf die Nachfrage, ob sie den Vorfall angezeigt habe, erzählt die Dame, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Man habe sogar umgekehrt gegen sie ermittelt, weil die angebliche Möchtegernmörderin behauptet habe, sie wäre angegriffen worden. Das Verfahren endet nun ganz schnell. Freispruch für den sechsfach Vorbestraften. „Ich wusste, dass das so endet, Frau Richterin, ich bin ja wirklich total unschuldig“, zeigt sich dieser locker. Das Urteil ist rechtskräftig.