Viel Lärm um satte Grünfläche

Vorarlberg / 23.03.2017 • 18:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die künftige Nutzung von Grünzonen durch die heimische Wirtschaft entfacht einen veritablen Streit zwischen Land und Naturschutzrat. Foto: VN/stiplovsek
Die künftige Nutzung von Grünzonen durch die heimische Wirtschaft entfacht einen veritablen Streit zwischen Land und Naturschutzrat. Foto: VN/stiplovsek

Öffnen der Grünzone sorgt für Konflikt
zwischen Land und Naturschutzrat.

Bregenz. Die Fakten gleich vorweg: Die Landesgrünzone wurde vor knapp vierzig Jahren ins Leben gerufen und umfasste damals 13.629,6 Hektar. Seither wurden ihr 82 Hektar entzogen und im gleichen Zeitraum 60,4 hinzugefügt. Mit 1. Jänner dieses Jahres sind damit 13.608 Hektar ausgewiesen. Dies geht aus einer Anfragebeantwortung durch Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (62, VP) hervor. Unterm Strich ist die Grünzone also in den letzten vier Jahrzehnten um gerade mal 88,5 Hektar oder 0,65 Prozent geschrumpft. Die von ihr erhoffte Steuerungswirkung für den Siedlungsraum ist laut Rüdisser eingetroffen.

LH Wallner: Fakten klarstellen

Jetzt lässt LH Markus Wallner (49, VP) in einer Rede beim Festabend zur Verleihung des VN-Wirtschaftspreises aufhorchen. Er nimmt darin vor Unternehmern ein Memorandum des Naturschutzrates ins Visier: „Um die wirtschaftspolitische Stimmung im Land positiv zu halten, müssen wir insbesondere der Jugend jeden Tag klarmachen, dass Arbeitsplätze auch erwirtschaftet werden müssen. Und die Wirtschaft wird dazu Platz wie auch Flächen benötigen.“ Nachsatz: „Wer das nicht versteht, versteht einfachste Zusammenhänge nicht.“ Wallner schloss nicht aus, dass die Grünzone in Bälde für die wirtschaftliche Entwicklung herhalten wird müssen: „Wenn wir jetzt für die Zukunft sagen: Wir brauchen noch ein Prozent aus der Grünzone, bricht die Welt nicht zusammen. In dreißig oder vierzig Jahren können es auch zwei Prozent sein. Viel mehr wird in Wahrheit bei gutem Wachstum auch nicht benötigt.“

Falsche Eindrücke erzeugt?

Auf solche Fakten werde in der Emotion vergessen. „Es wird schlichtweg mit falschen Zahlen operiert und der falsche Eindruck erzeugt, dass wir den Großteil der Grünzone aufgeben wollen. Das will aber kein Mensch. Es gilt, die Balance zu halten.“ Er sehe keinen Grund, die Strategie des Landes der letzten zwanzig Jahre zu ändern. „Die Grünzone war noch nie tabu. Es steht auch nirgendwo geschrieben, dass die Zone ein Naturschutzgebiet ist. Die Käseglocke darüber zu stellen und zu sagen, da darf kein Quadratmeter herausgenommen werden, ist falsch. Für einen Stopp stehe ich nicht zur Verfügung. Es muss dynamisch weitergehen und wir müssen der Wirtschaft den Platz einräumen, den sie braucht“, sagte Wallner im Hinblick auf das Halten von Arbeitsplätzen, vor allem im Bereich der Jugend.

„Viel Schwarz-Weiß-Malerei“

„Die Grünzone bleibt eine Art Tabuzone. Und zwar aus den vielfältigsten Gründen im Sinne der Naturgrundlage“, kontert Gerlind Weber (64) als neue Vorsitzende des Vorarlberger Naturschutzrates und Universitätsprofessorin. Im Hinblick auf den Bodenverbrauch stünden zentrale Fragen im Mittelpunkt: „Wie bereiten wir uns auf künftige Herausforderungen vor?“ Im Memorandum des Naturschutzrates, eines das Land beratenden Gremiums, seien wichtige Zukunftsforderungen enthalten, „um den Spielraum auch für spätere Generationen offenhalten zu können“, betont Weber und bedauert, dass in der Debatte „ständig Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird“.

Vorarlbergs Grünzone ist und bleibt eine Art Tabuzone.

Gerlind Weber, Naturschutzrat

Die Grünzone war nie tabu und ist auch kein Naturschutzgebiet.

LH Markus Wallner