Auskunftspflicht im Krankenstand

Vorarlberg / 24.03.2017 • 18:50 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Dr. Michael Kramer
Dr. Michael Kramer

Bereits nach bisher geltender Rechtsprechung haben Arbeitnehmer nicht nur die Pflicht zur Arbeit, sondern auch eine sogenannte Treuepflicht.

Treuepflicht allgemein. Arbeitnehmer haben auf betriebliche Interessen der Arbeitgeber entsprechende Rücksicht zu nehmen. Sie haben die betrieblichen Interessen zu respektieren und alles zu unterlassen, was den unternehmerischen Tätigkeitsbereich, dessen Organisationswert und dessen Chancen beeinträchtigt und geeignet ist, die Interessen des Arbeitgebers zu gefährden. An Arbeitnehmer in gehobener Position sind in diesem Zusammenhang strengere Anforderungen zu stellen.

Treuepflicht im Krankenstand. Auch während des Krankenstandes bleibt diese Treuepflicht aufrecht. Arbeitnehmer haben bei Krankheit und Arbeitsunfähigkeit die Verpflichtung, sich so zu verhalten, dass die Arbeitsfähigkeit möglichst bald wieder hergestellt wird. Insbesondere haben sie den ausdrücklichen ärztlichen Anordnungen zu folgen. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes haben Arbeitnehmer darüber hinaus ihrem Arbeitgeber in bestimmten Fällen selbst während des Krankenstandes für Auskünfte zur Verfügung zu stehen. Voraussetzung hierfür ist, dass Arbeitgeber „unbedingt erforderliche Informationen benötigen, deren Vorenthaltung zu wirtschaftlichem Schaden führen würde“. Gleichzeitig darf der Genesungsprozess der Arbeitnehmer nicht beeinträchtigt werden.

Fazit. Arbeitnehmer sind sohin gut beraten, auch während des Krankenstandes auf Telefonanrufe und E-Mails der Arbeitsgeber zu reagieren und allenfalls sogar für ein persönliches Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Dr. Michael Kramer, Rechtsanwalt in Feldkirch