Zeitumstellung raubt den Schlaf

24.03.2017 • 17:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch Pilar aus Bregenz stellt am Wochenende ihre Uhr auf Sommerzeit um. Foto: VN/Steurer
Auch Pilar aus Bregenz stellt am Wochenende ihre Uhr auf Sommerzeit um. Foto: VN/Steurer

In der Nacht von Samstag auf Sonntag beginnt die Sommerzeit: Uhren eine Stunde nach vorne stellen.

Schwarzach. (VN-jun) Frühling, das bedeutet Lebensfreude. Mit den ersten Frühlingsboten, dem Vogelgesang und wärmeren Temperaturen steht aber auch die Zeitumstellung an. Wie jedes Jahr findet die Umstellung von der normalen Winterzeit auf die künstliche Sommerzeit am letzten Sonntag im März statt. So auch an diesem Wochenende. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Zeiger also von zwei Uhr auf drei Uhr nach vorne gestellt. Damit wird uns eine Stunde Schlaf geraubt.

Innere Uhr bleibt stehen

Während sich die einen freuen, dass es abends endlich wieder eine Stunde länger hell ist, finden die anderen die Zeitumstellung unnötig und gesundheitsschädlich, denn sie kommen morgens schlechter aus dem Bett und kämpfen abends mit Einschlafproblemen. Kein Wunder, denn wenn in der Nacht auf Sonntag der Wecker einfach mechanisch auf drei Uhr vorgestellt wird, bleibt die innere Uhr des Menschen auf zwei Uhr stehen. Die Folge ist eine Art Jetlag, wie man es auch von Flugreisen kennt.

Kinder und Jugendliche sind von dem Minijetlag am stärksten betroffen. Deshalb sollten sie auf die Zeitumstellung vorbereitet sein und nicht schon die Tage zuvor in ein Schlafdefizit geraten, empfehlen Schlafforscher. Der Wechsel von Winter- auf Sommerzeit kostet Kinder und Jugendliche laut wissenschaftlichen Untersuchungen effektiv 32 Minuten Schlaf. Dieses Minus kann sich über zwei Wochen hinziehen.

Aber auch viele Erwachsene leiden unter dem veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus, fühlen sich müde und schlapp. Die fehlende Stunde Schlaf kann sich auf das Gemüt und die Stimmung auswirken. Schlafexperte Günther W. Amann-Jennson aus Frastanz kennt die Problematik bei der Umstellung auf Sommerzeit: „Wer die Möglichkeit hat, sollte am Tag nach der Zeitumstellung, also am Montag, 27. März, morgens eine Stunde länger liegen bleiben“, rät er. „Starten Sie ruhig und gemütlich in die neue Woche.“ Wen trotzdem die Müdigkeit plagt, der sollte sie nicht mit einem zusätzlichen Mittagsschlaf bekämpfen. Stattdessen den Kreislauf in Schwung bringen. Am besten mehrmals täglich kurze Spaziergänge machen. Denn die vermehrte Sonneneinstrahlung hilft dem Körper, seinen Rhythmus anzupassen und macht wach.

Pannen bei der Zeitumstellung

Auch wenn die technische Zeitumstellung der Uhren in der Regel unkompliziert verläuft, hat der Mensch hin und wieder seine Probleme damit. Eine Stunde vor oder eine zurück? Das ist nicht immer so einfach, wie diese Beispiele zeigen: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer verschlief im April 2014 eine Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil er seinen Wecker wegen der Sommerzeit nicht eine Stunde vorgestellt hatte. Ähnlich ging es der Telekom im Jahr 2001. Das Unternehmen verschlief die Umstellung auf die Sommerzeit und stellte damit auch ihren Weckdienst nicht um. So sind etliche Menschen eine Stunde zu spät geweckt worden. Anders herum geschah es bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit im Oktober 2004 bei Onlineauktionen von eBay. Auktionen, die am Tag nach der Zeitumstellung zwischen zehn und elf Uhr hätten enden sollen, sind bereits eine Stunde vorher vorbei gewesen. Bieter der letzten Stunde kamen daher nicht mehr zum Zug, gerade dann, wenn erfahrungsgemäß die Preise stark steigen.

Übrigens: Die Sommerzeit gilt bis zum 28. Oktober, ehe in der Nacht zum 29. Oktober die Uhren wieder auf Winterzeit gestellt werden, nämlich eine Stunde zurück. Dann bekommen wir die geklaute Stunde gutgeschrieben.

Wer kann, sollte am Montag eine Stunde länger liegen bleiben und ruhig und gemütlich in den Tag starten.

Günther W. Amann-Jennson