„Werden nicht klein beigeben“

26.03.2017 • 18:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine 3D-Visualisierung der Bürgerinitiative soll zeigen, wie das Industrieareal im Falle einer Realisierung aussehen könnte. Bild/Quelle: BI „Lebensraum-weiler“
Eine 3D-Visualisierung der Bürgerinitiative soll zeigen, wie das Industrieareal im Falle einer Realisierung aussehen könnte. Bild/Quelle: BI „Lebensraum-weiler“

1790 Unterschriften: Bürgerinitiative Weiler kämpft weiter gegen Betriebsansiedlung.

Weiler. Der Widerstand hält an. In Weiler kämpfen rund 30 in einer Bürgerinitiative organisierte Bewohner gegen die Betriebsansiedlung des Großbäckers Ölz auf Flächen in der Landesgrünzone. Bis gestern hatten bereits 1790 Menschen eine Petition der Initiative unterschrieben. „Nein zur Ansiedlung des Betriebes an diesem Standort und Ja zum Erhalt der Landesgrünzone“, heißt es im Text, der landesweit auf große Zustimmung stößt, wie Thomas Walter und Kerstin Riedmann von der „Bürgerinitiative Lebensraum Weiler“ sagen. Die große Unterstützung zeige, dass das Thema die Menschen im Land beschäftige.
Schon die 500 Teilnehmer an einer Menschenkette zu Beginn des Jahres hätten dies eindrucksvoll demonstriert.

Anrainer sind optimistisch

Die Anrainer und Bewohner der Gemeinde üben sich in Zweckoptimismus. Dass jetzt mit Bludesch ein Alternativstandort im Gespräch ist, gibt Hoffnung. Das Dornbirner Bäckereiunternehmen prüft derzeit intensiv. Vielleicht erkenne Ölz ja jetzt, dass der Standort in Weiler nicht gut ist und nimmt davon Abstand. „Wir hoffen und glauben das“, sagt Thomas Walter. Viel Hoffnung ruht aber auch auf der Politik. So etwas könne ja nicht nur eine unternehmerische Allein­entscheidung sein, ergänzt Kerstin Riedmann und fragt: „Darf ein Unternehmen zulasten der Grünzone und somit auch der nächsten Generation wählerisch sein?“ Hier sei das Augenmaß der Politik gefordert.

Neben der Petition hat die Bürgerinitiative den Fokus ihrer Arbeit auf die Sensibilisierung und die Information der Öffentlichkeit gelegt. So wurde eigens ein 3D-Modell auf Basis der Bauangaben aus dem Auflageverfahren erstellt. Der Entwurf soll zeigen, wie das Industrieareal im Falle einer Realisierung aussehen könnte.

Widerstand geht weiter

Sie seien zwar „politisch unerfahren, aber motiviert und engagiert“, sagen Riedmann und Walter über ihre Bürgerinitiative. Am Thema werde man dranbleiben. Und sollte am Ende eine Entscheidung für den Standort in der Landesgrünzone fallen, ist mit weiterem Widerstand zu rechnen. „Wir lassen alle Optionen offen. Klein beigeben steht nicht zur Diskussion“, so Kersten Riedmann gegenüber den VN.

Was das konkret für die Ansiedlungspläne bedeuten könnte, wollten die engagierten Weiler Bürger nicht näher beschreiben. Klagen bis in die letzte Instanz? „Das mag eine Option sein. Aber das hört sich nach Erpressung an“, so Thomas Walter. Und das wolle man auf keinen Fall.

Wichtig ist der Bürgerinitiative zu betonen, dass man nichts gegen die Firma Ölz habe und es toll finde, dass das Unternehmen in Vorarlberg investieren wolle. Der Vorwurf der Wirtschaftsfeindlichkeit sei unberechtigt. „Dass ein Unternehmen die Bedingungen stellt und sich alle danach richten müssen, geht aber nicht“, so Riedmann weiter.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit, Arbeitsplätze zu schaffen, überwiege doch das Unverständnis darüber, dass 2,9 Millionen Quadratmeter an gewidmetem Betriebsgebiet im Land einem Unternehmen weder räumlich noch preislich die Möglichkeit zur Ansiedlung biete, sondern auf günstigen Grund in der Landesgrünzone zurückgegriffen werden soll, heißt es dazu seitens der Bürgerinitiative.

Darf eine Firma zulasten einer Grünzone wählerisch sein?

Kerstin Riedmann