Wolfgang Burtscher

Kommentar

Wolfgang Burtscher

Übergangsobfrau

02.04.2017 • 16:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Es gab nie eine einige SPÖ und es wird nie eine einige SPÖ Vorarlberg geben.“ Von wem stammt dieser Satz? Vom politischen Gegner? Von einem Zeitungskommentator? Nein, von Arnulf Häfele, Obmann von 1988 bis 1993, nachzulesen beim Historiker Werner Bundschuh („Die SPÖ-Landesorganisation nach 1945“, Renner-Institut). Häfele, als Hoffnungsträger mit 97 Prozent gewählt, sah sich als „Obmann für die nächsten Jahrzehnte“ und warf doch fünf Jahre später, durch Partei-interne Streitereien zermürbt, das Handtuch. Die Metapher erinnere daran, dass Häfele im Landtagswahlkampf 1989 als Boxer mit roten Handschuhen aufgetreten war. Sein Nachfolger Karl Falschlunger, Vater der neuen Vorsitzenden Gabriele Sprickler-Falschlunger, trat nach zwei Jahren zurück, Nachfolger Elmar Mayer nach vier, Manfred Lackner nach vier, Elke Sader nach drei Jahren. Mit dem seit 2007 amtierenden Obmann Michael Ritsch und jetzt Sprickler-Falschlunger hat die Vorarlberger SPÖ in 29 Jahren acht Obleute verbraucht, Rekordhalter ist übrigens 1988 der legendäre Abgeordnete Günther Keckeis mit ganzen sechs Monaten Amtszeit. Das schafft sonst nur die Bundes-ÖVP. Daran sei erinnert, wenn die SPÖ wieder einmal eine neue Landesvorsitzende gewählt hat, die allerdings von sich aus nur drei Jahre amtieren will.

Wenn die Männer den Karren in den Dreck fahren, müssen die Frauen ran. Schon einmal hat mit Elke Sader eine Frau der Partei einen Erfolg beschert: Zugewinn von fast vier Prozent auf 16,9 Prozent bei der Landtagswahl 2004. Das ist fast das Doppelte des 2015-Ergebnisses ihres Nachfolgers Ritsch. Ebenfalls 2004 war eine Frau, Manuela Auer, bei der AK-Wahl für einen fulminanten Erfolg verantwortlich (35,2 Prozent statt 16,1 fünf Jahre zuvor).

Nun also Sprickler-Falschlunger. Sie hat nichts zu verlieren. Die SPÖ ist zur Kleinpartei geschrumpft und hat mit 8,8 Prozent das mit Abstand schlechteste Ergebnis aller Länder, tiefer geht nicht mehr (SPÖ Tirol: 13,7, Salzburg: 23,8 bis zum Burgenland mit 41,9). Die ersten Reaktionen der Delegierten am Parteitag waren denn auch verhalten optimistisch. Nichts von der Euphorie, mit der Obleute üblicherweise empfangen werden. Sie wird zunächst der Partei eine bessere Struktur verpassen müssen, vor allem in den Gemeinden, muss auf Rückenwind durch die Bundespolitik hoffen und jemanden finden, der/die die Partei wieder in bessere Zeiten führt, die sie einst hatte – Landtagswahl 1964: 29,5 Prozent, Nationalratswahl 1971: über 36 Prozent, die SPÖ hatte bei den Gemeindewahlen 1980 in Bludenz, wo sie 25 Jahre lang den Bürgermeister gestellt hat, und Bürs fast zwei Drittel der Stimmen, in der Landeshauptstadt 54 Prozent und 20 Jahre lang den Bürgermeister. Sprickler-Falschlunger muss vor allem aber die Überwindung dessen gelingen, was ihr Vater Karl als seine größte Enttäuschung bezeichnet hat: „Dass wir es nie geschafft haben, Konflikte intern auszutragen. Wir haben in aller Öffentlichkeit gestritten, und das hat sich immer in den Wahlergebnissen niedergeschlagen.“

Wenn die Männer den Karren in den Dreck fahren, müssen die Frauen ran.

wolfgang.burtscher@vn.at
Wolfgang Burtscher, Journalist und ehemaliger ORF-Landesdirektor, lebt in Feldkirch.