„Brauchen mehr Offenheit von Erwachsenen“

03.04.2017 • 17:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Schüler der 4b der Neuen Mittelschule Hittisau erarbeiteten in Gruppen ihre Wünsche und Bedürfnisse. Foto: VN/Steurer
Die Schüler der 4b der Neuen Mittelschule Hittisau erarbeiteten in Gruppen ihre Wünsche und Bedürfnisse. Foto: VN/Steurer

Initiative „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“: Kinder im Bregenzerwald äußern ihre Wünsche und Bedürfnisse.

Hittisau. (VN-jun) Im Klassenzimmer der 4b der Neuen Mittelschule Hittisau herrscht reges Treiben. Die 14- bis 15-jährigen Schüler diskutieren darüber, was sie als Jugendliche im Bregenzerwald brauchen. Dabei geht es weniger um materielle Dinge wie ein Kino oder Sportplätze, sondern vielmehr um soziale Belange. Denn bei der gestarteten Initiative von Land und Gemeinden „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“ soll präventiv dafür gesorgt werden, dass kein Kind durch den sozialen Rost fällt. Doris Simma koordiniert das Projekt im Bregenzerwald. Sie zieht derzeit durch Kindergärten und Schulen, um zu erfahren, was Kinder und Jugendliche eigentlich brauchen.

„Was braucht ihr, damit es euch gut geht?“, fragt Simma in die Runde. Eine verlässliche Bezugsperson und Geborgenheit nennen die Schüler an erster Stelle. Zudem ist ihnen wichtig, den Bregenzerwald als Heimat zu schätzen und offen gegenüber anderen Kulturen zu sein. „Ich möchte in einer kinder- und jugendfreundlichen Umgebung leben und respektvoll behandelt werden“, sagt ein Mädchen. Ihre Mitschüler stimmen ihr zu. „Gemeinschaft und Zusammenhalt finde ich auch sehr wichtig“, merkt Elias (15) an. Während die Schüler diskutieren, fallen auch Punkte wie die Förderung von Stärken und Talenten sowie die Unterstützung bei Sorgen und Nöten.

Präventionsketten aufbauen

Der Bregenzerwald hat sich 2016 als erste Region dazu entschieden, mit allen 24 Gemeinden sowohl beim Programm „familieplus“ als auch bei der Initiative „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“ mitzumachen. Das Projekt stammt ursprünglich aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen und wurde vergangenes Jahr vom Land Vorarlberg übernommen. Neben dem Bregenzerwald beteiligen sich auch die Gemeinden Dornbirn, Rankweil und Wolfurt. Ziel ist es, die Angebote in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Soziales optimal miteinander zu verknüpfen, um Kinder und Jugendliche sowie die Familien besser zu unterstützen. Es soll eine Präventionskette entwickelt werden, mit deren Hilfe Kinder nahtlos von der Schwangerschaft der Mutter bis zum Eintritt ins Berufsleben gut in der Gemeinde aufgehoben sind und Unterstützung erhalten. „Es geht darum, aus Sicht der Kinder zu denken und zu handeln. Wir wollen Lücken im System schließen“, erklärt Simma.

Was Kinder brauchen

Geborgenheit, Sicherheit, Frieden und Freundschaft sind für die Schüler der 4b in ihrer Heimat bereits gegeben. Allerdings wünschen sie sich mehr Offenheit von Erwachsenen. „Ich möchte mir meine Freunde selbst aussuchen dürfen“, sagt ein Bursche. „Es wäre toll, wenn die Kinder vom Dorf zum Beispiel mal zusammen kochen würden und das jemand organisiert“, meint Pia (14).

Neben den befragten Kindern und Jugendlichen haben sich bereits Anfang des Jahres über 100 Erwachsene am Projekt beteiligt. „Personen von Institutionen und Organisationen mit Bezug zu Kindern und Jugendlichen haben erarbeitet, was wir im Bregenzerwald noch brauchen“, sagt Simma. Unter dem Titel „Ich als Kind im Bregenzerwald“ entstanden elf Leitsätze. Zusammen mit den Wünschen und Bedürfnissen der befragten Kinder und Jugendlichen sollen diese Leitsätze in einer Bewusstseinsbildungskampagne im ganzen Bregenzerwald aufgehängt werden.

Mir geht es gut, wenn ich viele Möglichkeiten habe, um nach der Schule weiterzumachen. Gut finde ich, dass es von der Gemeinde den Jugendraum gibt. Was mir noch fehlt, sind mehr Aktivitäten im Sportbereich. Und dass wir Kinder vom Dorf zum Beispiel mal zusammen kochen und das jemand organisiert.
              Pia, 14

Mir geht es gut, wenn ich viele Möglichkeiten habe, um nach der Schule weiterzumachen. Gut finde ich, dass es von der Gemeinde den Jugendraum gibt. Was mir noch fehlt, sind mehr Aktivitäten im Sportbereich. Und dass wir Kinder vom Dorf zum Beispiel mal zusammen kochen und das jemand organisiert.

Pia, 14

Als Jugendlicher brauche ich nette Eltern, Freunde, mit denen ich mich gut verstehe und eine gute Gemeinschaft in der Schule. Unsere Klasse ist besonders. Wenn zu uns ein neuer Schüler kommt, dann nehmen wir ihn mit offenen Armen auf. Ich finde aber, dass in Hittis­au Aktivitäten für Kinder fehlen, wie ein Sportplatz.
              Elias, 15

Als Jugendlicher brauche ich nette Eltern, Freunde, mit denen ich mich gut verstehe und eine gute Gemeinschaft in der Schule. Unsere Klasse ist besonders. Wenn zu uns ein neuer Schüler kommt, dann nehmen wir ihn mit offenen Armen auf. Ich finde aber, dass in Hittis­au Aktivitäten für Kinder fehlen, wie ein Sportplatz.

Elias, 15

Ich brauche meine Familie, damit es mir gut geht. Bei ihr fühle ich mich sicher. Freundschaften sind auch wichtig für mich. Zudem muss man sich in der Schule wohlfühlen, gerne dorthin gehen und darf nicht gehänselt werden. Ich denke, dass unsere Klasse einen guten Zusammenhalt hat, das finde ich auch wichtig.
              Lisa, 14

Ich brauche meine Familie, damit es mir gut geht. Bei ihr fühle ich mich sicher. Freundschaften sind auch wichtig für mich. Zudem muss man sich in der Schule wohlfühlen, gerne dorthin gehen und darf nicht gehänselt werden. Ich denke, dass unsere Klasse einen guten Zusammenhalt hat, das finde ich auch wichtig.

Lisa, 14