Ihr Herz schlägt für Afrika

03.04.2017 • 17:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Reinhilde Müller unterstützt ihre Schützlinge, wo sie kann.  Foto: Roth
Reinhilde Müller unterstützt ihre Schützlinge, wo sie kann.  Foto: Roth

Reinhilde Müller leistet seit mehr als 30 Jahren Entwicklungshilfe in Uganda.

röthis. (VN-jen) „Post aus Afrika“, sagt sie und lächelt. Die Freude über den weißen Umschlag ist Reinhilde Müller anzusehen. Solche Briefe landen oft in ihrem Postkasten, denn sie unterstützt seit 32 Jahren Kinder in Uganda. Der Brief ist mit Kugelschreiber geschrieben, an einer Ecke wurde ein Foto eines dunkelhäutigen Mädchens befestigt. Sie ist eine von 130 Schülern, die dank der Unterstützung der 79-Jährigen in die Schule gehen können.

Per Autostopp nach England

Müller wuchs mit drei Geschwistern in Röthis auf. Nach der Volksschule besuchte sie die Hauptschule in Feldkirch. „Vor allem das Fach Englisch liebte ich seit der ersten Stunde“, schwärmt sie. Mit 16 Jahren – nach Abschluss der Handelsschule – fing sie an, als Sekretärin in der Handelskammer zu arbeiten.

1955 entschied sich die damals 18-Jährige, mit einer Freundin nach England zu gehen, um als Au-pair zu arbeiten. „Wir sind per Autostopp nach England gereist“, erinnert sich Müller. Ein Jahr lang kümmerte sie sich dort um eine wohlhabende Familie. Nach Röthis zurückgekehrt, fand sie erneut eine Anstellung als Sekretärin. 1964 heiratete Reinhilde Müller, zwei Jahre später kam ihre erste Tochter zur Welt. Ein Sohn und zwei weitere Töchter folgten. In den nächsten zwei Jahrzehnten übernahm sie die Buchhaltung in der Firma ihres Mannes und zog die insgesamt vier Kinder groß. Nach der Scheidung von ihrem Mann 1985 bekam die damals 48-Jährige eine Stelle als Chefsekretärin.

130 Kinder in der Obhut

Seit 1983 unterstützte Müllers Bruder Martin Bachmann einen ugandischen Theologiestudenten beim Studium. Da er nur geringe Englischkenntnisse hatte, übernahm Reinhilde die Korrespondenz zwischen den beiden. „Irgendwann schrieb er dann nur noch mir. So nahm das Ganze seinen Lauf“, erzählt sie. 1998 folgte sie dann der Einladung des Studenten nach Buusubizi, einem Ort in Uganda, der etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Kampala entfernt liegt.

„Dort sah ich Kinder, die keine Perspektive hatten. Kinder, die mit einem Becher verschmutztes Wasser aus einer Pfütze geschöpft haben“, schildert sie. Bei diesem Anblick habe sie nicht untätig bleiben können. Sie gründete den Verein „Kinder in Uganda“ und ließ mit eigenen Mitteln und Spenden im ganzen Land Wassertanks, Schlafsäle und Schulen bauen. 130 Kinder werden derzeit durch den Verein betreut. Einige von ihnen wurden schon zu Ärzten oder Krankenpflegern ausgebildet.

Den Großteil ihrer Rente schickt Müller nach Uganda. „Ich will diesen Kindern dieselbe Chance geben, die meine Eltern einst mir gaben“, sagt sie. Ihren Verein wird sie zu ihren Lebzeiten nicht mehr aufgeben, das steht für Reinhilde Müller fest. „Diese Menschen zählen auf mich. Solange ich lebe, werde ich sie unterstützen.“

Solange ich lebe, werde ich diese Kinder unterstützen.

Reinhilde Müller

Zur Person

Reinhilde Müller

unterstützt seit mehr als 30 Jahren Kinder in Uganda.

Geboren: 17. Juli 1937 in Röthis

Ausbildung: Handelsschule

Hobbys: früher Skifahren, Backen, Fremdsprachen

Familie: drei Töchter, ein Sohn