Verurteilung wegen Tierquälerei

04.04.2017 • 20:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der angeklagte Landwirt vor Richter Richard Gschwenter. Eckert
Der angeklagte Landwirt vor Richter Richard Gschwenter. Eckert

Landwirt ließ Kuh knapp drei Wochen lang mit Schmerzen
im Stall leiden.

Christiane Eckert

Feldkirch. Die trächtige Mutterkuh des Unterländer Landwirts litt an chronischer Entzündung des Klauenbeins. Sie konnte nur schlecht stehen, hatte arge Schmerzen und tat sich beim Aufstehen schwer. So lag sie die meiste Zeit und hatte sich bereits an drei Stellen regelrecht wund gelegen. Der Bauer stallte sie in einem dicken Strohlager, doch das änderte nichts an den Schmerzen des Tieres. Es hätte behandelt oder eingeschläfert werden müssen.

Doch der Landwirt wollte das Kalb, das in wenigen Wochen auf die Welt kommen sollte. Da Jogger und Radfahrer immer wieder am Hof des Bauern vorbeikommen, fiel einem der Passanten auf, dass eine Kuh im Stall immer auf ihrer Einstreu lag und nicht mehr aufstehen konnte.

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Der Amtstierarzt wurde eingeschaltet. „Sie sei bereits in tierärztlicher Behandlung, hieß es, als ich mich erkundigte“, erzählt Erik Schmid im Zeugenstand beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Doch das entsprach keineswegs der Wahrheit.

Es wurde durchgesetzt, das Tier einschläfern zu lassen. Der Tierarzt, der schlussendlich die leidende Kuh einschläferte, gibt an, dass er gar nicht deshalb zum Hof gerufen wurde, sondern wegen einer Geburt und sich das Einschläfern „nebenbei“ ergeben hätte. „Stimmt nicht, ich habe den Tierarzt wegen beidem gerufen, wegen einer Geburt und wegen des Einschläferns“, rechtfertigt sich der Angeklagte.

Finanzielle Frage

„Warum hat man der Mutterkuh keine Schmerzmittel verabreicht?“, will Richter Richard Gschwenter wissen. Nach einigem Herumreden kommt der Landwirt auf den Punkt. „Dann hätte der Tierarzt jeden Tag zwei Mal kommen müssen“, wird rasch klar, dass man die Kosten gescheut hat. „Man hat den Tierarzt nicht gerufen, weil sich das Ganze nicht ausgezahlt hätte und da haben Sie die Leiden des Tieres hinausgezögert“, urteilt das Gericht. Fotos belegen, welche Leiden die Mutterkuh durchstehen musste. Ohne Schmerzmittel, ohne tierärztliche Behandlung. Abgesehen von der Euthanasie hat die trächtige Kuh aus Geiz keinen Arzt zu Gesicht bekommen. Sie hätte noch kalben sollen, dann hätte man sie kostengünstig getötet.

3000 Euro Strafe

Der Landwirt wird wegen Tierquälerei durch Unterlassung zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Um klarzustellen, dass solches Verhalten nicht tolerierbar ist, wurde die gesamte Geldstrafe unbedingt ausgesprochen. Der bislang Unbescholtene erbat sich Bedenkzeit.