Ein unheimlicher Beobachter

05.04.2017 • 21:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte war auf eine fremde Terrasse geschlichen und beobachtete durch das Fenster ein Pärchen. Und das offenbar nicht nur in Dornbirn.
Der Angeklagte war auf eine fremde Terrasse geschlichen und beobachtete durch das Fenster ein Pärchen. Und das offenbar nicht nur in Dornbirn.

55-jähriger Spanner tappte in Videofalle und muss 1200 Euro Strafe bezahlen.

Christiane Eckert

Feldkirch. Das 24-jährige Opfer ist heute noch sichtlich mitgenommen, wenn es die Zeit zwischen Dezember und Februar Revue passieren lässt.

Die attraktive junge Frau wohnt erbenerdig in einer Dornbirner Wohnanlage. Die Tür geht hinaus auf eine Terrasse, dahinter Sträucher und eine große Wiese. Niemand kommt dort rein zufällig bei einem Spaziergang vorbei. Das behauptet aber der am Landesgericht Feldkirch wegen beharrlicher Verfolgung angeklagte 55-Jährige. Er ist arbeitslos, lebt nach eigener Aussage von „Luft und Liebe“ und kann angeblich nachts wegen eines gesundheitlichen Leidens oft nicht schlafen. „Dann ist mir langweilig und ich gehe spazieren“, behauptet er. Die betreffende Wohnung habe er rein zufällig und nur kurz beobachtet, ein, zwei, oder drei Mal vielleicht. Alle Zeugen berichten etwas anderes.

Das Auto des unheimlichen Beobachters war bereits einem Nachbarn aufgefallen, weil es immer auf dessen Grund geparkt war.

Gestalt im Dunkel

Die junge Frau saß im Dezember gemütlich mit ihrem Freund vor dem Fernseher, als sie plötzlich eine Gestalt wahrnahmen, die im Dunkeln zum Fenster herein starrte. Sie dachten zuerst an einen Einbrecher. Als der Beobachter immer wieder kam und dann auch noch die Weihnachtsbeleuchtung ausgesteckt war, wurde die Situation immer unheimlicher.

14 lang Tage montierte die Polizei eine Videokamera, dann musste das Opfer die Kamera zurückgeben, kaufte sich aber auf eigene Kosten selbst eine.

Der Freund der Bewohnerin montierte das Gerät am Weihnachtsbaum. Kombiniert mit einem Bewegungsmelder, schlug das Handy in der Wohnung Mitte Februar Alarm. Der Freund und Nachbarn konnten den Mann stellen. Er unterschrieb eine Unterlassungserklärung, doch ein ungutes Gefühl blieb, nachdem der Spanner mindestens fünf Mal dieselbe Wohnung heimgesucht hatte. „Bei der Polizei sagte man mir, dass der Mann schon überall in Fußach, Gaißau und Höchst mit seinem Benehmen aufgefallen sei, gewarnt wird man aber vor solchen Leuten nicht“, ärgert sich die junge Frau.

Seltsamer Eindruck

Auch im Saal macht der Angeklagte einen seltsamen Eindruck. Er behauptet, die Polizei stecke mit dem Opfer unter einer Decke und dass er bedroht werde. Die Geldstrafe von 1200 Euro wegen beharrlicher Verfolgung kommentiert er salopp mit den Worten: „Nutzt ja nichts, ich zahl‘s“. Dem Opfer muss er 100 Euro überweisen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ich bin arbeitslos und lebe von Luft und Liebe.

Der Angeklagte