Forschung als Hoffnung für bedrohte Bienen

06.04.2017 • 17:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Elisabeth Vögel und Egon Gmeiner analysierten in der VN-Redaktion das mysteriöse Bienensterben. Foto: VN/Paulitsch
Elisabeth Vögel und Egon Gmeiner analysierten in der VN-Redaktion das mysteriöse Bienensterben. Foto: VN/Paulitsch

Experten fordern einen Schulterschluss im Kampf für die nützlichen Insekten.

Schwarzach. An der Universität in Wien liegt möglicherweise der Schlüssel zur Antwort auf die Frage nach dem Grund des massenhaften Bienensterbens.

Wie geht es unseren Bienen?

Vögel: Bei uns im Rheindelta geht es ihnen recht gut. In Hard werden zwei Prozent Ausfälle beklagt, in Höchst sind es zehn bis 15 Prozent. Wir haben für diese guten Zahlen auch einen entsprechenden Aufwand mit der Varroa-Behandlung betrieben.

Gmeiner: Nachdem derzeit alles blüht, ist die Situation der Bienen eine sehr gute. Für jene Bienen wohlgemerkt, die als Restbestand noch da sind. Die Verluste waren vorher. Ein Großteil geht auf den vergangenen Herbst zurück, die übrigen starben im Winter. Die anonyme Umfrage unter den Imkern lässt den Schluss zu, dass es ungefähr die Hälfte der Bienen erwischt hat, wobei diese Verluste nicht gleichmäßig verteilt sind. So gibt es Imker, die haben alle Bienen verloren. Dazu zählen altgediente Imker, aber auch Junge, die Tausende Euro investiert haben. Das ist die Dramatik der Situation.

Was sind die Gründe für diese Ausfälle?

Gmeiner: Das ist ja das Problem. Wir können uns nicht erklären, warum zum Beispiel bei einem Imker ein Bienenstand eingegangen ist und der andere unversehrt blieb. Vielleicht bringt uns eine Forschung an der Universität Wien bei der Lösung des Problems weiter. Dort gelang es, einen Klon des Flügeldeformationsvirus zu schaffen. Durch diesen Klon konnte man feststellen, wie sich diese Viren vermehren. Jetzt weiß man, dass sich die Viren unabhängig von der Varroa vermehren können und das Volk zugrunde geht, also eine Sekundärinfektion, die den Großteil der Verluste verursacht.

Vögel: Das stimmt. Es geht um das Immunsystem der Bienen. Wenn dieses nachhaltig geschwächt ist, dann können sie mit den Parasiten, Bakterien und Viren nicht mehr umgehen. Diese Schädlinge werden von Biene zu Biene übertragen. Der Mensch gibt seit Jahrzehnten Gift in die Landschaft, inklusive Antibiotika. Die Bienen tragen diese Stoffe in ihren Stock. Da muss man sich nicht wundern, wenn sich die Bienen nicht mehr gegen diese Viren wehren können.

Sind die Bienen also weniger robust als früher?

Vögel: Meiner Meinung nach schon.

Gmeiner: Das ist so, ja. Ich wehre mich nur dagegen, dass man ausschließlich den Bauern die Schuld dafür gibt. Was die Landwirte tun sollten, ist, nicht über die Mittagszeit alles abzumähen. Dann, wenn die Bienen und andere Insekten aktiv sind. Sie sollen das am Abend tun. Dann ist auch das gewonnene Futter gehaltvoller.
Dass 95 Prozent des aufge­tragenen Gifts in den Boden
gehen und 80 Prozent der Gesamtinsektenmenge innerhalb von zehn Jahren verschwunden sind, ist allerdings auch Tatsache. Von 58 Wildbienenarten sind noch 14 da.

Vögel: Ich will auch nicht einfach nur den Bauern die Schuld für diese Entwicklung geben. Es geht hier auch um das in den Hausgärten verspritzte Gift. Diese Menge könnte sich der Landwirt gar nicht leisten.

Gmeiner: Wenn du nun aber in den Bregenzerwald oder ins Montafon gehst, wo viel weniger Gift verspritzt wird, ist das Bienensterben genauso präsent. Die Verluste kommen überall vor.

Das heißt, die Verluste sind nicht immer ergründbar?

Vögel: Es geht natürlich auch um die Umweltbelastung, die durch den Regen von oben herunter kommt.

Gmeiner: Nur kommt dieser Regen in Hard genauso herunter wie woanders. Und du sagst, dass in Hard die Verluste nicht so hoch sind. Warum nur?

Vögel: Es ist auch eine Sache der Hygiene. Wir legen darauf in unserem Verein sehr viel Wert. Wir verwenden Hygienemittel ohne Chemie, sauberes, rückstandfreies Wachs. Wir geben alte, virenbelastete Waben weg. Wir schauen, dass die Kästen sauber sind.

Gmeiner: Ich will keinem Imker unterstellen, dass er nicht sauber arbeitet.

Was könnten neben der Wissenschaft andere wirksame Mittel zur Bekämpfung des Bienensterbens sein?

Vögel: Bei uns wird die Varroa in der letzten Juli- bzw. ersten Augustwoche behandelt.

Gmeiner: Das hört sich so schön an. Aber es kommen eben nicht alle Imker zur selben Zeit mit ihren Bienen von ihren Sommerstandorten zurück. Was möglich ist: Die Imker müssen sich untereinander absprechen und so zu vermeiden suchen, dass sich ihre Völker gegenseitig anstecken.

Es ist ein Rätsel: Ein Bienenstand geht ein, der daneben nicht.

Egon Gmeiner

Das Immunsystem der Bienen wird immer mehr geschwächt.

Elisabeth Vögel