Hohe Kosten und Mangel an Ärzten

Vorarlberg / 06.04.2017 • 18:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Rund 600 Experten für Krebserkrankungen tagen derzeit im Festspielhaus.

bregenz. Krebs: eine globale Epidemie und in Österreich die zweithäufigste Todesursache. Gleichzeitig überleben immer mehr Betroffene, weil sich Diagnostik und Therapien verbessert haben. Rund 60 Prozent der Krebspatienten überleben heute länger als fünf Jahre. Allerdings hat die Medaille nicht nur eine Kehrseite. Die Bevölkerung wird immer älter, und Krebs ist eine Erkrankung des Alters, neue Medikamente treiben die Behandlungskosten in teilweise exorbitante Höhen, und es droht ein Ärztemangel im Bereich der internistischen Onkologie sowie Hämatologie. Derzeit gibt es 400 Mediziner, in wenigen Jahren werden mindestens 500 gebraucht.

Inmitten dieser Spannungsfelder bewegt sich auch die Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie, die noch bis morgen, Samstag, im Festspielhaus in Bregenz abgehalten wird. Rund 600 Experten aus der Krebsforschung und Krebsbehandlung nehmen daran teil. Parallel dazu tagt die Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen, deren Tätigkeit immer stärker an Bedeutung gewinne, wie anlässlich einer Pressekonferenz betont wurde.

1700 Neudiagnosen

In Vorarlberg leben etwa 15.000 Personen mit Krebs, pro Jahr kommen 1700 Neudiagnosen dazu. Vier Krankenhäuser führen onkologische Behandlungen durch. Die Kosten belaufen sich auf über zwölf Millionen Euro. Laut Primar Holger Rumpold, Leiter der Interne II im LKH Feldkirch, stiegen die Aufwendungen zwischen 2014 und 2016 um 31 Prozent. Im Vordergrund stehe die Frage, wie kostenintensive Therapien so umgesetzt werden, dass sie jedem, der sie benötigt, in der entsprechenden Behandlungsqualität zur Verfügung stehen. Für Rumpold braucht es dazu eine gute Abstimmung sowie ein intensiv kooperierendes Netzwerk. Aufgrund der  Strukturen und der Anzahl der Patienten hält er ein solches in Vorarlberg für eindeutig machbar.

Die Ärzte sprachen sich auch dafür aus, die Stimme gegen die von der Pharmaindustrie betriebene Preisbildung zu erheben. Medikamentenstudien wurden als nicht hieb- und stichfest bezeichnet. Es brauche eine unabhängige Kosten-Nutzen-Bewertung. Denn: „70 Prozent der Innovationen sind kein Fortschritt“, meinte etwa Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Ein solches Netzwerk ist in Vorarlberg eindeutig machbar.

Holger Rumpold