Klinken putzen für andere

06.04.2017 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eugen Köb braucht keine spezielle Verbundenheit für sein Engagement. Er tut es, weil es ihm wichtig ist. Foto: stiplovsek
Eugen Köb braucht keine spezielle Verbundenheit für sein Engagement. Er tut es, weil es ihm wichtig ist. Foto: stiplovsek

Schon seit über fünfzig Jahren sammelt Eugen Köb für das Vorarlberger Kinderdorf.

lustenau. (VN-mm) Kinder liegen ihm am Herzen, vor allem jene des Vorarlberger Kinderdorfs. Für sie macht sich Eugen Köb seit über fünfzig Jahren jeden April auf den Weg, um Geld zu sammeln. „Wir leben hier in einem Paradies“, sagt er. Etwas von diesem Wohlstand zurückzugeben, ist es, was ihn immer noch antreibt, obwohl das Klinkenputzen, und sei es für einen guten Zweck, nicht mehr so einfach läuft. Vor allem in den großen Wohnanlagen sei es schwierig geworden. Dort ist Eugen Köb häufig mit Abweisungen konfrontiert. Gleichzeitig gibt es in vielen Haushalten noch Vertrauen, das über die lange Zeit gewachsen ist. Das öffnet weiterhin Herzen und Geldbörsen und lässt ihn frohgemut feststellen: „Ich habe ein super Gebiet.“

Mit 14 angefangen

Rund 700 Haushalte klappert der engagierte Pensionist in Dornbirn ab. Er wohnt zwar seit mehr als dreißig Jahren in Lustenau. Aber seiner Heimatstadt ist er auf diese Weise treu geblieben. Schließlich hat hier alles angefangen. Gerade einmal 14 war Eugen Köb, als ihn ein Lehrer vom Oberdorf anheuerte. „Er ist mit seinem Motorroller gekommen.“ Das ist dem begeisterten Musikanten noch in Erinnerung geblieben, und dass er aufgeben wollte, als er gleich beim ersten Haus eine Abfuhr bekam. Er tat es doch nicht. Mitunter pressierte es dem Jugendlichen auch fürchterlich, weil er, damals Maurerlehrling, zurück auf die Baustelle sollte. 

Keine Unbilden konnten ihn letztlich vom Sammeln für das Vorarlberger Kinderdorf abhalten. Begonnen hat Eugen Köb mit einem kleinen Gebiet. Dann übernahm er jenes der Mutter, die ebenfalls im Einsatz war. Irgendwann fiel ein anderer Sammler aus, dann noch einer, bis Köb auf seine 700 Haushalte kam. Gegenüber früher hat sich nur geändert, dass sich der ehemalige Gerichtsvollzieher die Zeit heute besser einteilen kann. Jeden Mittag und jeden Abend ist er unterwegs von Tür zu Tür. Das macht fünf bis sechs Stunden täglich, ein Schwätzchen bei seinen treuesten Kunden inklusive. „Ein paar Minuten müssen sein“, meint Eugen Köb mit einem verschmitzten Lachen.

Persönlich ist besser

Er sammelt aus der Überzeugung heraus, dass jeder Cent im Kinderdorf bleibt und den Schwächsten der Gesellschaft zugutekommt. Eugen Köb glaubt außerdem fest an die Wirkung, die persönliches Erscheinen hat. „Es bringt mehr als jeder Bettelbrief.“ Auch wenn es nicht einfacher geworden ist. Aber er hat ja noch die Musik, die ihn frustrierende Erlebnisse schnell vergessen lässt.

Persönliches Sammeln bringt mehr als jeder Bettelbrief.

Eugen Köb

Zur Person

Eugen Köb

Geboren: 21. August 1949 in Dornbirn

Wohnort: Lustenau

Familienstand: Lebensgemeinschaft, drei Kinder

Beruf: Pensionist

Hobbys: Musik, Wandern