Kopfwäschen und Ärgernisse

07.04.2017 • 17:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Outing“ im Landtag: Rauch (l.) und Ritsch wollen Zeichen setzen.

Homophobie. Gesprächsstoff liefert derzeit Johannes Rauch (57) als Landesrat der Grünen. Einerseits soll dem gebürtigen Rankweiler als Juniorpartner in der Landesregierung hinter den Kulissen nicht nur eine Kopfwäsche durch LH Markus Wallner (49, VP) zuteil geworden sein. Rauchs öffentlicher Auftritt mit Gerlind Weber (64), die sich als Vorsitzende des Naturschutzrats im Gegensatz zur Linie der Schwarzen strikt gegen das Aufweichen der Grünzone des Landes ausspricht, hatte das sprichwörtliche Fass bei Wallner zum Überlaufen gebracht. Dass er jüngst sogar als möglicher Erbe von Bundesparteichefin Eva Glawischnig (48, Grüne) gehandelt wurde, hat bei Rauch „lediglich Verwunderung“ ausgelöst. In sozialen Medien schloss Rauch („Bevor ich Bundesssprecher werde, habe ich noch eher die Ambition, Vorarlberger Landeshauptmann zu werden“) einen Wechsel an die Bundesparteispitze aus und schrieb wörtlich von einem „Bull­s-hitbingo“ in einem Wiener Medium. Stichwort soziale Medien: Dort lenkte der gewiefte Langzeitpolitiker für Beobachter geschickt vom Thema ab und postete unter dem Motto „Politiker gegen Homophobie“ ein Foto, das ihn händchenhaltend mit einem strahlenden Klubobmann Michael Ritsch (48, SP) im Landtagsplenum zeigt.

Aprilscherz. Da ärgerte sich Landesrat Erich Schwärzler (64, VP) wohl deutlich hörbar über eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Klubchefs Adi Gross (55). Unter dem Titel „Parteikarriere auf Kosten der Gemeinde“ ärgerte sich Gross über eine Einladung der Politikerin Gudrun Kugler (40, VP) nach Lauterach; Gross befürchtete, dass Kugler auf Gemeindekosten zu einem Vortrag eingeladen worden war. Schwärzlers Anfragbeantwortung am 3. April um 17 Uhr begann mit dem Satz: „Zu ihrer Anfrage am Vorabend des 1. April 2017 gemäß § 54 der Geschäftsordnung des Vorarlberger Landtags darf ich Ihnen mitteilen …“ Kurz darauf wurde er wohl zurückgepfiffen. 20 Minuten später trudelte nämlich eine korrigierte Version ein: „Zu Ihrer Anfrage gemäß § 54 der Geschäftsordnung des Vorarlberger Landtages darf ich Ihnen mitteilen …“ Der Hinweis auf den 1. April war plötzlich verschwunden.

Rollentausch. Der neue Chef der Landespressestelle, Florian Themessl-Huber (36), hat am 1. April offiziell seinen Job angetreten. Einen Tag davor, am 31. März, war der Nüziger noch für die Vorarlberger Volkspartei und Landeshauptmann Markus Wallner (49) tätig. Zusammen mit seinem Nachfolger Simon Kampl (28), Markus Amann (51) und anderen aus der VP-Zentrale diskutierte er mit Kristina Rausch (26), Mitarbeiterin von Sebastian Kurz (30), Strategien für soziale Netzwerke. Ob Themessl-Huber für die Partei oder bereits für die Landesverwaltung am Tisch saß, ist nicht bekannt.

Zitate der Woche

Wer zu oft seinen Senf dazugibt, gerät in den Verdacht, ein Würstl zu sein.

Helmut Mödlhammer,
Altpräsident, Gemeindebund

Wir brauchen in Wien eindeutig mehr Biber, aber nicht in der Lobau, sondern Justin Bieber auf der Bühne.

Harald Mahrer, VP,
Staatssekretär

Macht noch viel mehr aus Oberösterreich. Mit Memoiren werde ich niemanden quälen.

Josef Pühringer, VP, zum Abschied als Landeshauptmann

Die Verfügbarmachung von gewidmetem Bauland wird das Thema der Politik sein.

Reinhard Schertler, Bau­unternehmer, im VN-Gespräch