Heilige Gräber erleben heute eine Renaissance

Vorarlberg / 09.04.2017 • 17:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieses Heilige Grab wurde im Vorjahr in Hohenweiler wiederentdeckt und restauriert. Heuer wird es erstmals in die Osterliturgie eingebunden.  Sams
Dieses Heilige Grab wurde im Vorjahr in Hohenweiler wiederentdeckt und restauriert. Heuer wird es erstmals in die Osterliturgie eingebunden. Sams

Heiliges Grab auf Dachboden des Hohenweiler Pfarrhauses entdeckt und restauriert.

Hohenweiler. Der katholische Brauch des heiligen Grabes, welches die Auferstehung Jesu zu Ostern bildlich und/oder plastisch darstellt, geht auf das frühe Mittelalter zurück. Angeregt von den damals häufiger werdenden Pilgerfahrten nach Jerusalem schuf man vielerorts in den Kirchen Andachtsstätten. Das Grab Christi wurde nachgebildet und in der Karwoche in Gotteshäusern aufgestellt. Am Karfreitag und Karsamstag war der Leichnam Christi zu sehen. Bei der Auferstehungsfeier am Abend des Karsamstags verschwand der im Grab liegende Leichnam, um dann als Auferstandener am höchsten Punkt des Grab­aufbaues zu erscheinen.

Gräber verschwanden

Zur Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Gräber, die mit Blumen, Kerzen und Glaskugeln geschmückt wurden, eine weit verbreitete Einrichtung geworden. Nach der Liturgiereform von 1956 verschwand dieser Brauch aber weitgehend. „Die heiligen Gräber wurden als zu theatralisch empfunden und als Kitsch abgetan. Sie entsprachen nicht mehr dem Zeitgeist“, weiß Diözesankonservator Othmar Lässer. Der „barocke Kitsch“ – eigentlich ein wertvolles Kulturgut – verschwand in Abstellräumen oder wurde überhaupt weggeworfen oder verbrannt.

Laut Lässer erleben die heiligen Gräber seit ein paar Jahren aber wieder eine Renaissance. „Wir wissen, dass heuer in unserer Diözese mindestens 20 aufgestellt werden.“ In Hittisau wurde ein ganz neues errichtet, weil vom alten nur mehr der Korpus vorhanden war. In Andelsbuch existiert ein altes und großes, und auch in Riefensberg, Bezau, Schoppernau und in Egg/Großdorf gibt es heilige Gräber. Seit heuer hat auch die Gemeinde Hohenweiler eines. Und das kam so. Marion Bigontina (68), die Obfrau des Krippenvereins Hohenweiler, hatte von älteren Mitbürgern gehört, dass es früher auch in Hohenweiler ein schönes heiliges Grab gegeben habe. „Ich dachte mir: ,Da muss doch noch was da sein‘ und schaute auf dem Dachboden des Pfarrhauses nach.“ Ihre Überraschung und Begeisterung war groß. Denn: „Ich entdeckte ein zwar verstaubtes, aber wunderbares Kleinod.“

Grab aus dem Jahr 1870

Wie sich herausstellte, war dieses heilige Grab noch um einiges älter als jenes, an das sich ältere Hohenweiler erinnerten. „Es stammt aus der Zeit um 1870. Aber die jahrzehntelange Lagerung hatte ihm zugesetzt. Es war in keinem guten Zustand.“ Bigontina und ihre „Krippeler“ setzten sich für eine Restaurierung ein, für die auch der Pfarrgemeinderat stimmte. Weil Land und Bundesdenkmalamt einen Teil der Finanzierung zusicherten, wurde das heilige Grab einer Restauratorin übergeben. Nicole Mayer (Atelier Mayer) restaurierte das Kleinod. „Ich war dreieinhalb Monate gut beschäftigt.“

Unter anderem reinigte sie es und besserte die Stellen, die beschädigt waren, mit Farbe aus. Mayer ist von der simplen, aber funktionalen Technik des 1,20 Meter breiten und 90 Zentimeter hohen Grabes angetan: „Die Leinwand kann gedreht werden und die Flügel sind ausklappbar.“ Etwas Besonderes seien an dem Grab auch die schöne Dekorationsmalerei und die Graviermuster auf der Leinwand. „Meines Wissens gibt es weder in Vorarlberg noch in Tirol ein vergleichbares Grab.“

Es wurde gestern, am Palmsonntag, in der Pfarrkirche Hohenweiler aufgestellt. Umrahmt mit den typischen Glaskugeln, wird das 147 Jahre alte Kunstwerk der Osterliturgie ein besonderes Flair verleihen. Am Karsamstag wird es Pfarrer Roland Trentinaglia einweihen. Die Messe beginnt um 9 Uhr.

Das Grab war nach der langen Zeit in keinem guten Zustand.

Marion Bigontina