„Herz hat immer für die Gemeindepolitik geschlagen“

09.04.2017 • 16:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alwin Riedmann: „Blasmusik ist mir immer am Herzen gelegen.“  HB
Alwin Riedmann: „Blasmusik ist mir immer am Herzen gelegen.“ HB

Präsident des Musiktheaters Vorarlberg (MTVO), Musikreisen und zeitgeschichtliche Literatur.

Hard. (ee) „Ich war zwar von 1980 bis 1984 und von 1987 bis 1994 Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag, mein Herz schlug aber eigentlich immer für die Gemeindepolitik. Im Jahre 1963 bin ich der SPÖ beigetreten, und von 1970 bis 1995 war ich in vielen Funktionen Mitglied der Gemeindevertretung in Hard.“

So im Gespräch mit den VN der frühere SPÖ-Politiker Alwin Riedmann (76). Der gelernte Schriftsetzer ist 2001 nach 46 Berufsjahren als selbstständiger Vertreter für Drucksachen formell in Pension gegangen. Seine Handels­agentur wurde noch bis 2016 unter der Geschäftsführung seines Sohnes Günter Riedmann in reduzierter Form weitergeführt. Wie er betont, sei er über dieses wirtschaftliche Standbein sehr froh gewesen, um nicht Berufspolitiker sein zu müssen.

Festschrift im Werden

Alwin Riedmann hat im Ruhestand die Präsidentschaft des seit 1947 bestehenden Vereins Musiktheater Vorarlberg (MTVO) übernommen. Gegründet wurde der Verein vom Götzner Musikliebhaber und Fahrschulgründer Alfred Mayer, die Spielstätte ist die Kulturbühne Ambach in Götzis. Riedmanns Nachfolgerin in dieser Funktion wurde die Unternehmerin Margit Hinterholzer aus Koblach. Derzeit ist Alwin Riedmann damit beschäftigt, die Geschichte dieser Institution zu deren 70-jährigem Bestehen aufzuarbeiten. Das Ergebnis dieser Arbeit soll eine Festschrift werden.

Zahlreiche Reisen

Riedmann weiter: „Ich freue mich auch sehr darüber, dass ich jetzt sehr viel reisen kann, wenn auch durch die eingeschränkte Gesundheit meiner Frau die Reiseziele nicht mehr so weit entfernt sind wie früher. Damals standen viele Fernreisen, u. a. nach Nepal, Brasilien, Namibia, Südafrika und zahlreiche Destinationen in Europa, auf dem Programm. Heute fahren wir verstärkt zu musikalischen Events im Bereich Klassik und Opern. Diese Reisen führen uns immer wieder nach Wien, Berlin, Breslau, Mailand, Verona und zu den Rossini-Festspielen in Bad Wildbad im Hochschwarzwald.“

Auch das Lesen nimmt bei Alwin Riedmann einen wichtigen Stellenwert ein. „Vor allem sind es zeitgeschichtliche und geschichtliche Werke, weniger Belletristik, mit denen ich mich auseinandersetze. Gegenwärtig lese ich das Sachbuch des früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer ,Wendezeiten. Ein österreichischer Zwischenbefund‘. Dabei geht es um die Ereignisse rund um die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999. Das Buch endet mit der Bildung der damaligen ÖVP/FPÖ-Koalition.“

Heute mehr Offenheit

Natürlich verfolgt Riedmann auch noch immer die Politik, vor allem auf Gemeinde- und Landesebene. „Seit meiner Zeit als aktiver Politiker hat sich viel gewandelt. Man ist in Vorarlberg offener geworden. Aber im wachsenden Auseinanderklaffen der Vermögenswerte zwischen Arm und Reich sehe ich ein großes Problem, das auch unausweichlich Folgen für das soziale Verhalten haben wird.“

In der Gemeindepolitik sieht Riedmann den großen Vorteil, dass es dort auch der Minderheit zumindest gelegentlich möglich ist, mitzugestalten, das gehe in der Landespolitik wesentlich schwieriger und sei in der Bundespolitik praktisch unmöglich. So sei es ihm in Hard gelungen, einen Literaturwettbewerb zu initiieren, den es nach 34 Jahren heute noch gibt. Durchgedrungen sei er auch mit seinem Anliegen nach mehr Förderung für die Blasmusik, deren Wirken er immer sehr geschätzt habe.

Zahlreiche Funktionen

Riedmann hatte in seinem politischen Leben eine Reihe von Funktionen übernommen, so unter anderem die des SPÖ-Ortsvorsitzenden in Hard zwischen 1966 und 1994, Obmann der Gewerkschaftsjugend Vorarlberg und Obmann der Gewerkschaft Druck und Papier in Vorarlberg von 1966 bis 1969.

Im Jahre 1994 war Riedmann Herausgeber des Buches „Sozialdemokraten im Dorf. 100 Jahre SPÖ Hard“ von Werner Bundschuh, Werner Dreier und Reinhard Mittersteiner.

Zur Person

Alwin Riedmann

Geboren: 1941 in Hard

Ausbildung: Volks- und Hauptschule in Hard, Lehre als Schriftsetzer, Fortbildung zum Maschinen- und Fotosetzer, selbstständiger Vertreter für Drucksachen 1984 bis 2001 (Pensionierung), Gemeindevertreter in Hard, Landtagsabgeordneter

Ehrungen: Silberne Ehrennadel des Vorarlberger Zivilschutzverbandes, Ehrenzeichen des Vorarlberger Blasmusikvereins

Familie: verheiratet, zwei Kinder, fünf Enkel, ein Urenkel