Mit Musik gegen Trauer

Wetter / 10.04.2017 • 16:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch diese lustige Handpuppe setzt Bettina von Siebenthal bei ihrer Arbeit mit Kindern gerne ein. Foto: Vn/mm
Auch diese lustige Handpuppe setzt Bettina von Siebenthal bei ihrer Arbeit mit Kindern gerne ein. Foto: Vn/mm

Bettina von Siebenthal engagiert sich mit viel Herzblut für die Kinderhospiz.

bregenz. (VN-mm) Hospiz? „Das hat nicht nur mit Tod zu tun.“ Bettina von Siebenthal ist diese Feststellung wichtig. Denn das Thema Sterben schrecke eher ab. Dabei bedeutet Hospiz auch Betreuung im Leben. Sie selbst hat sich der Kinderhospiz (HOKI) verschrieben. Vor zwei Jahren, als Bettina von Siebenthal in Pension ging, meldete sie sich zum Lehrgang an. „Es war so ein starker Drang in mir“, erzählt die Frau mit dem milden Lächeln. Nach dem ersten Gespräch mit einer Hospizverantwortlichen wusste sie ihren Entschluss in Stein gegossen. Heute möchte sie nicht mehr auf diese ehrenamtliche Tätigkeit verzichten. „Die Arbeit mit den Kindern tut auch mir gut“, sagt Bettina von Siebenthal zufrieden.

Wurzeln geschlagen

Seit mehr als dreißig Jahren lebt sie nun schon in Bregenz. Geboren ist Bettina von Siebenthal in der Schweiz, aufgewachsen in Italien, studiert hat sie in Deutschland und nach Vorarlberg kam sie dereinst der Arbeit wegen. Sie spricht von einer Wahlheimat, denn so lange sei sie noch an keinem Ort geblieben. Am Bodensee konnte die Entwurzelte endlich Wurzeln schlagen. Obwohl Bettina von Siebenthal Kunstgeschichte studierte, wandte sie sich später der Musik zu. Nach ihrer Ausbildung am Konservatorium in Feldkirch wurde sie Lehrerin in gleich drei Musikschulen: in Bregenz, Hard und im Bregenzerwald. Mit ihren Spezialgebieten Elementarerziehung und musikalische Früherziehung war Bettina von Siebenthal eine der Ersten im Land. Noch heute leuchten ihre Augen, wenn sie an die Freude der Kinder beim Musizieren denkt. Auch das Pendeln machte ihr nichts aus. „Ich empfand es damals als Freiheit“, erinnert sich von Siebenthal. Als Tochter Linda zur Welt kam, schränkte die Mutter das Fahren jedoch ein. Schließlich unterrichtete sie nur noch in der Musikschule Bregenz.

Ein logischer Schritt

Dass sie nach ihrem Wechsel in den Ruhestand zur Kinderhospiz fand, erscheint ihr logisch. „Ich hatte ja eigentlich immer mit Kindern zu tun“, merkt Bettina von Siebenthal an. Doch es steckte noch ein anderer Grund hinter der Zuwendung zur Hospizarbeit. Der Tod ihres Bruders und die damit verbundene Trauerarbeit prägten sich als unschönes Erlebnis ein. „Schon damals reifte ein tiefer Entschluss in mir.“ Inzwischen hat ihn Bettina von Siebenthal mit der ihr eigenen Entschlossenheit umgesetzt. Jede Woche engagiert sie sich beim Trauertreff für Kinder in Bregenz. Ihr Refugium ist der Wald. „Dort kann sich jedes Kind einen Baum für den Verstorbenen aussuchen. Dann wird rund um den Baum etwas gemacht“, erzählt die Hospizmitarbeiterin. Sie setzt vor allem Musik ein. „Kinder mögen das“, weiß Bettina von Siebenthal. Und noch etwas hat sich für sie bestätigt, nämlich dass die Natur und speziell der Wald tatsächlich eine heilende Wirkung haben. Für die Kinder ist er eine trauerfreie Zone, wo sie sich austoben, aber auch reden können, wenn sie möchten. Bettina von Siebenthal betreut auch zwei Kinder, um deren Mütter und Geschwister zu entlasten. „Auch das ist die Hospizbewegung“, will sie noch einmal untermauert haben.

Ihr selbst macht der Tod keine Angst mehr. „Das Thema sollte kein Tabu sein. Je weiter man es wegschiebt, umso größer wird die Furcht davor.“ Sie kann als Hospizmitarbeiterin auch mit schwierigen Situationen umgehen. „Für mich zählt immer das Jetzt.“ Kleine Rituale helfen ihr beim Hineingehen, wie sie sagt, und dann wieder beim Hinausgehen.

Das Thema Tod sollte kein Tabu sein, sonst macht es Angst.

Bettina von Siebenthal

Zur Person

Bettina von Siebenthal

Geboren: 2. August 1954 in Bern

Wohnort: Bregenz

Familienstand: Partnerschaft, Tochter Linda (24)

Beruf: Pensionistin

Hobbys: Spazieren in der Natur, Musik, Hund Rio