Strenge Strafjustiz bei Kindersex im Internet

Vorarlberg / 10.04.2017 • 19:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wer der Kinderpornografie im Internet „huldigt“, muss mit bisweilen hohen Geldstrafen rechnen. Foto: dpa
Wer der Kinderpornografie im Internet „huldigt“, muss mit bisweilen hohen Geldstrafen rechnen. Foto: dpa

Empfindliche Geldstrafen sind nicht das Einzige, was bei Kinderpornografie blüht.

Christiane Eckert

Feldkirch. Immer wieder müssen sich männliche Angeklagte wegen § 207 a Strafgesetzbuch vor Gericht verantworten. „Pornografische Darstellung von Minderjährigen“ ist ein Delikt, das fast allen Beschuldigten peinlich ist. Die meisten sind unbescholten, sozial integriert, haben einen Job. Viele sind verheiratet und Familienväter. Mitunter enden Partnerschaften auch mit derartigen „Enthüllungen“, denn Hausdurchsuchungen sind unumgänglich. Der Strafrahmen reicht bis zu zehn Jahren Haft, was in der Realität allerdings selten ausgeschöpft wird, weil kaum jemand in einer kriminellen Vereinigung derartige Bilder herstellt und auch sonst selten solch schwerwiegende Umstände vorliegen. Was jedoch auffällt, sind die empfindlichen Geldstrafen, die bei diesem Delikt regelmäßig verhängt werden, häufig in Kombination mit bedingten Freiheitsstrafen. Daran ändern auch Unbescholtenheit und ein Geständnis nichts.

Rentner vor Gericht

Sowohl jüngere als auch ältere Männer werden verurteilt. Zuletzt am Landesgericht Feldkirch ein 72-jähriger Rentner, der sich im Netz in zehn Jahren mindestens 400.000 Kinderpornos und 50 Videodateien beschaffte. „Normale“ Pornos – „FKK-Filme“ – wie der Angeklagte sie nannte, wurden bereits vorab aussortiert. Der Rest der Daten betraf eindeutig Darstellungen mit Kindern. „Reißerisch verzerrte, auf sich selbst reduzierte, von anderen Lebensäußerungen losgelöste Abbildungen, die der sexuellen Erregung des Betrachters dienen“, heißt es im Gesetz.

„Die Festplatten waren immer gleich voll“, erinnerte sich der betagte Herr mit weißem Haar an das Datenvolumen. Am gleichen Tag wurde ein anderer Rentner wegen desselben Delikts verurteilt. Diesen geständigen Unbescholtenen traf es in erster Instanz mit einer Geldstrafe von 4500 Euro.

Alles weg

Was viele nicht bedenken, ist, dass auch sämtliche Datenträger, Laptops, Stand-PCs, Tablets und Handys konfisziert werden. Sie werden vernichtet, auch wenn die Geräte völlig neu waren. Sie waren Werkzeug zur Straftat, außerdem ist hundertprozentiges Löschen schwerer als gedacht. So landen die abgenommenen Geräte beim Elektroschrott. Waren noch andere Daten, wie zum Beispiel unverfängliche Urlaubsbilder, Steuerunterlagen oder dergleichen auf dem Speicher, werden diese isoliert und, wenn möglich, ausgehändigt.

Das Gerät erhält der Kinderporno-Internetsurfer jedenfalls nicht zurück. Neben den Strafen wird zusätzlich eine Vorstrafe wegen eines Sexualdelikts in der Strafkarte vermerkt, ein Umstand, der beispielsweise die Arbeitsstellensuche erschwert und der im Wiederholungsfalle deutlich zu Buche schlägt.