Von Notbremsen und freien Flächen

10.04.2017 • 17:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Grünzone im VN-Fokus: Große Herausnahmen gingen auch mal ohne Wirbel über die Bühne.

Bregenz. Die Diskussion um die knapp 14.000 Hektar große Grünzone des Landes hält an. Während sich maßgebliche Spitzenvertreter des Landes, wie LH Markus Wallner (49, VP) oder Statthalter Karlheinz Rüdisser (62, VP), ein Antasten der bereits 1977 erlassenen Grünzonen-Verordnung zur Entwicklung der Wirtschaft vorstellen können, sprechen sich Naturschutz und auch Grüne wie Johannes Rauch (57) als Juniorpartner auf der Regierungsbank dagegen aus. Ins Rollen hatte das Ganze der Dornbirner Bäckermeister Ölz gebracht: Er stellte Pläne für den Bau eines Unternehmens in der Grünzone im Bereich Weiler vor und würde dafür knapp vier Hektar aus der Zone benötigen. Dagegen laufen sowohl Initiativen als auch Naturschützer Sturm. Ein Blick in die Entwicklungsgeschichte der Grünzone zeigt auf, dass Herausnahmen von mehrfacher Größe nach einem längeren Prozess kritiklos abgewickelt werden konnten.

„Mit Abstand größte Flächen“

Im November 2012 und im Dezember 2013 stimmte der Raumplanungsbeirat des Landes, in dem übrigens auch die Grünen mit Sitz und Stimme vertreten sind, mit breiter Mehrheit für zwei Änderungen in der Grünzone. Einmal ging es im Bereich Hohenems um mehr als 13 Hektar und ein andermal um den Bereich Güterbahnhof Wolfurt, wo in der Folge mehr als 26 Hektar herausgelöst wurden. Im Gegenzug wurden freilich wieder kleinere Flächen der Grünzone zugeführt (Grafik). „Das sind die zwei mit Abstand größten Flächen, die nach längeren Prozessen entnommen wurden“, bestätigt Rüdisser. Neben Hereinnahmen neuer Flächen seien freilich auch „qualitative Begleitmaßnahmen wie Renaturierungen“ erfolgt, verweist Rüdisser auf diese Beispiele, die ohne lautstarke Kritik über die Bühne gebracht werden konnten.

Druck auf jeden Quadratmeter

„Eine sparsame Nutzung von Freiflächen ist die wichtigste Aufgabe der Raumplanung, hier muss die Notbremse gezogen werden“, meldet sich nun auch Katharina Lins (49) als Naturschutzanwältin zu Wort. Es gelte „die vielen Nutzungsinteressen in unserem kleinen Land zu ordnen“. Zumal die nutzbaren Flächen „sehr begrenzt  und nicht vermehrbar sind“. Die Interessen von Wirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Freizeitnutzung würden sich oft widersprechen, so steige der Druck auf jeden Quadratmeter, sagt Lins. „Viele fordern  derzeit ,Entwicklungsmöglichkeiten‘. Diese Möglichkeiten gibt es aber nur, solange Flächen freigehalten werden. Wenn die Reserven einmal freigegeben werden, sind sie weg, damit hat man sich im wahrsten Sinne des Wortes die künftige Entwicklung verbaut.“

Zuerst gilt es, die Verbauung von Freiflächen zu stoppen.

Katharina Lins, Naturschutz