Züge fahren bald die ganze Nacht

11.04.2017 • 17:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ab Dezember gibt es am Wochenende auf Vorarlbergs Schienen keine Nachtpause.

Bregenz. (VN-mip) „Der letzte Zug kommt.“ „Ich will noch nicht nach Hause, wann kommt das nächste Taxi?“ „60 Euro von Dornbirn nach Rankweil? Sollen wir lieber stoppen?“ Spätestens seit Freitag führen auch 16-Jährige solche Diskussionen. An diesem Tag trat das neue Jugendgesetz in Kraft. Die Ausgehzeitbeschränkung für Jugendliche ab 16 wurde damit abgeschafft. Vorarlbergs Nachtschwärmer müssen sich allerdings nur noch dieses Jahr den Kopf darüber zerbrechen, wie sie in der Nacht nach Hause kommen, zumindest, wenn sie in einem Ort mit Bahnhof wohnen. Mit der Fahrplanumstellung im Dezember dieses Jahres wird der Zug an Wochenenden und vor Feiertagen die ganze Nacht hindurch fahren.

Kosten: 220.000 Euro

Die ÖVP nennt es Nachtzug, die Grünen Partyzug, sie meinen das Gleiche. Die Ju­gendsprecher der Regierungsparteien, Julian Fässler (ÖVP) und Nina Tomaselli (Grüne), präsentierten am Dienstag die Details. „Es ist uns eine Freude, den nächsten Fortschritt in Sachen Mobilität zu präsentieren“, kommentiert Tomaselli. „Wir sind stolz darauf, einen weiteren Punkt im Jugendkapitel des Koalitionsabkommens abgehakt zu haben“, fügt Fässler an. Mit der Fahrplanumstellung Mitte Dezember dieses Jahres werden an den Wochenenden und vor Feiertagen die Züge auch in der Nacht im Stundentakt fahren. Für die vier zusätzlichen Fahrten – zwei von Bregenz nach Bludenz, zwei in die andere Richtung – muss die Regierung im kommenden Budget 220.000 Euro einplanen.

Dass sich Ausgaben lohnen, zeigen die Verkaufszahlen der Jahreskarten: Fast 66.000 Tickets wurden in Vorarlberg im Vorjahr verkauft, davon rund 52.000 sogenannte maximo-Karten; also für das komplette öffentliche Verkehrsnetz im Land. Rund die Hälfte der Kartenbesitzer sind junge Menschen, rechnet Tomaselli vor. Und es sollen mehr werden, weshalb die Abgeordneten unter dem Titel „V-Mobilitätspackage“ weitere Maßnahmen schilderten, wie etwa günstige Tarife.

Schüler und Lehrlinge unter 20 Jahren zahlen 80 Euro, um ein Jahr lang Bus und Bahn fahren zu können. Studenten bis 26 bezahlen 192 Euro. Ein Führerscheinneuling darf zudem einmalig eine Jahreskarte um 96 Euro kaufen: „Junge Menschen fahren viel mit den Öffis. Wenn sie den Führerschein bekommen, ändert sich das. Diesem Trend wollen wir gegensteuern“, führt Tomaselli aus. Auch das Wlan in den Bussen wird ausgebaut, wie Fässler betont: „Bis Ende des Jahres wird es in allen Stadt- und Ortsbussen sowie in weiteren Landbussen kostenloses Internet geben.“ Eine gute Nachricht hat das Duo für alle Innsbrucker Studenten. Der Zwist um die Gültigkeit von Vorarlberger und Tiroler Jahrestickets sei endgültig beigelegt. Ab Juni gilt: Wer beide Tickets besitzt, kann ohne Probleme vom Ländle nach Innsbruck fahren.

Das Zielpublikum des neuen Partyzugs ist jedenfalls riesig. Rund 290.000 Vorarlberger leben im Rheintal und im Walgau. Fässler und Tomaselli bezeichnen die Strecke deshalb als Hauptschlagader. Nun gelte es, die Nachtverbindung in den Talschaften zu verbessern. Läuft alles nach Plan, wird der Landtag im Juni den Nacht- oder Partyzug beschließen. Ab Mitte Dezember gehören Sätze wie „Wir müssen uns beeilen, der letzte Zug fährt gleich“ damit zumindest am Wochenende endgültig der Vergangenheit an.