Ein besonderer Lehrling

12.04.2017 • 16:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit den Maschinen in der großen Werkshalle ist Stefan Eisele bestens vertraut. Foto: VN/Paulitsch
Mit den Maschinen in der großen Werkshalle ist Stefan Eisele bestens vertraut. Foto: VN/Paulitsch

Stefan Eisele schließt als erster Autist in Vorarlberg eine Lehre mit gutem Erfolg ab.

Lustenau. (VN-jen) Konzentriert beugt sich Stefan Eisele über den Bauplan. Fünf Minuten braucht er, dann legt er die detailreiche Zeichnung weg. Er braucht sie nicht mehr, denn er hat sie verinnerlicht. Eisele ist Autist und hat besondere Fähigkeiten. Das Maschinenbauunternehmen Witzemann+Fritz gab dem geborenen Lustenauer trotz anfänglicher Bedenken die Chance, eine Lehre als Zerspanungstechniker zu absolvieren. Nach dreieinhalb Jahren schließt der 18-Jährige die Ausbildung nun mit gutem Erfolg ab.

„Ich war nervös“

An seinen ersten Tag im Unternehmen kann sich Eisele noch gut erinnern: „Ich weiß noch, dass ich sehr nervös war.“ Auch die Geschäftsleitung und die Lehrlingsausbilder waren gespannt auf den Lehrling mit Autismus. „Wir wussten schließlich nicht, was auf uns zukommt“, sagt Betriebsleiter Andreas Rudigier. Während einer Schnupper- und einer Projektwoche erkannten sie jedoch das Potenzial des Autisten.

Eiseles schnelle Auffassungsgabe beeindruckte seine Ausbilder schon in den ersten Tagen. „Ich zeigte ihm, wie wir Maschinen programmieren, die Konturen ausstanzen. Nach einmaligem Zeigen hat mir Stefan die Zeichnung aus der Hand genommen und gesagt, er glaube, er könne das auch selbst“, erzählt Rudigier. „Er lernt mehr als doppelt so schnell wie andere Lehrlinge.“ Auch in der Berufsschule holte Eisele nur Bestnoten. „Wenn ich mich für etwas interessiere, lerne ich sehr leicht“, begründet der junge Mann die vielen Einser.

Klare Kommunikation

Die einzige Herausforderung während der Lehre war die Kommunikation zwischen Eisele und seinen Arbeitskollegen. Da Autisten keine Gestik oder Mimik erkennen und auswerten können, versteht er nur klare Anweisungen. „Ihm etwas durch die Blume zu sagen, bringt nichts“, erklärt Rudigier. „Wenn wir ihm etwas aber klar und deutlich erklären, vergisst er es nie wieder.“ Programmiersprachen sind für den 18-Jährigen ebenso kein Problem: Eisele hat sogar schon seine eigene Suchmaschine programmiert.

Normalerweise meiden Autisten jegliche Art der Abwechslung. Stefan Eisele ist da aber eine Ausnahme. „Am Anfang riet man uns, ihn monotone Arbeiten erledigen zu lassen. Da wurde ihm aber schnell langweilig“, berichtet Rudigier. Jetzt arbeitet er als Zerspanungstechniker in der Dreherei, wo jeden Tag neue Herausforderungen auf ihn warten. Stefan gefällt das: „Ein bisschen Abwechslung ist immer gut.“

Wenn mich etwas interessiert, lerne ich sehr schnell.

Stefan Eisele

Zur Person

Stefan Eisele

schloss die Lehre mit Erfolg ab.

Geboren: 8. Juni 1998 in Lustenau

Ausbildung: Lehre als Zerspanungstechniker

Familie: ein älterer Bruder

Hobbys: Tischtennis, Musik, Programmieren