Ihr Handeln geschieht zum Wohlergehen der Kinder

12.04.2017 • 19:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Primaria Edda Haberlandt, Lisa Metzler und Karin Frischeis-Bischofberger (v.l.) arbeiten in der Kinderschutzgruppe zusammen. Foto: VN/HB
Primaria Edda Haberlandt, Lisa Metzler und Karin Frischeis-Bischofberger (v.l.) arbeiten in der Kinderschutzgruppe zusammen. Foto: VN/HB

Ärzteteam am Krankenhaus Dornbirn kümmert sich um Kinderschutz und Fälle von sexuellem Missbrauch.

Dornbirn. (VN-jun) Blaue Flecken oder ein Knochenbruch können mehreres bedeuten: Das Kind spielt gerne wild, oder es wird geschlagen. Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das bewegt. An den Vorarlberger Krankenhäusern stehen für Betroffene eigene Kinderschutzgruppen bereit. Auch in Dornbirn kümmert sich ein Ärzteteam um Kinder, die vernachlässigt oder misshandelt wurden. Zusätzlich besteht dort eine spezielle Missbrauchsambulanz für Mädchen und Frauen. „Frauenärztinnen untersuchen rund um die Uhr Opfer von sexuellen Missbrauchsfällen“, erklärt die Leiterin der Missbrauchsambulanz, Karin Frischeis-Bischofberger, im Gespräch mit den VN. „Sind die Betroffenen minderjährig, arbeiten wir mit den Kollegen der Kinderschutzgruppe zusammen.“

Vertrauensbasis schaffen

Dabei ist jeder Fall eine Gratwanderung, die Feingefühl und Sorgfalt erfordert. Bei körperlicher Misshandlung, wie Verbrennungen, Verbrühungen und Knochenbrüchen, ist das Spektrum der Verletzungen groß, das Leid der Betroffenen aber noch größer. Deshalb nimmt sich das Ärzteteam viel Zeit für die kleinen Patienten. „Wir versuchen eine angenehme Situation zu schaffen, in der sich das Kind uns gegenüber öffnet“, sagt Primaria Edda Haberlandt, Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde. „Diese Vertrauensbasis zu schaffen, ist eine große Herausforderung.“ Vor allem, wenn der Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht, hat das Ärzteteam eine große Verantwortung. „Die Eltern der Kinder kommen mit hohen Erwartungen zu uns und wollen Gewissheit haben. Allerdings können wir nicht immer Klarheit in den Fall bringen“, weiß Frischeis-Bischofberger. „Dennoch kann die Untersuchung entlastend und beruhigend auf die Kinder wirken und helfen, das Vorgefallene zu verarbeiten.“

Die Ärzte stellen keine Diagnose, sondern dokumentieren die klinischen Fakten. Denn der Vorwurf, es könnte eine Kindeswohlgefährdung vorliegen, ist ein erheblicher. „Wir fällen kein Urteil, treffen nicht die Entscheidung. Die Befunde werden an die Jugendhilfe weitergeleitet“, erklärt Haberlandt. Deshalb ist eine institutionsübergreifende Zusammenarbeit mit Sozialdiensten, Jugendämtern, Polizei und Justiz sehr wichtig.

Die Fälle bringen auch Ärzte mit jahrelanger Erfahrung an die Grenzen des Erträglichen, sagt Haberlandt: „Auch wenn es betroffen macht, engagiere ich mich gerne in der Kinderschutzgruppe. Damit tue ich etwas Gutes.“