Eigenständig leben und doch betreut

13.04.2017 • 17:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Sozialpädagogin Jacqueline Oberauer leitet das betreute Außenwohnen für UMF des SOS Kinderdorfs in Vorarlberg.  Foto: SOS Kinderdorf
Die Sozialpädagogin Jacqueline Oberauer leitet das betreute Außenwohnen für UMF des SOS Kinderdorfs in Vorarlberg. Foto: SOS Kinderdorf

Seit einem Jahr nimmt SOS Kinderdorf junge Flüchtlinge im betreuten Außenwohnen auf.

dornbirn. (VN-hrj) Selbstständig wohnen und trotzdem Unterstützung bekommen, wenn Probleme auftauchen, stellt eine ideale Lebensform für Jugendliche dar. Diese Lebensform wird im SOS Kinderdorf in Vorarlberg im Rahmen des betreuten Außenwohnens praktiziert. Dabei wohnen die jungen Leute in angemieteten Wohnungen und werden von geschulten Betreuern auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet.

Die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 veranlasste das SOS Kinderdorf in Vorarlberg dazu, Überlegungen anzustellen, wie man zur Linderung des Leids der Flüchtlinge beitragen könnte. So wurde im Februar 2016 in Vorarlberg das Programm betreutes Außenwohnen für UMF – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – ins Leben gerufen. „Seit März dieses Jahres sind nun alle vom Land bewilligten 16 Plätze besetzt“, berichtet Jacqueline Oberauer. Die 32-jährige Sozial- und Integrationspädagogin ist pädagogische Leiterin des betreuten Außenwohnens.

Viel Erfahrung gesammelt

Die sympathische Montafonerin hat, bevor sie zur Organisation SOS Kinderdorf fand, in verschiedenen Bildungsbereichen und Jobs Erfahrung gesammelt. Unter anderem absolvierte sie eine Lehre zur Friseurin und arbeitete als Lageristin und Staplerfahrerin. Zwischendurch schaffte sie die Berufsreifeprüfung, um anschließend Sozial- und Integrationspädagogik zu studieren. Seit November 2016 ist sie beim SOS Kinderdorf in Vorarlberg angestellt.

Als pädagogische Leiterin des betreuten Außenwohnens trägt Oberauer die Verantwortung für sechs Mitarbeiter – ein Mann, fünf Frauen – sowie 25 Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren. Etwa die Hälfte davon sind UMF. „Die Jugendlichen leben eigenständig – meistens zu zweit – in Wohnungen und werden von Sozialpädagogen unterstützt“, erklärt sie. Zur Betreuung zählt das Behandeln wichtiger Themen wie etwa Schule, Ausbildung, Finanzen. Oberauer berührt besonders „der starke Integrationswille der von uns betreuten jungen Flüchtlinge. Sie haben Biss und strengen sich enorm an, obwohl die meisten von ihnen psychisch schwer belastet hier angekommen sind.“ Problematisch sei, dass einige von ihnen sofort ins Arbeitsleben einsteigen könnten, weil sie den Hauptschulabschluss oder eine Lehre gemacht haben, räumt Oberauer ein. „Sie können aber keinen Job annehmen, weil sie noch nicht anerkannte Flüchtlinge sind oder noch nicht unter subsidiären Schutz stehen.“ Damit hängen diese jungen Menschen, die vor den bewaffneten Konflikten in ihren Herkunftsländern geflohen sind, in der Warteschleife. „Nicht zu wissen, was auf sie zukommt, ist sehr belastend für sie“, weiß Oberauer.

Bilanz nach einem Jahr

Beim Bilanzziehen über das erste Jahr, nachdem das betreute Außenwohnen für UMF gestartet wurde, ist Oberauer zufrieden: „Es läuft sehr gut, sowohl mit den Jugendlichen als auch mit dem Team. Die Mitarbeiter leisten hervorragende Arbeit“, lobt sie. Auch die Zusammenarbeit mit der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe der Bezirkshauptmannschaft sowie die Kooperation mit den anderen Trägern funktioniere gut. Wohl deshalb, weil Oberauer selbst großen Wert auf die stetige Verbesserung der Kommunikation untereinander legt: „Respektvolle gegenseitige Begegnung ist unerlässlich.“