Vermisstenmeldung für Hitler

Vorarlberg / 13.04.2017 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der am Landesgericht Feldkirch Verurteilte stand auch der rechtsradikalen „Blood & Honour“-Gruppierung nahe. fOTO: VN/Steurer
Der am Landesgericht Feldkirch Verurteilte stand auch der rechtsradikalen „Blood & Honour“-Gruppierung nahe. fOTO: VN/Steurer

24-Jähriger wegen Nazi-Wiederbetätigung zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Christiane Eckert

Feldkirch. Ein Bild des „Führers“, dazu die Worte: „Vermisst seit 1945 – Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich! Das deutsche Volk“. Dies postete der siebenfach Vorbestrafte auf Facebook. Ansonsten eine Menge Runenzeichen, Hakenkreuze, Blood And Honour-Utensilien. Und auch die Tätowierungen auf dem Körper des Mannes sprechen eine eindeutige Sprache. So zum Beispiel der Reichsadler mit der Zahl „88“ auf der linken Brust. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass die Zahl jeweils den 8. Buchstaben – also „H“ bedeutet und somit „HH“ für Heil Hitler steht. Vier Jahre lang machte der Mann kein Hehl daraus, welcher Gesinnung er angehört.

Posing auf Baustellen

Der gelernte Maurer posierte sogar mit freiem Oberkörper stolz an seinem Arbeitsplatz, sprich, auf diversen Baustellen. Bei einer Hausdursuchung fand man Shirts und einschlägige Musik. Alles „Glorifizierung des Nationalsozialismus“ sagt das Verbotsgesetz und sieht dafür einen Strafrahmen bis zu zehn Jahren vor.

Zuständig ist das Schwurgericht. „Auch dem Verfassungsschutz ist der Angeklagte bekannt“, so Staatsanwalt Philipp Höfle. In seiner Einvernahme tat der Mann sein Benehmen als „Scherz“ und als „nicht ernst gemeint“ ab. Im Prozess beteuerte er am Donnerstag eine „Umkehr“. Neben der Wiederbetätigung geht es noch um zwei Faustschläge gegen ein 25-jähriges Opfer auf einem Lauteracher Fest.

„Die zwei Schläge kamen wie aus dem Nichts“, erinnert sich ein Zeuge. Anschließend drohte der Schläger dem Verletzten, er werde ihn umbringen, falls er die Polizei einschalten sollte. Für nationalsozialistische Wiederbetätigung, Körperverletzung und versuchte Nötigung wird der Mann zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Dazu kommen vier Monate, die er aus einer früheren Verurteilung absitzen muss. Künftig würde alles anders, beteuerte der Mann vor der Urteilsberatung. Er sei Vater geworden, habe sich von allem distanziert. Der Verletzte bekommt 500 Euro Schmerzengeld. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.