Der Tod hat nicht das letzte Wort

14.04.2017 • 16:05 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Die serbisch-orthodoxe Kathedrale der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica ist der Auferstehung gewidmet.  Foto: Thomas Matt
Die serbisch-orthodoxe Kathedrale der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica ist der Auferstehung gewidmet. Foto: Thomas Matt

Das Osterfest macht Christen die Hoffnung auf ein Danach bewusst.

Schwarzach. ™ Es fehlen die Zeugen. Niemand hat die Auferstehung gesehen. Die Kreuzigung, ja. Den Tod, ja. Aber niemand sah die Auferstehung. Es gibt nicht einmal die üblichen Verdächtigen, die sich wichtig machen. Die bei einem derart epochalen Ereignis doch zumindest in der Nähe gewesen sein wollen. Es gibt und gab sie immer. Bei jedem Schiffsunglück („Mensch, vor drei Monaten dieselbe Route befahren“), bei jedem Flugzeugabsturz („… saß auch schon mal in so einer Kiste …“), warum nicht erst recht bei einer Auferstehung? Aber sie fehlen. Die vier Evangelien erzählen von Jesu Tod am Kreuz und später dann davon, dass der Gekreuzigte erschienen ist. Lebendig erschienen. Aber wie es dazu kam, weiß niemand.

Dabei ist die Auferstehung vom Tod in ein neues, ewiges Leben die eigentliche Geburtsstunde des Christentums. Umso hartnäckiger mühen sich Experten seit Jahrhunderten, das Geschehen der Auferstehung zu ergründen. Allein, nur der Auferstehungsglaube ist ein historisch gesichertes Faktum. Allerdings ein ungemein wirkmächtiges: „Dass es das Christentum überhaupt gibt, ist sein größtes Wunder“, schreibt der Münchner Theologe und Autor Jörg Lauster in seiner „Kulturgeschichte des Christentums“. In nur zwei Generationen wird aus der Jesusbewegung eine Kirche mit Strukturen. Nach drei Jahrhunderten ist das Christentum Weltreligion.

These vom Scheintod

Dabei hat es an Kritik und Zweifel nie gefehlt. Schon der Evangelist Markus kannte das Argument der Kritiker, die Jünger könnten den Leichnam ihres Anführers einfach gestohlen haben, um dann zu behaupten, er sei auferstanden. Andere behaupteten, er sei ohnmächtig vom Kreuz geborgen und gesund gepflegt worden. Die These vom Scheintod hält sich bis heute.

Die Muslime, die den Sohn der Maria als wichtigen Propheten schätzen, lehnen schon die Kreuzigung ab. Es darf nur einen Gott geben, und der fällt niemals dem Tod anheim. Während die Bibel also den Gemarterten mit Dornenkrone und durchbohrten Füßen sterben lässt, heißt es in der Sure 4 des Koran: Den Juden „kam es nur so vor“, als hätten sie den Herrn getötet. Sure 3 erwähnt kryptisch, dass Gott kurz vor dem Ärgsten seinen Gesandten „hinwegnehmen“ und zu sich „erhöhen“ werde.

Dafür erzählen die vier Evangelien umso eindrucksvoller von den ersten Begegnungen mit dem Auferstandenen. Die Texte sind widersprüchlich, aber in ihren Grundzügen stimmen sie überein. Die Frauen suchen am Ostermorgen das Grab auf, aber das Grab ist leer. Dann erscheint Jesus erst Einzelnen und schließlich der ganzen Jüngergemeinschaft.

Er bricht das Brot

Die vielleicht schönste Erzählung wird in den Kirchen am Ostermontag verlesen. Sie berichtet von zwei Jüngern Jesu, die sich auf dem Weg nach Emmaus befinden. Unterwegs gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Er muss neu sein in der Gegend. Hat die Geschichte des gekreuzigten Propheten noch gar nicht gehört. Und noch seltsamer: In den Stunden der Wanderschaft legt er den beiden Weggefährten die alten hebräischen Schriften aus und erklärt verständlich all die Hintergründe des Unbegreiflichen. Aber erst als sie miteinander zu Abend essen und er das Brot in Stücke bricht und ihnen zu essen gibt, erkennen sie in diesem Fremden den auferstandenen Jesus von Nazareth. Sie hatten ihn mit einem Satz von dichterischer Schönheit zum Bleiben aufgefordert: „Herr, bleibe bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt.“

Der Glaube an den Auferstandenen hat unzählige Menschen seither diesen Satz in persönlicher, existenzieller Not wiederholen lassen.

Die Gottesdienste zu Ostern werden – wie hier in Frastanz – besonders feierlich gestaltet.  Foto: Josef Entner
Die Gottesdienste zu Ostern werden – wie hier in Frastanz – besonders feierlich gestaltet. Foto: Josef Entner

Evangelien

Osternacht

Aus dem Evangelium nach Matthäus – Mt 28,1-10.

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.

Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.

Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.

Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße.

Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.

Ostersonntag

Aus dem Evangelium nach Johannes – Jn 20,1-9.

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;

sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.

Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen

und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.