Große Kammer

14.04.2017 • 16:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Luxemburg: klein, aber oho. Mächtig wuchern monströse Bauten hervor aus dem Zwergstaat.

Am allermächtigsten im Umfeld des Europäischen Gerichtshofs.

Klein ist hier gar nichts. Schon gar nicht der große Saal der Großen Kammer. Wenn die Richter in ihren roten Roben durch ein Tor, das einem Eisernen Vorhang gleicht, schweigend einziehen, erhebt sich das Auditorium. Ergriffenheit kommt auf.

Nicht ergriffen, sondern empört ist eine blonde Dame mittleren Alters. Sie trägt einen Frack. Keine Hosen, aber einen Rock. Ist sie eine Art Protokollchefin? Oder mehr oder weniger?

Jedenfalls gibt sie Handzeichen, weil reden nicht mehr geht. Denn die Sitzung ist schon eröffnet. Ihre wütenden Blicke sagen mir: Fotografieren war nicht erlaubt an diesem Ort.

Äußerst knapp werden Urteile verlesen. Dann wird die österreichische Sache juristisch seziert, eine Stunde lang. Der Auszug der Richter erfolgt abrupt und schweigend. Man erhebt sich. Der Eiserne Vorhang geht wieder zu. Alles ist offen.

Die blonde Dame im Frack tritt, immer noch außer sich, auf mich zu und erklärt knapp, während sie schon auf den Absätzen kehrt macht: „You are not allowed to take pictures there!“

Null Chance, Einspruch zu erheben, die mir vom Pressebüro gegebene Erlaubnis vorzubringen, dass ich bis zum Beginn der Verhandlung fotografieren darf, auch den Einzug des Hohen Gerichts.

Die Wächterin im Frack ist verschwunden, ohne dass ich weiß, was passieren wird mit den Richtern in meinem Smartphone. Werden sie gelöscht? Wo kann ich allenfalls Einspruch erheben? Vielleicht gleich direkt beim EuGH, da ich schon einmal da bin?

Klein ist hier gar nichts. Schon gar nicht der große Saal der Großen Kammer.

franz.muhr@russmedia.at
Franz Muhr ist pensionierter Redakteur der Vorarlberger Nachrichten.