Mit Willen in eine bessere Zukunft

14.04.2017 • 16:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ursula Hürlimann und Mohammad verstehen sich gut. Das ist Voraussetzung für eine erfolgversprechende Betreuung. Foto: vn/mm
Ursula Hürlimann und Mohammad verstehen sich gut. Das ist Voraussetzung für eine erfolgversprechende Betreuung. Foto: vn/mm

Drei junge Flüchtlinge aus Afghanistan auf gutem Weg in die Selbstständigkeit.

feldkirch. (VN-mm) „A bizzle“ Dialekt spricht er schon. Auch sperrigere Begriffe wie „Gadoladolällar“ kommen Sayid (17) relativ flüssig über die Lippen. „Das habe ich in der Schule gelernt“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Mohammad (17) und Ahmat (18) tun sich mit derlei speziellen Ausdrücken noch schwer. Dafür beherrschen sie die deutsche Sprache gut. Und darauf kommt es letztlich an. Vor zwei Jahren sind die drei Jugendlichen nach einer abenteuerlichen Flucht in Vorarlberg angekommen. Es war nicht ihre erste. Zuerst flohen sie mit ihren Familien vor den Taliban aus Afghanistan in den Iran. Aber auch dort waren die Burschen plötzlich nicht mehr sicher. Entweder Abschiebung nach Hause oder in den Syrienkrieg: Sayid, Mohammad und Ahmat wählten den beschwerlichen Weg in eine bessere Zukunft. Hier konnten sie den Grundstein dafür legen.

Gemeinsam gewachsen

Rund 200 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) leben in Vorarlberg. Ihre Betreuung erfolgt durch verschiedene Einrichtungen, wie etwa das Institut für Sozialdienste (IfS). Ahmat zog als Erster in die ambulant betreute Wohngemeinschaft. „Gemeinsam sind wir an der neuen Situation gewachsen“, sagt die Leiterin des Fachbereichs, Andrea Bachmayr-Heyda. Dann folgten Mohammad und Sayid. Zuvor waren sie einige Monate in einer Wohngemeinschaft der Caritas untergebracht, dann zogen sie aus der Großunterkunft in die kleinere IfS-Wohngemeinschaft. Sayid und Mohammad leben immer noch dort, Ahmat ist inzwischen ausgezogen. Er fand im Kolpinghaus in Dornbirn eine kleine Wohnung, die er mit seinem Lehrlingsgehalt finanzieren kann. „Ahmat hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht“, erzählt sein Betreuer, Daniel Tagwercher. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viel möglich ist“, räumt der Sozialarbeiter noch ein. Doch Ahmat wollte bleiben, wollte Maurer werden. Ahmat ist schüchtern, aber er kann anpacken. Das merkten auch die Verantwortlichen von Dobler Bau, wo Ahmat ein Praktikum absolvierte. Heute reißen sich die Poliere um den motivierten Lehrling. Mohammad beginnt demnächst im Autohaus Strolz eine Lehre als Karosserietechniker. Er freut sich darauf, hat jedoch größere Pläne. Nach der Lehre möchte er die Matura machen und Politikwissenschaften studieren. Um Politiker zu werden und die Welt ein bisschen gerechter zu machen.

Sayid wird im Herbst mit einer Lehre als Maschinenbautechniker starten. Alle möchten sie unabhängig werden. „Es ist ein gutes Gefühl, kein Geld mehr vom Staat zu brauchen.“ Ahmat sagt es mit einem zufriedenen Lächeln. Die Betreuer zeigen sich beeindruckt vom Durchhaltevermögen der jungen Leute. „In diesem Alter und mit dieser Geschichte solche Stärke zu zeigen, ist vorbildhaft“, lobt Ursula Hürlimann, die Sayid und Mohammad begleitet. „Es macht stolz und bestätigt, dass es die Mühe wert ist“, ergänzt Daniel Tagwercher. Andrea Bachmayr-Heyda würde ihnen mehr persönliche Kontakte mit Einheimischen wünschen. Damit ließe sich viel Misstrauen abbauen, ist sie überzeugt.

Im persönlichen Kontakt lässt sich viel Misstrauen abbauen.

Andrea Bachmayr-Heyda