Auf ihre Stärken bauen

17.04.2017 • 17:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Donnerstag, 20. April, um 19 Uhr hält Johannes Staudinger im J.J. Ender-Saal in Mäder einen öffentlichen Vortrag. Foto: vn/mm
Am Donnerstag, 20. April, um 19 Uhr hält Johannes Staudinger im
J.J. Ender-Saal in Mäder einen öffentlichen Vortrag. Foto: vn/mm

Psychotherapeut Johannes Staudinger begleitet den heurigen Trialog der Lebenshilfe.

feldkirch. (VN-mm) Vielleicht ein Foto am Schreibtisch? „Nein!“, sagt Johannes Staudinger entschieden, das ist nicht meine Arbeit. „Die spielt sich vielmehr im Gespräch oder am Flipchart ab, wenn es zwischenmenschliche Verbindungen und daraus resultierende Probleme anschaulich zu erklären gilt. Eine verständliche Darstellung ist in seiner Tätigkeit deshalb wichtig, weil sich der Psychotherapeut mit Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen beschäftigt. „Eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, ist meist nicht schwer“, erklärt Staudinger. Die wirkliche Herausforderung bestehe darin, das Gesagte in ihre Sprache zu übersetzen, „es sichtbar, spürbar und greifbar zu machen“. Dann kann eine Verankerung stattfinden. 

Eigene Bedürfnisse leben

Johannes Staudinger begleitet auch den diesjährigen Trialog der Lebenshilfe Vorarlberg. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Aspekte, die die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen beeinflussen, und was alle dazu beitragen können, dass sie ihrem Alter entsprechend leben können. „Der Trialog ist eine Plattform, um auch aufzuzeigen, was Eltern von Töchtern und Söhnen mit Behinderungen leisten“, ergänzt Johannes Staudinger. Aufgrund der großen Fürsorge würden die Bedürfnisse als Paar und als Mann und Frau jedoch oft zu kurz kommen.

Deshalb brauche es gesellschaftliche, rechtliche und politische Maßnahmen sowie Veränderungen und Unterstützung. Denn: „Wenn die Lebensbedürfnisse gelebt werden, hat das positive Auswirkungen auch auf die Lebensqualität der Kinder.“ Für diese wünscht sich der Familientherapeut endlich eine sozialrechtliche Absicherung durch ein eigenes Einkommen. Die lebenslange finanzielle Abhängigkeit sei nämlich auch etwas, das Entwicklungen behindere.

Johannes Staudinger kam 1990 aus Oberösterreich nach Vorarlberg. Hier fand er die Möglichkeit, in der beruflichen und sozialen Rehabilitation von Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Seit 1997 macht er das in freier Praxis. „Anfangs bin ich von den Kollegen belächelt worden“, erzählt er. Ob er eine Nische besetzen möchte, wurde er gefragt. Das wollte Staudinger nicht. Aber er sah die Lücke im Angebot, und die wollte er schließen. Mittlerweile ist es sein Schwerpunkt geworden. Daneben ist er auch im neurologischen Bereich tätig sowie als Sexualtherapeut. Bei allem, was er tut, sieht er nicht die Behinderung des Menschen, sondern seine Stärken. Darauf baut er auf.

Eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, ist meist nicht schwer.

Johannes Staudinger

Zur Person

Johannes Staudinger

begleitet den Trialog der Lebenshilfe am 20. und 21. April. 

Geboren: 8. Mai 1962

Wohnort: Göfis

Familienstand: verheiratet, 4 Kinder

Beruf: Psychotherapeut 

Hobbys: Sport und Reisen