„Ich bin ein zufriedener Pensionist“

17.04.2017 • 17:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Widmer: „Ich bin ein Vorarlberg-Fan.“ Foto: Widmer
Widmer: „Ich bin ein Vorarlberg-Fan.“ Foto: Widmer

Stiftungsrat der Hans-Huber-Stiftung, Mitinitiator des Projekts „Klimaneutralität“.

Bregenz. (ee) „Ich bin nunmehr seit 15 Jahren in Pension und heute ein ausgeglichener, zufriedener Pensionist. Das war am Beginn meiner Pensionszeit leider nicht so. Denn diese war von der Krankheit und vom Tod meiner Frau Marlene überschattet. Das war für mich eine sehr bittere Zeit, weil wir viel auf die Pensionszeit hin geplant hatten.“

So im Gespräch mit den VN Komm.-Rat Bertl Widmer (79), der 2002 nach 44 Jahren bei der Firma Blum Beschläge in Höchst in Pension gegangen war. Er war 1958 als damals zwölfter Mitarbeiter in das Unternehmen eingetreten, bei seinem Pensionsantritt waren es rund 3500 Beschäftigte, und bis heute hat sich diese Zahl noch einmal verdoppelt. Widmer weiter: „Die Verleihung des Dr. Toni-Russ-Preises durch die Herausgeberfamilie und die Redakteure der VN im Jahre 2002 war für mich ein echter Lichtblick. Nicht, weil der Erfolg für ein Lebenswerk vergeben wurde, sondern wegen der positiven Auswirkung auf die Arbeitsplätze bei Blum und dessen Zulieferumfeld. Somit wurde dieser Preis für die Leistung aller mit mir beteiligten Mitarbeiter verliehen.“

Schönes soziales Umfeld

Wie Widmer weiter ausführt, lebt er heute in einem schönen sozialen Umfeld, hat ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Familie und zu seinen zahlreichen Freunden. Er genießt das kulturelle Umfeld von Bregenz und Umgebung und ist seit Beginn des Montagsforums vor 20 Jahren dort ein interessierter Zuhörer.

Im Jahr 2000 erfolgte die Berufung Widmers in den Aufsichtsrat der damaligen Neukonstellation der Illwerke/VKW als Stellvertreter des damaligen Vorsitzenden, Alt-Landeshauptmann Martin Purtscher, dem er in dieser Funktion von 2003 bis 2013 nachfolgte.

„Mein allgemeines Interesse am öffentlichen Leben, der Wirtschaft, der Politik sowie an sozialen und religiösen Themen ist nach wie vor groß und seit nunmehr 20 Jahren bin ich Stiftungsrat der Schweizer Hans-Huber- Stiftung, die sich mit viel Engagement grenzüberschreitend auch für Vorarlberg und Liechtenstein für die Förderung der dualen Ausbildung einsetzt“, fährt Widmer fort.

Die Stiftung verleiht jährlich neben anderen Aktivitäten für hervorragende Leistungen in der dualen Ausbildung den Hans-Huber-Preis. Der erste Preisträger war übrigens sein Freund, „Lehrlingspapst“ Egon Blum.

Zur Situation der dualen Ausbildung meint Bertl Widmer: „Die duale Ausbildung hat hier im Land einen sehr hohen Standard erreicht, weil rechtzeitig vor Jahrzehnten die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Ich sehe heute ebenso die Notwendigkeit, nicht nur das Erreichte fortzusetzen, sondern die richtigen Entscheidungen wiederum generationsübergreifend mit einem sehr langen strategischen Horizont zu treffen.“

Ökologisch engagiert

Nach wie vor ist Bertl Widmer ein ökologisch engagierter Mensch. In seiner Pensionszeit war er gemeinsam mit gleichgesinnten Freunden und der Unterstützung von Prof. Radermacher von der Universität Ulm Mitinitiator für das Projekt Klimaneutralität in Vorarlberg.

Bertl Widmer, der auch zahlreiche Funktionen in der Wirtschaftskammer Vorarlberg innehatte, ist laut Eigendefinition ein „Ländle-Fan und Frischluft- und Jahreszeitenmensch“, im Winter ein leidenschaftlicher Ski- und in den anderen Jahreszeiten Radfahrer und: „Ich rudere gerne, wenn ich Partner finde, denn ich liebe den See, ob in, um oder auf demselben.“

Die Bergwanderungen richten sich nach der Blumenblütenfolge, gelegentlich unternimmt Widmer auch Reisen, am liebsten verbunden mit Kultur und Bewegung.

Zahlreiche Kontakte gibt es noch zu seinen ehemaligen Wirkungsstätten Blum und Illwerke/VKW. „Ich freue mich über alle Einladungen und Informationen, die mir von dort zuteil werden. Ich hoffe, die Geschehnisse im Land noch lange verfolgen zu können und danke dem Herrgott für jeden Tag“, so Bertl Widmer abschließend.

Zur Person

Bertl Widmer

Geboren: 1937 in Doren, aufgewachsen in Hohenems

Werdegang: Volks- und Hauptschule, Lehre als Musterzeichner für Textildruck bei der Firma Otten; 1958: Eintritt bei der Firma Blum in Höchst, Aufstieg bis zum Geschäftsführer, zahlreiche Kammerfunktionen, Pensionsantritt im Mai 2002.

Familie: verwitwet, zwei Söhne, zwei Töchter, eine Enkelin

Ehrungen: Titel „Kommerzialrat“, Silbernes Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg, Auszeichnung der Wirtschaftskammer