Vorarlberger bilden sich fleißig weiter

17.04.2017 • 17:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Und zwar stärker als Frauen und Männer in den meisten anderen Bundesländern.

Schwarzach. (joh) Vorarlberger gelten im Allgemeinen als sehr fleißig, doch auch wenn es um Weiterbildung im Besonderen geht, sind sie „keine Muffel“, wie WIFI-Leiter Thomas Wachter bestätigt. Zahlen, die die Statistik Austria erhoben hat, untermauern dies: Im Bundesländervergleich werden die entsprechenden Angebote nur in Wien noch intensiver genutzt, sonst überall weniger. Laut Wachter gibt es allerdings mehrere Gründe dafür; also nicht nur den Fleiß.

Wer sich bildungsmäßig über Schul-, FH- und Uni-Zeit hinaus weiterentwickeln möchte oder muss, findet hierzulande zahlreiche Möglichkeiten dazu. Erwachsenenbildner wie BFI (Berufsförderungsinstitut der Arbeiterkammer), WIFI (Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer) und VHS (Volkshochschulen des Landes) bieten Hunderte Kurse an. Chinesisch reden lernen kann man demnach genauso wie schlagfertig sein oder Computer programmieren. Zumindest etwas aus dem reichhaltigen Angebot nehmen sehr viele Vorarlberger in Anspruch: Bei einer Erhebung, die die Statistik Austria im vergangenen Jahr durchgeführt hat, gaben immerhin 14,7 Prozent der 25- bis 64-Jährigen an, in den vier Wochen davor an einem Kurs oder einer Schulung teilgenommen zu haben. Das kann sich sehen lassen: In Wien waren es mit 19,6 Prozent zwar deutlich mehr, sonst jedoch überall weniger – von 14,6 Prozent in Tirol bis 10,8 Prozent im Burgenland.

Der vergleichsweise hohe Vorarlberger Wert ist auch insofern bemerkenswert, als es im Land einen relativ niedrigen Akademikeranteil gibt, Hochschulabsolventen aber diejenigen sind, die Weiterbildungsmöglichkeiten mit Abstand am stärksten in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass für den hiesigen Wert andere Umstände ausschlaggebend sein müssen.

WIFI-Chef Wachter nennt ein paar: Vorarlberg ist mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Diesem wird vor allem auch über die Erwachsenenbildung begegnet. Wobei die Politik ihren Beitrag leistet und eine Bildungsprämie eingeführt hat: „Leute, die einen Plan haben und etwas vorhaben, werden gefördert“, so Wachter.

25.000 VHS-Kursteilnehmer

Stefan Fischnaller, Obmann der Vorarlberger Volkshochschulen, die seinen Angaben zufolge in einem Spitzenjahr zuletzt allein rund 25.000 Kursteilnehmer hatten, sieht noch einen Unterschied zu anderen Bundesländern: „Bei uns läuft auch der zweite Bildungsweg sehr stark über die Erwachsenenbildner, in anderen Ländern machen das Schulen.“ Wer einen Pflichtschul- oder Lehrabschluss nachholt, tut das in Vorarlberg demnach etwa bei einer VHS.

Doch zurück zur Statistik: Auffallend ist im Übrigen ein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern, was den Besuch von Kursen und Schulungen betrifft. Ihn gibt es österreichweit, einmal ist er größer, einmal etwas kleiner. In Salzburg beträgt die Quote bei den Frauen 15,9 Prozent und bei den Männern nur 11,7 Prozent. In Vorarlberg beläuft sie sich dagegen bei Frauen auf 15,7 und bei Männern auf immerhin 13,7 Prozent. Das hat ganz offensichtlich auch etwas mit Interessen, Fähigkeiten und Neigungen zu tun: Bei Kursen zu „Gesundheit und Bewegung“ verzeichnen die Volkshochschulen beispielsweise einen Frauenanteil von 86,6 Prozent, während es beim zweiten Bildungsweg mit 51,2 Prozent einen Männerüberhang gibt.

WIFI-Kurs: Vorarlberger sind keine Weiterbildungsmuffel, weiß Institutsleiter Thomas Wachter.  M. Hagen
WIFI-Kurs: Vorarlberger sind keine Weiterbildungsmuffel, weiß Institutsleiter Thomas Wachter. M. Hagen