„Bauland muss auch bebaut werden“

18.04.2017 • 16:33 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Übergabe der Petition: (v.l.): Bgm. Angelika Schwarzmann, Bgm. Arnold Hirschbühl, Bgm. Rainer Siegele, LTP Harald Sonderegger, Bgm. Jürgen Kuster und Architekt Hermann Kaufmann.  Foto: VN/Paulitsch
Übergabe der Petition: (v.l.): Bgm. Angelika Schwarzmann, Bgm. Arnold Hirschbühl, Bgm. Rainer Siegele, LTP Harald Sonderegger, Bgm. Jürgen Kuster und Architekt Hermann Kaufmann. Foto: VN/Paulitsch

Überparteiliche Initiative macht Druck: Kapitale Fehler der Vergangenheit beheben.

Bregenz. In Vorarlberg gibt es gewidmetes Bauland in Hülle und Fülle. „Mehr als genug für die nächsten 50 Jahre“, glauben die Initiatoren einer Petition, die gestern Landtagspräsident Harald Sonderegger überreicht wurde. Mit ihren Forderungen, die schon im Vorfeld hohe Wellen geschlagen haben, soll Bauland aktiviert werden, die Preissteigerung für Grundstücke gestoppt und der Widmungsdruck am Siedlungsrand verringert werden.

Landesweit ist ein Drittel aller gewidmeten Flächen ungenutzt. Baulandreserven gibt es in allen 96 Gemeinden, wie Recherchen der VN zeigen (siehe Faktenbox unten). 3948 Hektar Boden könnten jederzeit bebaut werden. In einzelnen Gemeinden ist mehr gewidmetes Land unbebaut als bebaut. Der Architekt Roland Gnaiger, einer der Sprecher der Initiative „vau hoch drei“, macht dafür kapitale Fehler in der Vergangenheit verantwortlich. Vorarlbergs Raumplan ist gut 40 Jahre alt. Damals habe es dringenden Regelungsbedarf gegeben. Allerdings habe man bei den Widmungen mit unrealistischen Bevölkerungsprognosen gearbeitet, die jetzt wesentlich für den erheblichen Überhang an gewidmeten Grundstücken verantwortlich seien, erklärt Gnaiger.

Da es für die Widmungen keine zeitlichen Beschränkungen gab, wurden viele bis heute nicht bebaut. „Wir haben ausreichend Bauland. Nur kann es nicht gekauft werden und wir haben keine Handhabe“, ergänzt Arnold Hirschbühl, einer von knapp 30 Bürgermeistern, die die Initiative unterstützen.

Am politischen Willen, die Baulandhortung auch auf Landesebene zu bekämpfen, fehlt es nicht. Ein Entschließungsantrag des Landtags von 2013 zeugt davon. Nichts von dem, was damals parteiübergreifend entschieden worden sei, habe man aber bis heute umgesetzt, sagt Hirschbühl. Und wenn jetzt nichts passiere, ändere sich auch die nächsten 40 Jahre nichts. Dagegen setzt sich die Initiative zur Wehr.

Seit die VN am vergangenen Freitag erstmals über die Forderungen der Petition berichtet haben, sorgt sie für Kontroversen. So sollen Gemeinden Bauernland für Tauschzwecke kaufen können. Die Widmungsdauer für neues Bauland könnte auf drei Jahre beschränkt werden. Bestehendes Bauland soll nach 20 Jahren (frühestens 2037) ohne Entschädigung rückgewidmet werden, sofern es nicht einer Bebauung zugeführt wurde. Und es soll nach drei Jahren eine Infrastrukturabgabe von zwei Prozent eingehoben und einem landesweiten Bodenfonds zugeführt werden. Mittel, die die Gemeinden für eine aktive Bodenpolitik bräuchten.

Widerstand gegen Abgabe

Während die meisten Punkte des Forderungskatalogs politisch gute Chancen auf Zustimmung haben, formiert sich gegen die geplante Abgabe allerdings Widerstand. Landeshauptmann Markus Wallner und der für Raumplanung zuständige Landesrat Karl-Heinz Rüdisser zweifeln an einem entsprechenden Steuerungseffekt. Auch Wirtschaftskammer und Industrie lehnen eine solche Steuer ab.

Die Initiatoren sind von der negativen Haltung überrascht, zeigen wenig Verständnis dafür. Die Forderungen seien im Vergleich zu Nachbarländern und den enormen Preissteigerungen der Grundstücke moderat, sagt Architekt Hermann Kaufmann. Die Gemeinden bräuchten die Einnahmen, um handlungsfähig zu sein. Deshalb beharre man auf einer entsprechenden Abgabe.

Bauflächenreserven in Vorarlberg: Gewidmetes aber ungenutztes Bauland in den 96 Gemeinden

Alberschwende

gewidmet 97,9 ha

ungenutzt (37,8 %) 37,1 ha

Altach

gewidmet 217,0 ha

ungenutzt (30,6 %) 66,5 ha

Andelsbuch

gewidmet 61,9 ha

ungenutzt (28,8 %) 17,8 ha

Au

gewidmet 72,1 ha

ungenutzt (31,3 %) 22,5 ha

Bartholomäberg

gewidmet 77,0 ha

ungenutzt (42,5 %) 32,7 ha

Bezau

gewidmet 66,2 ha

ungenutzt (27,0 %) 17,9 ha

Bildstein

gewidmet 20,0 ha

ungenutzt (32,9 %) 6,6 ha

Bizau

gewidmet 28,7 ha

ungenutzt (31,9 %) 9,2 ha

Blons

gewidmet 6,5 ha

ungenutzt (33,9 %) 2,2 ha

Bludenz

gewidmet 339,9 ha

ungenutzt (30,6 %) 104,1 ha

Bludesch

gewidmet 77,2 ha

ungenutzt (34,3 %) 26,5 ha

Brand

gewidmet 35,9 ha

ungenutzt (38,8 %) 13,9 ha

Bregenz

gewidmet 355,3 ha

ungenutzt (19,0 %) 67,5 ha

Buch

gewidmet 15,8 ha

ungenutzt (28,6 %) 4,5 ha

Bürs

gewidmet 106,6 ha

ungenutzt (26,3 %) 28,0 ha

Bürserberg

gewidmet 48,6 ha

ungenutzt (57,4 %) 27,9 ha

Dalaas

gewidmet 54,4 ha

ungenutzt (33,7 %) 18,3 ha

Damüls

gewidmet 17,4 ha

ungenutzt (38,7 %) 6,7 ha

Doren

gewidmet 26,8 ha

ungenutzt (33,8 %) 9,1 ha

Dornbirn

gewidmet 1198,8 ha

ungenutzt (27,4 %) 328,0 ha

Düns

gewidmet 16,1 ha

ungenutzt (37,5 %) 6,0 ha

Dünserberg

gewidmet 5,2 ha

ungenutzt (62,8 %) 3,2 ha

Egg

gewidmet 123,0 ha

ungenutzt (29,7 %) 36,5 ha

Eichenberg

gewidmet 13,2 ha

ungenutzt (41,0 %) 5,4 ha

Feldkirch

gewidmet 904,5 ha

ungenutzt (33,2 %) 300,1 ha

Fontanella

gewidmet 12,6 ha

ungenutzt (28,4 %) 3,6 ha

Frastanz

gewidmet 243,3 ha

ungenutzt (31,4 %) 73,7 ha

Fraxern

gewidmet 24,7 ha

ungenutzt (39,1 %) 9,7 ha

Fussach

gewidmet 148,0 ha

ungenutzt (36,7 %) 54,3 ha

Gaissau

gewidmet 83,2 ha

ungenutzt (50,6 %) 42,1 ha

Gaschurn

gewidmet 78,6 ha

ungenutzt (36,7 %) 28,8 ha

Göfis

gewidmet 147,8 ha

ungenutzt (44,0 %) 65,1 ha

Götzis

gewidmet 339,4 ha

ungenutzt (32.4 %) 110,0 ha

Hard

gewidmet 395,0 ha

ungenutzt (31,7 %) 125,3 ha

Hittisau

gewidmet 50,2 ha

ungenutzt (31,0 %) 15,6 ha

Höchst

gewidmet 319,7 ha

ungenutzt (40,5 %) 129,4 ha

Hohenems

gewidmet 469,4 ha

ungenutzt (30,8 %) 144,3 ha

Hohenweiler

gewidmet 35,1 ha

ungenutzt (29,8 %) 10,5 ha

Hörbranz

gewidmet 175,2 ha

ungenutzt (23,2 %) 40,6 ha

Innerbraz

gewidmet 32,4 ha

ungenutzt (32,5 %) 10,6 ha

Kennelbach

gewidmet 46,3 ha

ungenutzt (23,7 %) 11,0 ha

Klaus

gewidmet 159,3 ha

ungenutzt (41,7 %) 66,4 ha

Klösterle

gewidmet 29,5 ha

ungenutzt (34,7 %) 10,2 ha

Koblach

gewidmet 216,8 ha

ungenutzt (44,2 %) 95,7 ha

Krumbach

gewidmet 32,9 ha

ungenutzt (41,1 %) 13,5 ha

Langen

gewidmet 47,2 ha

ungenutzt (35,8 %) 16,9 ha

Langenegg

gewidmet 35,8 ha

ungenutzt (39,9 %) 14,3 ha

Laterns

gewidmet 29,4 ha

ungenutzt (39,7 %) 11,7 ha

Lauterach

gewidmet 298,9 ha

ungenutzt (26,6 %) 79,4 ha

Lech

gewidmet 88,6 ha

ungenutzt (26,2 %) 23,2 ha

Lingenau

gewidmet 39,2 ha

ungenutzt (27,7 %) 10,9 ha

Lochau

gewidmet 142,1 ha

ungenutzt (35,9 %) 51,1 ha

Lorüns

gewidmet 19,7 ha

ungenutzt (44,1 %) 8,7 ha

Ludesch

gewidmet 114,2 ha

ungenutzt (35,9 %) 41,0 ha

Lustenau

gewidmet 653,8 ha

ungenutzt (32,4 %) 211,8 ha

Mäder

gewidmet 128,7 ha

ungenutzt (33,5 %) 43,1 ha

Meiningen

gewidmet 107,2 ha

ungenutzt (39,8 %) 42,6 ha

Mellau

gewidmet 52,6 ha

ungenutzt (36,3 %) 19,1 ha

Mittelberg

gewidmet 126,6 ha

ungenutzt (25,7 %) 32,5 ha

Möggers

gewidmet 27,9 ha

ungenutzt (63,4 %) 17,7 ha

Nenzing

gewidmet 247,3 ha

ungenutzt (28,7 %) 70,9 ha

Nüziders

gewidmet 198,0 ha

ungenutzt (31,6 %) 62,5 ha

Raggal

gewidmet 20,9 ha

ungenutzt (36,1 %) 7,5 ha

Rankweil

gewidmet 472,8 ha

ungenutzt (41,5 %) 196,2 ha

Reuthe

gewidmet 34,1 ha

ungenutzt (33,9 %) 11,6 ha

Riefensberg

gewidmet 26,6 ha

ungenutzt (32,3 %) 8,6 ha

Röns

gewidmet 14,4 ha

ungenutzt (41,0 %) 5,9 ha

Röthis

gewidmet 96,8 ha

ungenutzt (26,6 %) 25,8 ha

St. Anton

gewidmet 21,7 ha

ungenutzt (35,4 %) 7,7 ha

St. Gallenkirch

gewidmet 106,7 ha

ungenutzt (40,4 %) 43,1 ha

St. Gerold

gewidmet 7,9 ha

ungenutzt (40,9 %) 3,2 ha

Satteins

gewidmet 91,5 ha

ungenutzt (32,7 %) 29,9 ha

Schlins

gewidmet 94,2 ha

ungenutzt (34,8 %) 32,7 ha

Schnepfau

gewidmet 18,2 ha

ungenutzt (44,7 %) 8,1 ha

Schnifis

gewidmet 25,7 ha

ungenutzt (26,1 %) 6,7 ha

Schoppernau

gewidmet 42,4 ha

ungenutzt (38,0 %) 16,1 ha

Schröcken

gewidmet 10,9 ha

ungenutzt (46,1 %) 5,0 ha

Schruns

gewidmet 124,2 ha

ungenutzt (28,7 %) 35,7 ha

Schwarzach

gewidmet 146,4 ha

ungenutzt (33,9 %) 49,7 ha

Schwarzenberg

gewidmet 69,4 ha

ungenutzt (30,3 %) 21,1 ha

Sibratsgfäll

gewidmet 23,0 ha

ungenutzt (42,8 %) 9,8 ha

Silbertal

gewidmet 20,2 ha

ungenutzt (37,0 %) 7,5 ha

Sonntag

gewidmet 15,0 ha

ungenutzt (32,2 %) 4,8 ha

Stallehr

gewidmet 22,2 ha

ungenutzt (46,2 %) 10,3 ha

Sulz

gewidmet 101,0 ha

ungenutzt (39,4 %) 39,8 ha

Sulzberg

gewidmet 41,6 ha

ungenutzt (38,4 %) 15,9 ha

Thüringen

gewidmet 83,1 ha

ungenutzt (34,5 %) 28,7 ha

Thüringerberg

gewidmet 22,2 ha

ungenutzt (35,1 %) 7,8 ha

Tschagguns

gewidmet 83,9 ha

ungenutzt (38,0 %) 31,9 ha

Übersaxen

gewidmet 25,0 ha

ungenutzt (32,6 %) 8,1 ha

Vandans

gewidmet 110,9 ha

ungenutzt (34,9 %) 38,7 ha

Viktorsberg

gewidmet 13,5 ha

ungenutzt (35,8 %) 4,8 ha

Warth

gewidmet 10,4 ha

ungenutzt (41,8 %) 4,3 ha

Weiler

gewidmet 91,7 ha

ungenutzt (41,8 %) 38,4 ha

Wolfurt

gewidmet 315,2 ha

ungenutzt (38,1 %) 120,1 ha

Zwischenwasser

gewidmet 121,5 ha

ungenutzt (38,5 %) 46,8 ha

Petition.
PDF zum Download: http://VN.AT/su9RCS