Heimische Obstbauern fürchten eisige Polarluft

18.04.2017 • 16:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch die Blumen müssen sich dem Frost stellen. Es bleibt weiterhin bitterkalt.
Auch die Blumen müssen sich dem Frost stellen. Es bleibt weiterhin bitterkalt.

Angekündigte Frostnächte drohen Apfel-, Birnen- und Kirschenernte zu vernichten.

Schwarzach, Höchst, Fraxern.  Jens Blum (51), mit 13 Hektar Anbaufläche Vorarlbergs größter Vollerwerbsobstbauer, lacht fatalistisch. „Wenn das so kommt, wie im Wetterbericht angekündigt, droht ein Totalverlust der Ernte.“ Dass es „so“ kommt, ist leider wahrscheinlich. Als ob zwei Frostnächte von Dienstag auf Mittwoch sowie von Mittwoch auf Donnerstag nicht schon genug wären. „Den strengsten Frost wird es von Donnerstag auf Freitag geben. Mit Temperaturen von unter fünf Grad minus auch im Rheintal“, hat Meteorologe Christoph Zingerle (44) von der ZAMG in Innsbruck schlechte Nachrichten zu vermelden.

Ungewöhnliche Kälte

„Ein bisschen Frost geht ja noch, aber es darf nicht zu kalt werden“, weiß Blum. Das Problem des Höchster Obstbauern und seiner Kollgen: Im frühsommerlichen März schoss die Quecksilbersäule nach oben, die Blüten trieben aus. Viel zu früh. Denn nicht nur Landwirte wissen: Ein Frost im April kann jederzeit folgen. Dass er dann allerdings mit solch einer Wucht und über einen so langen Zeitraum kommt, ist außergewöhnlich.

Blum wird alles tun, die Katastrophe zu verhindern. Sogar die Hagelnetze wird er als Kälteschutz über möglichst viele seiner Bäume spannen. Sie bringen ein bis zwei Grad Wärme.

Alarmstufe Rot herrscht auch in Fraxern bei den Kirschenbauern. „Noch ist alles okay“, meldet Agnes Mittelberger (56) aus dem Kriasi-Dorf. Aber wenn es unter zwei, drei Grad minus geht, dann wird es gefährlich.“ Und es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unter minus drei Grad gehen. „Wir leben als Vollerwerbsbauern zu 50 Prozent von den Kirschen. Natürlich würde uns ein Ernteausfall treffen. Aber damit musst du rechnen, wenn du mit der Natur lebst.“

Vorteil Seenähe?

Auch der Bregenzer Winzer Josef Möth (42) zittert und baut andererseits auf den Vorteil der Seenähe. „Bei uns fällt der Frost meistens ein bisschen geringer aus. Ich hoffe einfach, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen. Nervenaufreibend sind solche Situationen allerdings sehr.“

Ruhig zu bleiben versucht der Obstbaureferent
der Landwirtschaftskammer, Ulrich Höfert (54). „Die Wetterberichte mit den Temperaturangaben stimmen nicht immer. Zumal es einige Faktoren gibt, die den Frost abschwächen könnten. Noch sind keine Schadensmeldungen bei uns eingelangt.“

Harald Rammel (48), Höferts Kollege vom Gemüsebau, rät den Hobbybauern des Landes, das bereits gepflanzte Gemüse in ihren Gärten zu schützen. „Gartenvlies um die Pflanzen zu wickeln, schützt vor der Kälte. Vieles ist bei den derzeitigen Temperaturen gefährdet. Dazu zählen Frühkartoffeln genauso wie Lauchgemüse, Broccoli oder Kohlrabi“, erklärt der Experte.

Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Josef Möth
Jens Blum überzieht seine Obstbäume mit dem Hagelnetz, um sie so vor der Kälte zu schützen Fotos: VN/Hofmeister
Jens Blum überzieht seine Obstbäume mit dem Hagelnetz, um sie so vor der Kälte zu schützen Fotos: VN/Hofmeister