Schluss mit den Aktenbergen

19.04.2017 • 20:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bis 2020 sollen EDV-Experten Österreichs Gerichte auf den neuesten Stand bringen.

Christiane Eckert

Feldkirch. „Justiz 3.0“ – Unter diesem Stichwort sollen Österreichs Gerichte modernisiert werden. Wie überall hält auch in der Justiz elektronische Datenverarbeitung vermehrt Einzug. Ein paar Jahre wird es noch dauern, bis alle Abteilungen entsprechend ausgestattet sind. Dann jedoch gehören dicke Aktenbände, volle Archivkeller und Schlepperei für Bedienstete der Vergangenheit an. Ein Knopfdruck und alles erscheint am Monitor. Begonnen hat man mit den Neuerungen im Arbeits- und Sozialgerichtsbereich, und seit 7. November 2016 ist das Landesgericht Feldkirch mit dabei. 30 Leute im Bundesrechenzentrum kümmern sich um die technischen Neuerungen, Schulungen und Hotline. Anfangs gibt es wie überall Kinderkrankheiten, doch das neue System scheint mittlerweile ganz gut zu funktionieren.

Versuch ist Wirklichkeit

Nach 14-tägigem Probebetrieb laufen die arbeits- und sozialgerichtlichen Verhandlungen nun bereits im Echtbetrieb. Richter Klaus Schurig, der mit dem neuen System bereits bestens vertraut ist, erläutert die Vorteile: „Der digitale Akt ist jederzeit elektronisch verfügbar, es entstehen keine Leerläufe, wenn Akten in die Kanzlei oder zu einem Sachverständigen geschickt werden.“

Paralleler Zugriff ist ortsunabhängig möglich. Zeitaufwendige Kopierarbeiten entfallen. Räumlichkeiten, in denen tonnenweise Aktenberge schlummern, werden frei. Dass dabei etwas verloren geht, ist höchst unwahrscheinlich, denn die Dokumente werden immer wieder abgespeichert. Abgesehen davon könnten auch Papierakten verloren gehen. Vor Hackern versuchen die EDV-Fachleute die Daten verständlicherweise nach neuestem Stand der Technik zu sichern. „Hier muss man den Experten einfach vertrauen“, erklärt Schurig. 460 Akten sind bereits digital angelegt, 35 Verhandlungen wurden mittels digitaler Akten geführt.

Gut durchdachtes System

Such-, Sortier- und Bearbeitungsfunktionen sollen die Arbeit bei komplexen Fällen erleichtern. Langes Blättern in dicken Aktenbänden entfällt, mit der Volltextsuche kann man beispielsweise alle Gutachtensergänzungen eines medizinischen Sachverständigen chronologisch aufrufen. Mit 61 Richterplanstellen ist man in Vorarlberg zufrieden, der Frauenanteil ist auf über 50 Prozent angestiegen. „Die Auslastung passt“, will Gerichtspräsident Heinz Bildstein nicht jammern.

Doch es fällt eine Menge an. 16.500 Zivilklagen wurden bei den Bezirksgerichten 2016 eingebracht, bei Rechtsmittelentscheidungen in Zivilsachen ist Feldkirch österreichweit am schnellsten.

Hier muss man den Experten einfach vertrauen.

Richter Klaus Schurig