Auf Vierzehn-Null-Eins Metern

20.04.2017 • 16:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kein Grillteller ohne Frittenverlust.
Kein Grillteller ohne Frittenverlust.

Im Alpengasthof Muttersberg in Nenzing fällt kaum etwas aus dem Rahmen.

Nüziders. Eigentlich sollte es ein gemütliches Mittagessen mit einer kleinen Wanderung am Muttersberg im Anschluss werden. Leider machte uns der Schnee am Ostermontag einen Strich durch die Rechnung und wir beließen es beim Mittagessen im Alpengasthof Muttersberg. Der Gasthof liegt in unmittelbarer Nähe zur Bergstation. Ein neuer, heller und luftiger Holzbau mit einer großen Sonnenterrasse. Umgeben von einem Kneippbecken, einem Teich und einem Spielplatz für die Kleinen. Für die Dreikäsehochs steht übrigens auch ein Indoor-Spielplatz zur Verfügung, der sogar mit einer Kletterwand aufwartet.

Im Innenbereich setzt sich das helle Holz in den zwei großen Gaststuben fort. Aufgelockert durch ein paar Schnitzereien, ansonsten aber eher schnörkellos. Ins Auge sticht indes die für einen Alpengasthof unübliche Bambuseinrichtung. Kulinarisch sind in vielen Ausflugsrestaurants keine Höhenflüge zu erwarten. Der Alpengasthof bildet keine Ausnahme. Auf der Karte findet der Gast die klassische Jausenauswahl (Wurstsalat, Lumpensalat, Frankfurter,
. . .)­ gefolgt von Gulaschsuppe, Tirolerknödel- oder Flädlesuppe. Bei den Hauptspeisen fällt neben Kässpätzle, Gulasch und dem in Vorarlberg omnipräsenten Grillteller nur ein Gemüsewok mit Reis aus dem Rahmen. Bei diesem Schmuddelwetter gibt es aber nichts Besseres als eine heiße Suppe. Deshalb fiel meine Wahl auf eine Rinderkraftbrühe mit Tirolerknödel (4,50 Euro). Meine Begleitung wollte es lieber knackig und bestellte einen gemischten Salat (4,50 Euro). Die Suppe war von guter Qualität, der Knödel auch. Beim Salat war die Sauce etwas zu dick und zu süß. Die Knödelsuppe zur Hälfte gegessen, standen auch schon die Hauptspeisen auf dem Tisch. Da war der aufmerksame und sehr nette Kellner dann doch etwas zu schnell. Berglerrösti mit Speck und Spiegelei (10,90 Euro) für meine Frau, Muttersberg Grillteller (15,50 Euro) für mich.

Die Rösti sah verdächtig nach einem Fertigprodukt aus und war auch nicht wirklich knusprig. Das Fleisch des Grilltellers gut und saftig, die Kräuterbutter sehr gut. Pommes waren es vor allem viele. So viele, dass es unmöglich war ein Stück Fleisch abzuschneiden ohne Frittenverlust an die Tischplatte. Zum Dessert wählten wir zwei Mehlspeisen, die in keinem Ausflugsrestaurant fehlen dürfen: Kaiserschmarrn mit Apfelmus (8,90 Euro) und Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne (5,70 Euro). Der Strudel war gut, der Kaiserschmarrn sah aus wie ein in Stücke gerissener Biskuit-Tortenboden und schmeckte auch so. Fazit: schönes Haus mit großer Terrasse und toller Aussicht. Dass bei der hohen Anzahl an Sitzplätzen nicht alles frisch gekocht werden kann, ist klar und auch nicht weiter schlimm. Es gibt aber Gerichte, die ich persönlich eher von der Karte streichen würde, als ein Fertigprodukt zu verwenden.

Michael Kersch­baumer
Michael
Kersch­baumer

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.

Alpengasthof Muttersberg,
Muttersberg 43a, Nüziders,
Tel. 0664 88312665