Unstillbarer Wissensdurst

20.04.2017 • 16:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer

Raphael Morscher hat im Beisein des Bundespräsidenten Van der Bellen promoviert.

Bludenz. (VN-jen) Konzentriert sitzt Raphael Morscher über einer Mappe mit Notizen. Auf den abgegriffenen Blättern sieht man biochemische Strukturen, einige davon sind mit gelbem Textmarker gekennzeichnet. Am linken Ringfinger trägt der 29-jährige Bludenzer einen Ehrenring des Staates Österreich, weil er es geschafft hat, seit der ersten Oberstufenklasse bis zum Erhalt seines zweiten Doktortitels durchgehend Bestnoten zu bekommen. Für die Verleihung des Doktortitels und die Übergabe des Ehrenrings reiste Bundespräsident Alexander Van der Bellen extra nach Salzburg.

Seltene Lernpausen

Schon während der Schulzeit investierte Raphael Morscher viel Zeit, um sich möglichst viel Wissen anzueignen. Dabei waren es nicht primär die Noten, die ihn zu solchen Leistungen trieben, sondern der ungeheure Wissensdurst, den ihm seine Eltern vorlebten. „Ich profitiere noch heute davon, dass sie mich dazu ermutigt haben, alles kritisch zu hinterfragen“, erzählt Morscher. Die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie und Physik waren es schließlich, die seine Leidenschaft für die Medizin weckten.

Mit 19 Jahren begann er, an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg zu studieren. Da das Studium dort auf eine Dauer von nur fünf Jahren ausgelegt ist, ist das Lerntempo wesentlich schneller, Pausen gibt es nur wenige. „Normalerweise dauert ein Medizinstudium sechs oder sieben Jahre. Das in fünf Jahren zu absolvieren, war herausfordernd für mich“, erinnert sich Morscher. Für seine medizinische Diplomarbeit arbeitete er in einem Kinderspital in Zürich. Sein naturwissenschaftliches Doktorat der molekularen Medizin brachte ihn in das Universitätskinderklinikum in Salzburg. „Man kann Kinder nicht einfach fragen, wo oder wie es genau weh tut. Man muss Detektiv spielen und genau beobachten können“, begründet er sein Interesse an der Kindermedizin.

Forschung an Tumoren

Momentan arbeitet Morscher an der Princeton Universität im US-Bundesstaat New Jersey und forscht im Bereich des Tumorstoffwechsels. Er will ergründen, welche genetischen Veränderungen dazu führen, dass Tumore schnell wachsen können. Lernpausen gibt es bei Raphael Morscher nur selten. Sogar jetzt, im Heimaturlaub in Bludenz, breitet er jeden Tag seine Notizen aus, um zu arbeiten. „Natürlich tanke ich in Vorarlberg Kraft und arbeite weniger als sonst. Das ist der Ausgleich zu meinem sonst sehr arbeitsintensiven Alltag. Aber der Ausgleich darf eben nicht überhandnehmen“, sagt er und lächelt. „Die Aussicht, irgendwann Tumore zu therapieren, die heute als unheilbar gelten, treibt mich an“, sagt er und setzt sich wieder an die Arbeit. Genug Pause für heute.

Meine Eltern ermutigten mich, alles kritisch zu hinterfragen.

Raphael Morscher
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer
Stolz zeigt Raphael Morscher die Urkunde, die seine Promotion bestätigt.                          Foto: Steurer

Zur Person

Raphael Morscher

Geboren: 27. September 1987 in Bludenz

Ausbildung: Studium der Medizin, Doktor der molekularen Medizin

Familienstand: ledig

Hobbys: Schwimmen, Laufen, Radfahren