Wirtschaft will mehr Grenzpersonal

Vorarlberg / 20.04.2017 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor dem Grenzübergang Mäder sieht es nicht selten so aus.  VN/HB
Vor dem Grenzübergang Mäder sieht es nicht selten so aus. VN/HB

Land bemühe sich um Verbesserungen, aber der Bund würde nicht mitziehen.

Schwarzach. (VN-hk) An den Grenzen zur Schweiz und nach Liechtenstein staut sich der Verkehr in beide Richtungen – vor allem zu den Stoßzeiten am Vormittag und am Nachmittag. Die Grenzübergänge sind am Plafond ihrer Kapazität. Darin sind sich alle einig. Trotzdem glauben Kommunen und Wirtschaft, dass es möglich wäre, Staus und Wartezeiten zu reduzieren.

Geschulte Leute

„Das Land tut viel, um die Situation an den Grenzen zu entschärfen. Beispiel Verkehrsleitsysteme, Markierungen. Aber: Es gehört auch der Personalstand ausgebaut. Und dazu braucht es den Bund. Der Zoll braucht mehr Personal in jedem Bereich. Vor allem auch für die Verkehrsabwicklung“, sagt Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr bei der Vorarlberger Wirtschaftskammer.

„Für die Ordnung des Verkehrs braucht es geschulte Leute. Die müssen sowohl den Verkehr regeln können, als auch über Know-how in zollrechtlichen Angelegenheiten verfügen. Das Finanzministerium muss dieses Personal für eine EU-Außengrenze zur Verfügung stellen“, macht Tagwerker klar. Der Kämmerer kritisiert aber auch Liechtenstein. „Dass die Nachbarn die Fahrverbotszeiten für Lkw auf ihrer Seite einfach ausweiten, ist auch nicht angenehm.“

„Ein Mann, der die Lkw über die Brücke weist, würde bei uns die Staus beseitigen“, sagt Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder. Allerdings könnte auch das Zollamt vom gegenüberliegenden Kriessern diese Person stellen. Denn: „Auf unserer Seite haben wir ja genug Platz, eng wird es bei den Schweizer Kollegen. Dort verursachen zwei stehende Lkw sofort einen Stau von bis zu einem Kilometer. Auch eine Ampelanlage für die Dosierung des Lkw-Verkehrs auf der Brücke könnte sich Siegele vorstellen. „Eine Person als Verkehrsregler wäre jedoch besser“, ist Siegele überzeugt. Im Mäder passieren täglich 7000 Pkw und 800 Lkw die Grenze in beide Richtungen.

Auffächerung

Halbwegs akzeptabel findet Höchsts Bürgermeister Herbert Sparr die Verkehrssituation am Übergang nach St. Margrethen. Durch die Neugestaltung des Grenzareals hofft Sparr auf eine weitere Verbesserung der Situation. Dass die Forderung nach mehr Auffächerung auch seine Gemeinde mit mehr Frequenz treffen könnte, beurteilt der Bürgermeister zurückhaltend. „Es kommt darauf an, wie diese Auffächerung genau ausschauen würde“, meinte Sparr zu den VN. Nachsatz: „Als im vergangenen Sommer die Brücke von Lustenau nach Au zu war, haben wir gesehen, wie arg so viel Verkehr sein kann.“ Viel zur Reduzierung der Staus habe in Höchst die Verlängerung der Grünphase vor der Kreuzung bei der Kirche für Fahrzeuge gebracht, die von Richtung Gaißau (Blum-Werk) zur Grenze fahren.

Den Bund im Visier

Scharf ins Gericht mit den aus seiner Sicht unzureichenden Maßnahmen am 24-Stunden-Grenzübergang Lustenau-Au geht der Lustenaur FPÖ-Chef Martin Fitz. „Es ist eine Frechheit, dass die Republik auf der einen Seite viel Geld aus dem florierenden Wirtschaftsverkehr lukriert, andereseits nicht bereit ist, das für eine reibungslose Abwicklung des Grenzverkehrs notwendige Personal zur Verfügung zu stellen.“

Eine bessere Kooperation der Schweizer Nachbarn wünscht sich der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger. „Andererseits verstehe ich die Diepoldsauer, wenn sie sich gegen noch mehr Verkehr durch ihre Gemeinde wehren.“

Der Zoll braucht mehr Personal in jedem Bereich.

Michael Tagwerker