Frühe Bildung als gutes Sprungbrett

21.04.2017 • 16:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kinder jeden Alters sollen sich in einer Betreuungseinrichtung wohlfühlen und das Geschehen mitgestalten können. Foto: stiplovsek
Kinder jeden Alters sollen sich in einer Betreuungseinrichtung wohlfühlen und das Geschehen mitgestalten können. Foto: stiplovsek

Dafür braucht es aber Qualität in der Kleinkindbetreuung. Fach­tagung in Feldkirch.

feldkirch. (VN-mm) In puncto Kindergartensystem stellt Prof. Wolfgang Tietze Österreich ein gutes Zeugnis aus. Eine andere Sache ist die Betreuung der bis zu Dreijährigen. „Hier gibt es fast überall Nachholbedarf“, konstatiert der Experte von der Freien Universität Berlin. In den meisten EU-Ländern liegt die Versorgung bei durchschnittlich 30 Prozent. Eine Ausnahme bilden die skandinavischen Länder, allen voran Dänemark, das mit einer Quote vonn 80 Prozent aufwarten kann. Nicht nur daraus zieht der Experte für Kleinkindpädagogik den Schluss, dass sich in unseren Breiten ebenfalls etwas tun muss. Er prognostiziert auch einen stark steigenden Bedarf an Kleinkindbetreuung. Denn Familie verändere sich. Zudem spricht Tietze von einer Zunahme der Bedeutung von früher Bildung. Was ihn zu der Forderung führt, dass in allen Bereichen, sowohl bei der Betreuung wie bei der Ausbildung der Betreuerinnen, Qualität gewährleistet und gesichert werden muss. „Es lohnt sich, dafür Geld auszugeben“, sagt Tietze.

Breites Spektrum

Er hat am Freitagabend den Eröffnungsvortrag im Rahmen der ersten „Elementarpädagogischen Fachtagung für Kleinkindbetreuung“, die noch bis Sonntag in Feldkirch stattfindet, bestritten. Zustande kam die Veranstaltung auf Initiative von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker, organisiert wurde sie in Zusammenarbeit mit der Servicestelle für Spielgruppen und Eltern-Kind-Zentren. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Kleinkindbetreuung. In Deutschland ist diese offenbar nur Mittelmaß. „Es besteht eine starke Streuung“, zitiert Tietze aus Untersuchungen.

Dabei bringt nur Qualität die Kinder weiter. „Ihre Bildungschancen hängen sogar ganz wesentlich davon ab“, betont er. Wer von klein auf eine gute Betreuung genießt, tut sich laut Studien in der Schule leichter und ist auch sozial gefestigter. Qualität selbst bildet sich in einem breiten Spektrum ab. Gibt es genug Platz für die Kinder? Wie groß sind die Gruppen? Wie gehen Erwachsene mit den Kindern um? Werden Kinder als aktive Wesen betrachtet, und können sie das Geschehen in der Betreuungseinrichtung mitgestalten? Diese und ähnliche Fragen stehen auf dem Prüfstand. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Eltern bewertet Tietze als wichtig. „Je jünger die Kinder sind, umso mehr wollen die Eltern einbezogen sein.“ Gut informierte Mütter seien zudem bessere Arbeitnehmerinnen.

Gütesiegel für Betreuung

Ebenfalls ein Kriterium ist die Ausbildung der Betreuungspersonen. Auch hier dürfe nicht gespart werden, fordert Tietze eine Aufwertung des Berufs, unter anderem durch bessere Bezahlung. Er wünscht sich Standards zur Qualitätssicherung. „Jeder Apfelsaft ist zertifiziert“, merkt er süffisant an. Deshalb hat sein Institut für Deutschland ein Kindergartengütesiegel kreiert, das er nun mit österreichischer Beteiligung zur Europareife führen möchte. Wolfgang Tietze sieht das gesellschaftliche Fenster für dieses Thema derzeit weit geöffnet. Es gelte, die Chance mit Veranstaltungen wie der in Feldkirch zu nutzen.

Derzeit ist das Fenster für dieses Thema weit geöffnet.

Wolfgang Tietze