„Wir wollen kein Match gegen die Wirtschaft“

Vorarlberg / 21.04.2017 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vollversammlung der Landwirtschaftskammer legt Schwerpunkte für laufendes Jahr fest.

Bregenz. (VN-hk) Die mit Spezialfutter gezüchteten Hochleistungskühe beschäftigten am Rande der Landwirtschaftskammer-Vollversammlung freilich auch den Präsidenten. „Ja, es gibt vereinzelte schwarze Schafe, die Kühe unsachgemäß hochfüttern“, räumte LK-Präsident Josef Moosbrugger (52) am Rande der Versammlung ein. „Aber“, so Moosbrugger als Reaktion auf den VN-Bericht vom Freitag, „man darf Zusatzfutter für den Energiehaushalt der Tiere nicht gleichsetzen mit der Verabreichung von Spezialfutter zur Leistungssteigerung. Abgesehen davon gibt nur eine Kuh viel Milch, die sich auch wohlfühlt.“ Die höhere Leistung der Kühe von heute habe mit einer viel besseren Pflege der Tiere zu tun.

Zufriedenheit

Mit dem abgelaufenen Bauernjahr zeigte sich Moosbrugger zufrieden. „Die Agrarmärkte entwickelten sich gut, und auch die Preise haben angezogen.“ Stark nachgefragt sei regionales Rindfleisch, im Gegensatz zu Kalb- und Schweinefleisch. Bei der Milch sei den heimischen Produzenten der internationale Durchhänger in Folge der langen Qualitäts- und Markenstrategie erspart geblieben. „Insgesamt war 2016 besser als prognostiziert.“ Ein Schwerpunkt des neuen Jahres bleibe das Thema Boden. Die Haltung der Kammer dazu: Eine gewisse Flexibilität bei den Grünzonen muss es geben dürfen, aber keinen freien Zugriff darauf. „Wir wollen kein Match Landwirtschaft gegen Wirtschaft“, betont Moosbrugger. Kein fruchtbarer Boden dürfe jedoch in die Hände von Spekulanten kommen. Auf alle Fälle sei die Raumplanung auch in puncto Gewährleistung der Ernährungssicherheit gefordert.

Innere Reform

Das Hochwasserschutzprojekt Rhein – Erholung – Sicherheit (Rhesi) sieht Moosbrugger in eine Richtung laufen, die für die Landwirtschaft erträglich scheint. „Dammab­rückungen in Koblach okay, nicht aber in Fußach. Und wenn wir Boden verlieren, dann muss die Finanzierung des Gesamtprojektes auch Qualitätsverbesserungen von alternativen Ackergründen vorsehen“, macht der Präsident deutlich.

Der heurigen Alpsaison sieht Moosbrugger zuversichtlich entgegen. Man werde alle zur Verfügung stehenden Alpen bestoßen, „aber natürlich wird man auf einige Winkel verzichten müssen, die als stark TBC-gefährdet ausgewiesen sind“. Die Bekämpfung des Erregers müsse partnerschaftlich vonstatten gehen. Moosbrugger ist gespannt darauf, wer sein neuer Ansprechpartner als Landesjägermeister werde.

Für die innere Struktur der Landwirtschaftskammer kündigt Moosbrugger Reformen an. „Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant, die Erwartungen der jungen Generation an ihre Interessenvertretung und Servicestelle sind andere als die der älteren Betriebsführer.“ Die neue Funktionsperiode sei ein guter Zeitpunkt, den Aufgabenkatalog, die Organisationsstruktur und die Finanzierung näher unter die Lupe zu nehmen.