Amtsärzte mit Imageproblem

23.04.2017 • 17:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neue Ausbildung und Schaffung von Spezialteams sollen Beruf entstauben.

bregenz. (VN-mm) Sie sind keine Mediziner im klassischen Sinne. Zumindest keine, die helfen und Leben retten. Wer zum Amtsarzt muss, tut dies meist nicht freiwillig. Darunter leidet auch das berufliche Image. „Die Außenwirkung ist eine negative, weil wir fast nur mit unangenehmen Dingen in Verbindung gebracht werden“, bestätigt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. Außerdem gilt der Job als „knochentrocken“ und deshalb unattraktiv.

Andere Bundesländer klagen bereits über einen teilweise eklatanten Personalmangel, in Vorarlberg läuft auf der Website des Landes eine Dauerausschreibung für solche Posten. Doch nun wird abgestaubt. Eine moderne Ausbildung sowie die Bündelung von Kompetenzen in speziellen Teams sollen dem Beruf einen frischen Anstrich verpassen. So plant etwa das Land die Schaffung einer schnellen Eingreiftruppe, wenn der Ausbruch von Infektionskrankheiten droht.

Personell noch gut dran

Österreichweit gibt es 200 bis 300 Amtsärzte. In Vorarlberg sind es derzeit neun, vier Frauen und fünf Männer. Die Bezirkshauptmannschaften Bludenz, Feldkirch und Bregenz verfügen über je zwei Amtsärzte, die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn beschäftigt einen Amtsarzt. Dazu kommen noch die Amtsärzte im Amt der Landesregierung.

Die Anstellungsverhältnisse reichen von 50 über 70 und 80 bis hin zu 100 Prozent. Teilweise arbeiten Amtsärzte auch für andere Dienststellen. „Im Moment sind wir personell noch gut dran“, bestätigt Wolfgang Grabher. Auch, weil es kaum einen Wechsel bei den Amtsärzten gibt. „Was das betrifft, ist die Situation sehr stabil“, kann Gesundheitslandesrat Christian Bernhard berichten. Der allgemeine Ärztemangel macht sich laut Grabher dennoch bemerkbar. Der Job sei eben nicht spektakulär.

Dabei können Landessanitätsdirektor Grabher und Christian Bernhard nur Gutes aus diesem Metier berichten. Beide reden von einem sehr frauenfreundlichen Beruf. Die Arbeitszeit ist planbar, Wochenenden und Abende sind weitgehend frei von offiziellen Terminen, seit Zuweisungen nach dem Unterbringungsgesetz über einen neuen Ärztebereitschaftsdienst laufen. Grabher schwärmt überdies von einer breiten Palette an Aufgaben, die den Beruf interessant mache, und einer intellektuell herausfordernden Tätigkeit. Führerscheinbegutachtungen, Infektionskrankheiten, Spitalseinschauen: „Nur haben wir keine dankbaren Patienten“, merkt er zu diesen Beispielen an. Denn Amtsärzte sticheln, fragen nach, nörgeln, sind lästig.

Ohne Kenntnisse in den Job

Christian Bernhard war von 1993 bis 2012 Amtsarzt, ehe er zum Leiter des Gesundheitsressorts berufen wurde. Ihm machte vor allem die Erstellung von Gutachten Spaß. „Das ist ein Bereich, in dem sich nur wenige Leute auskennen“, sagt Bernhard. Das führt zu einem anderen Problem: „Im Medizinstudium lernt man so gut wie gar nichts über die Aufgaben von Ärzten im öffentlichen Gesundheitswesen“, moniert Wolfgang Grabher. Die meisten Amtsärzte würden praktisch ohne entsprechende Kenntnisse anfangen. Auch das macht dem Beruf zu schaffen. „Um ihr Ansehen zu steigern, brauchen Amtsärzte eine gute und moderne Ausbildung“, betont Christian Bernhard. „Und sie muss auf internationales Niveau angehoben werden“, ergänzt Wolfgang Grabher. Eine diesbezügliche Forderung der Landesgesundheitsreferenten ist mittlerweile in Umsetzung. Bernhard rechnet noch heuer mit einem positiven Abschluss.

Im Land selbst wird als erster Schritt zu einer besseren Aufgabenverteilung bereits am Aufbau eines Infektionsteams gearbeitet. „Wir möchten Kapazitäten und Wissen auf spezialisierte Personen bündeln“, begründet Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. Dazu sind allerdings noch Gespräche mit den Bezirkshauptmannschaften erforderlich.

Die Amtsärzte sticheln, fragen nach, nörgeln und sind lästig.

Wolfgang Grabher